Der Garten in den Ferien

01. August 2016 von Gabriella Pape
Kategorien: Jahreszeiten |

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Rosa 'Kew Gardens'

Rosa ‚Kew Gardens‘

Stellen Sie sich vor, Sie fahren in den Urlaub und der Rasen hört auf zu wachsen, die Blumen pausieren mit der Blüte und alles, was Blätter hat und Photosynthese betreibt, macht jetzt eine Sommerpause, das wäre doch der Himmel auf Erden. Ist aber wirklich nur eine Wunschvorstellung, denn gerade in den heißen Sommermonaten wachsen die Pflanzen besonders stark und ausdauernd. Auch wenn man meint, dass es in den letzten Tagen genügend für den ganzen Sommer geregnet hätte, trügt der Schein.

 

Daher sollte man seinen Garten jetzt langsam an die mageren Wochen gewöhnen, in denen vielleicht mal ein Nachbar nach dem rechten schaut. Hören Sie auf täglich Ihren Garten mit Wasser zu besprenkeln, lassen Sie die Pflanzen ruhig ein paar Stresstage durchmachen und gießen Sie auch nur alle drei bis vier Tage den geliebten Rasen. Wer jetzt seine Pflanzen entwöhnt, gibt ihnen auch das richtige Signal dafür, dass sie sich in den nächsten Wochen mehr um sich selbst kümmern müssen. Viele Pflanzen sind in der Lage, sich auf ein paar magere Tage einzustellen, man darf sie nur vorher nicht ans Schlaraffenland gewöhnen. Reduzieren sie also jetzt Ihre Sprenkelaktionen und wässern alle drei bis vier Tage richtig, so dass der Boden getränkt wird.

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Bei den Rosen hilft jetzt, die verblühten Triebe etwas stärker herunter zu schneiden, so dass sie ihre Blühpause in Ihre Ferienzeit verlegen. Wenn Sie zurück kommen, haben die Rosen dann neue Knospen angesetzt. Geben Sie vor dem Urlaub jeder Rose noch einmal eine Handvoll Dünger und sieben bis zehn Liter Wasser, Sie werden staunen, wie wenig die Rose Sie vermisst.

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Auch Sträucher, die erste Anzeichen von Schlaffheit zeigen, genießen ein paar Gießkannen Wasser bevor Sie verreisen. Bei Stauden ist das anders, deshalb lohnt es sich, einige von ihnen jetzt ganz bis auf zehn Zentimeter runter zu schneiden, wie die Katzenminze und den Frauenmantel, selbst der Rittersporn dankt den Rückschnitt mit wiederholter Blüte nach den Ferien.

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Balkonbesitzer, die eine Bewässerung für zu riskant halten, weil sie Angst davor haben, nach den Ferien eine geflutete Wohnung vorzufinden, sollten den Flaschentrick probieren. Man nehme pro Balkonkasten und Pflanztrog ein bis zwei  große Plastikflaschen, 1,5 l sind perfekt, schneidet den Boden heraus und schraubt sie mit dem Flaschenhals nach unten in die zu bewässernden Tröge. Sobald sie richtig fest in der Erde sind, kann man den Flaschenkörper mit Wasser füllen. Am besten füllt man die Flaschen erst einmal nur halb, um zu sehen, wie viel Halt sie haben, der Halt verbessert sich mit der Zeit. Die Flasche gibt dann so lange Wasser an den Blumentopf ab, wie die Erde trocken ist. Sobald sie nass ist, hört die Flasche auf, Wasser zu verteilen. Das ist jedenfalls die Idee. Ist die Flasche nicht fest genug im Topf verankert, kann das Ganze auch zu einer schrecklichen Sauerei ausarten. Man muss also, wie bei allem im Garten, auch hier etwas Geduld mitbringen. Übrigens, diese Methode ist nicht unbedingt die attraktivste, denn leicht kann eine Terrasse oder ein Balkon aussehen wie ein überfüllter Flaschencontainer, doch das kann Ihnen während Ihrer Abwesenheit ja egal sein. Wichtig ist nur, dass Sie sich nicht an das Bild mit den Flaschen gewöhnen, wenn Sie wieder da sind.

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Wer sich viel Aufwand über Jahre sparen möchte, sollte tatsächlich in ein Bewässerungssystem mit unterschiedlichen Schaltkreisen und einer Zeitschaltuhr investieren. Ich habe in meinen eigenen Garten dieses Frühjahr eine Anlage bauen lassen, die auch zwei Stränge auf den Terrassen im ersten Stock bedient, um dort die großen und kleinen Tröpfe zu bewässern. Und schon jetzt genieße ich diese Unabhängigkeit sehr, keine Nachbarn und Freunde mehr für die Pflanzen bemühen zu müssen.

Ich wünsche geruhsame Ferien.

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Gabriella Pape

Über Gabriella Pape

Nach ihrer Ausbildung in der renommierten Baumschule Lorenz von Ehren, studierte die gebürtige Hamburgerin Gabriella Pape in Großbritannien Biologisch Dynamische Landwirtschaft, Horticulture und Landschaftsarchitektur. Nachdem sie ihre Studien am größten Botanischen Garten der Welt, Kew Gardens in London, mit Auszeichnung abgeschlossen und darüber hinaus ein Diplom für Landschaftsarchitektur der Universität Greenwich erworben hatte, machte sie sich selbständig: Im Jahr 1992 gründete sie zusammen mit der Pflanzenexpertin und Gartenhistorikerin Dr. Isabelle Van Groeningen, die ebenfalls in Kew Gardens studiert hatte, das Gartendesignstudio LANDART in England. Die beiden Gartendesignerinnen haben sich durch ihre vielseitigen und umfangreichen Garten- und Parkgestaltungen in Europa, Südamerika und Asien einen Namen gemacht, der es ihnen ermöglicht, dieses Wissen auch weiterzuvermitteln. Neben vielen anderen Auszeichnungen gewannen Gabriella Pape und Isabelle Van Groeningen im Jahr 2000 eine Goldmedaille und den Titel „Best in Show“ der Royal Horticultural Society für ihren Showgarten auf der Hampton Court Flower Show. Im Frühjahr 2007 erhielten sie die Silver Gilt Medaille auf der Chelsea Flower Show für ihre Kreation eines Senkgartens in Anlehnung an die Gartengestaltungskunst des berühmten deutschen Staudenzüchters Karl Foerster. Eine Auszeichnung, die unter Gartendesignern mit dem Oscar in der Filmwelt verglichen wird. Im Jahr 2008 gründeten Gabriella Pape und Isabelle Van Groeningen in Berlin Dahlem die Königliche Gartenakademie als ein Zentrum für Gartenkultur.