Asternpracht im Spätsommer

30. September 2016 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Herbst, Jahreszeiten, Pflanzen, Übers Gärtnern | Schlagwörter: , , , , |

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Am 1. Oktober nehme ich mich jedes Jahr die Zeit, unseres Staudenbeet mal rauf und runter zu laufen, um zu sehen was gerade anfangt zu blühen, und was überhaupt noch anfangen muss.

Es ist wichtig, dass man sich auch jetzt noch auf mindestens zehn Wochen Blütenpracht freuen kann, bevor die ungemütliche dunkle Zeit anfangt. Zu oft besuche ich Gärten, wo ab August nur noch Grün zu sehen ist, wo noch einige Rosen ihre Restenergie in nur schwache Blüten schieben, und sonst nichts mehr los ist. Selbst Herbstfarbe scheint in viele Gärten völlig zu fehlen.  Es muss wirklich nicht so sein, dass ab Spätsommer Gärten langsam ihr langweiliges Grün für deprimierendes Braun austauschen, um dann die folgenden Wintermonate kahl und trostlos zu sein!

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Schönaster Kalimeris incisa ‚Madiva’

Für das Sonnenbeet sind jetzt die viele Astern und deren enge Verwandten angesagt.  Meine Favoriten sind die Schönaster Kalimeris incisa ‚Madiva’, die ihre weiße Blütenpracht von Ende Juli bis Oktober tragt, und eine der problemfreieste Pflanzen ist, die wir im Beet haben. Mit ihre ca. 1 Meter Höhe gehört sie in die zweite Reihe unseres Beetes.

Für den Mittelgrund unsere Beete (oder die Rückseite eines Staudenbeetes, was vor eine Mauer oder Hecke geplant ist), gehört die Arkansas Scheinaster Vernonia crinita. Diese imposante hohe Staude kommt erst in September mit intensiv violette Blüten, gefolgt von entzückende alt-rosa kuschelige Samenstände. In Beete mit Bewässerungsanlage, oder feuchtem Boden, wachst sie wesentlich höher als bei uns, wo sie 1,60 Meter erreicht. Diese Pflanze verursacht allerdings jedes Frühjahr ein wenig Emotion, da sie sehr spät austreibt, und wir jedes Jahr denken, sie ist eingegangen, und wenn wir schon mit Ersatzpflanzen in die Hand fertig stehen, ist sie plötzlich doch wieder da.

Arkansas Scheinaster Vernonia crinita

Arkansas Scheinaster Vernonia crinita

Eine besonders charmante Aster ist A. ‚Little Carlow’. Sie entzückt mich jedes Jahr mit ihre Wolke von hunderte blaue Blüten, die leicht heller werden beim Verblühen, so daß sie ein sanftes zwei-ton Effekt schafft. Die Mengen an feine Blüten verursachen, die Stielen leicht vorüber zu neigen, aber das ist gerade ja ihren Charme: Wo bei andere Astern es einen ärgert das sie sich nicht gerade aufrecht halten, kreiert sie eine lockere blaue Wolke, die leicht über schon lang-verblühte kleine Stauden am Beetrand schwebt.

Aster ‚Little Carlow’

Aster ‚Little Carlow’

Die als allerletzte die Blüte und das Blütesaison abschließt, ist die waagerechte Aster A. horizontalis lateriflorus ‚Lady in Black’. Diese fangt erst in die zweite Oktoberhälfte an mit ihre kleine weiße Blüten mit rotes Mitte die zierlich oberhalb das braun-rote Laub sitzen. Sie steht wie ne eins, ist gesund und fit, und wandert nicht. Eine tolle Blattpflanze, die den ganzen Sommer schon ein tolles Blattkontrast im Beet verursacht.

Aster horizontalis lateriflorus

Aster horizontalis lateriflorus

Einige Astern, kombiniert mit tolle Gräser wie Calamagrostis brachytricha, Molinia ‚Windspiel’ oder Panicum ‚Cloud Nine’ und ein paar zuverlässige Fetthenne wie ‚Matrona’ und natürlich ‚Herbstfreude’, sorgen für ein buntes, farbfrohes Spätsommer–Herbstbeet.

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Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.