Blickfang im Spätsommer

25. August 2016 von Gabriella Pape
Kategorien: Die Gartenakademie, Jahreszeiten, Sommer | Schlagwörter: , , |

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calamagrostis-brachitricha

Calamagrostis brachitricha

Um einen schönen Garten zu schaffen, braucht man nicht nur ein gutes Design und eine den Ansprüchen genügende Geldbörse, sondern vor allem: HINGABE.

Ohne Letzteres passiert nämlich nicht viel Neues im Garten, besonders nicht zu dieser Jahreszeit. Ich begleite Sie und Ihren Garten ja schon eine ganze Weile und denke, dass Sie nun so fortgeschritten sind, dass ich nicht nur über einzelne Pflanzen schreiben sollte –  das kann ja etwas dröge werden. Stattdessen werde ich Ihnen am besten ein paar Pflanzenkombinationen für die Jahreszeiten zusammenstellen. Denn es ist durchaus im Garten nicht anders als im wirklichen Leben: In der Mischung liegt die Kunst. Und außerdem passen aus meiner Sicht nicht alle Pflanzen zusammen.
Bei so mancher Beetkomposition, gerade zu dieser Jahreszeit, stellen sich mir nämlich die Nackenhaare auf. Ich sage zwar oft, dass im Garten alles geht und auch fast alles erlaubt ist, aber jetzt darf es auch mal harmonischer werden. Denn mit Harmonie finden Sie die nötige Hingabe, sich Ihrem Garten mehr denn je zu widmen.

Gabriella Pape

Gabriella Pape

Wer Rottöne jetzt im Sommer mag, der sollte es mal mit folgender Kombination versuchen: Der hinreißenden, einfachblühenden Dahlia ‚Bishop of Auckland’, deren dunkles Laub der asterverwandten Kalimeris (Schönaster) sehr zur Geltung verhilft, während die Fetthenne Sedum ‚Matrona’ die Blätter eines dazugepflanzten Knöterichs Persicaria amplexicaule ‚Taurus’ verführerisch exotisch erscheinen lässt. Weil das Sedum und die Dahlie doch recht dominant sind, braucht man davon in dieser Kombination nur je eine. Der Knöterich ist dagegen nicht gerne alleine und sollte schon zu zweit oder dritt gepflanzt werden. Das gleiche gilt für die Schönaster.

Für eine Feinschmecker-Kombination habe ich eine Dahlie gefunden, die tatsächlich ‚Twining’s After Eight’ heißt, über deren sehr üppigem, dunklem Laub in etwa ein Meter Höhe minzweiße Blüten tanzen. Diese Dahlie habe ich in Kombination mit Reitgräsern (Calamagrostis) und Chinaschilf (Miscanthus) gesehen und war völlig vom Hocker. Immer wieder schön, auch für mich, dass es ständig zauberhaftes Neues für den Garten zu entdecken gibt, wenn man nur die Augen offen hält und niemals denkt, dass nun der Garten fertig sei. Sie wissen ja was Karl Foerster dazu sagte: Wer mit seinem Garten schon zufrieden ist, hat ihn nicht verdient.

Dahlia Jowey Mirella

Dahlia Jowey Mirella

Überhaupt habe ich in den letzten Jahren festgestellt, dass Dahlien und Gräser eine hervorragende Kombination sind, vor allem die etwas transparenten, leichtblütigen Gräser wie das Pfeifengras sind ideal, um ein Spätsommerbeet einen Touch laszive Hingabe ausdrücken zu lassen. Ich werde versuchen, meine Staudensnobs an der Gartenakademie davon zu überzeugen, ein Schaubeet dieser Art anzulegen, damit Sie wissen, was ich meine. Ich denke da an eine Kombination aus burgunderroten Dahlien (‚Jowey Mirella’) und pinken Balldahlien, wie D. ‚Graaf Floris’, mit purpurner D. ‚Moor Place’, das ganze aufgepeppt mit Aster ‚Lady in Black’, gelbem Solidago ‚Fireworks’ und vielleicht tanzt hier und da auch noch ein Eisenkraut (Verbena bonariensis) durch das Ensemble. Das nenne ich eine bunte, fröhlich stimmende Reihe, eine Art Ringelpiez mit Anfassen. Es darf nämlich im Garten auch gerne lustig zu gehen. Da gerade vielerorts von Spaß geschrieben und gesprochen wird: Ja, Garten darf auch Spaß machen!

Isabelle van Groeningen

Isabelle Van Groeningen

Doch auch der etwas sachlichere Gartentyp soll heute nicht zu kurz kommen. Für eine wunderbare weiße Kombination lassen sich nämlich die Blüten des weißen Wiesenknopfes (Sanguisorba canadensis) ganz toll mit der Dahlie ‚Snowstorm’ und der weißen Schönaster (Kalimeris incisa madiva) verbinden.

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Gabriella Pape

Über Gabriella Pape

Nach ihrer Ausbildung in der renommierten Baumschule Lorenz von Ehren, studierte die gebürtige Hamburgerin Gabriella Pape in Großbritannien Biologisch Dynamische Landwirtschaft, Horticulture und Landschaftsarchitektur. Nachdem sie ihre Studien am größten Botanischen Garten der Welt, Kew Gardens in London, mit Auszeichnung abgeschlossen und darüber hinaus ein Diplom für Landschaftsarchitektur der Universität Greenwich erworben hatte, machte sie sich selbständig: Im Jahr 1992 gründete sie zusammen mit der Pflanzenexpertin und Gartenhistorikerin Dr. Isabelle Van Groeningen, die ebenfalls in Kew Gardens studiert hatte, das Gartendesignstudio LANDART in England. Die beiden Gartendesignerinnen haben sich durch ihre vielseitigen und umfangreichen Garten- und Parkgestaltungen in Europa, Südamerika und Asien einen Namen gemacht, der es ihnen ermöglicht, dieses Wissen auch weiterzuvermitteln. Neben vielen anderen Auszeichnungen gewannen Gabriella Pape und Isabelle Van Groeningen im Jahr 2000 eine Goldmedaille und den Titel „Best in Show“ der Royal Horticultural Society für ihren Showgarten auf der Hampton Court Flower Show. Im Frühjahr 2007 erhielten sie die Silver Gilt Medaille auf der Chelsea Flower Show für ihre Kreation eines Senkgartens in Anlehnung an die Gartengestaltungskunst des berühmten deutschen Staudenzüchters Karl Foerster. Eine Auszeichnung, die unter Gartendesignern mit dem Oscar in der Filmwelt verglichen wird. Im Jahr 2008 gründeten Gabriella Pape und Isabelle Van Groeningen in Berlin Dahlem die Königliche Gartenakademie als ein Zentrum für Gartenkultur.