Des Jahres Abschiedsfeier vorbereiten

19. Oktober 2016 von Gabriella Pape
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Der Garten im Herbst

Beet im Oktober - Garten im Herbst © Isabelle van Groeningen

Beet im Oktober © Isabelle van Groeningen

Es ist heute ein schöner klarer Herbsttag, schon mit dem Leuchten, den klaren Farben und dem unglaublichen Charme von mit Tautropfen versehenen Spinnennetzen, in denen die Besitzer auf Beute warten. Die Rosen setzen zum Endspurt an, die Gräser sind auf dem Weg zur ihrer Jahreshöchstform und manch kleiner Vertreter der Stauden zieht sich klammheimlich, still und leise in sich zurück, um dann geduldig auf das nächste Frühjahr zu warten. Die Astern springen förmlich in ihrer begonnenen Fröhlichkeit aus den Beeten“. Dies sind die geschriebenen Worte, mit denen mir unsere Chefgärtnerin Thea das Beet an der Gartenakademie während meiner Abwesenheit beschrieb.

Aster le Vasterival - Garten im Herbst© Isabelle van Groeningen

Aster le Vasterival © Isabelle van Groeningen

Vielleicht sehen auch Sie dieses Bild in Ihrem Garten. Und wenn nicht, dann ist es an der Zeit, etwas zu ändern, denn der Herbst muss zelebriert werden. Er ist zusammen mit dem Frühjahr die dramatischste Jahreszeit. Die Jahreszeiten der großen Veränderungen sollte man mit so vielen Farben, Formen und Bewegungen feiern, wie es nur geht. Denn wenn es so wird wie im letzten Jahr, dann müssen wir tatsächlich wieder sechs Monate warten, bis sich die ersten grünen Spitzen der Schneeglöckchen zeigen. Das ist doch wirklich ein Grund mehr, sich ein wenig mehr Mühe zu geben und den Garten noch einmal aufflammen zu lassen.

Molinia frosted Garten im Herbst © Isabelle van Groeningen

Molinia frosted © Isabelle van Groeningen

Es sollten dringend ein paar feinfiedrige Gräser wie die Molinia “Windspiel“, “Transparent“ oder “Karl Foerster“ oder die unglaubliche, nimmer endend fröhlich blühende Aster frikartii “Mönch“ gepflanzt werden. Sondern es gilt vor allem jetzt die Gartenschere wegzulegen oder sie gar zu verbieten. Denn wer jetzt mit den Staudenbeeten Tabula Rasa macht, der reduziert nicht nur den ökologisch wertvollen Part des Beetes, sondern er beraubt sich auch einiger der oben beschriebenen Bilder.

Nichts ist so schön wie wenn sich das Licht der tiefen Morgen- oder Abendsonne in den Spinnenweben zwischen den Staudenstengeln bricht. Ich weiß, dass es bei unserem Sauberkeitsfimmel besonders im Oktober nicht leicht fällt, nicht alles aus den Beeten zu schneiden oder gar heraus zu harken. Doch leider ist diese Harkerei gar nicht gut und es gibt eigentlich auch überhaupt keinen Grund, diese natürliche Schutzschicht der Erde zu entfernen. Auch das Herbstlaub, das auf die Beete fällt, dient den Stauden, Rosen und Sträuchern als Schutz und sollte bis zum Frühjahr bleiben.

Erst im Frühjahr, wenn die Erde wieder erwacht, sollte man die Reste, die sich dann doch als zu viel erweisen aus den Beeten sammeln. Eine Harke hat in einem Staudenbeet hingegen gar nichts zu suchen. Ich bin mir nicht ganz sicher, wann sich die Unsitte des Beeteharkens eingestellt hat. Auf jeden Fall gehört diese Tätigkeit für mich zu den unbefriedigenden Gärtnertätigkeiten, die nur mit dem Satz „das machen wir immer so“ erklärt werden. Und dies ist für mich allerdings weder ein befriedigender, noch fachlich aussagekräftiger Kommentar.

Aster Little Carlow © Isabelle van Groeningen

Aster Little Carlow © Isabelle van Groeningen

Überhaupt ist es ein wenig bedenklich, wenn ein Staudenbeetbesitzer zwischen seinen Stauden harken kann. Für mich ist das entweder ein Zeichen dafür, dass die Stauden nicht dicht genug stehen, oder dass er die meisten Stauden bereits aus Versehen mit heraus geharkt hat. Also bitte, bitte, lassen Sie Harke und Gartenschere mal im Schuppen und lassen Sie sich vom Zauber des Herbstes und dann vom frühen Winter überraschen. Sie werden auch staunen, wie viele Insekten, verspätete Hummeln und Bienen sich noch zeigen und den letzten Nektar aus den fast verblühten Blüten saugen. Und in die stehen gelassenen Samenkapseln vieler Stauden, wie Nachtkerzen (Oenothera), Brandkraut (Phlomis) oder die Kubanische Katzenminze (Nepeta kubanica), ziehen in den nächsten Wochen tausende von Kleinstlebewesen, die für den Garten WICHTIG sind.

Garten im Herbst © Isabelle van Groeningen

© Isabelle van Groeningen

Gabriella Pape

Über Gabriella Pape

Nach ihrer Ausbildung in der renommierten Baumschule Lorenz von Ehren, studierte die gebürtige Hamburgerin Gabriella Pape in Großbritannien Biologisch Dynamische Landwirtschaft, Horticulture und Landschaftsarchitektur. Nachdem sie ihre Studien am größten Botanischen Garten der Welt, Kew Gardens in London, mit Auszeichnung abgeschlossen und darüber hinaus ein Diplom für Landschaftsarchitektur der Universität Greenwich erworben hatte, machte sie sich selbständig: Im Jahr 1992 gründete sie zusammen mit der Pflanzenexpertin und Gartenhistorikerin Dr. Isabelle Van Groeningen, die ebenfalls in Kew Gardens studiert hatte, das Gartendesignstudio LANDART in England. Die beiden Gartendesignerinnen haben sich durch ihre vielseitigen und umfangreichen Garten- und Parkgestaltungen in Europa, Südamerika und Asien einen Namen gemacht, der es ihnen ermöglicht, dieses Wissen auch weiterzuvermitteln. Neben vielen anderen Auszeichnungen gewannen Gabriella Pape und Isabelle Van Groeningen im Jahr 2000 eine Goldmedaille und den Titel „Best in Show“ der Royal Horticultural Society für ihren Showgarten auf der Hampton Court Flower Show. Im Frühjahr 2007 erhielten sie die Silver Gilt Medaille auf der Chelsea Flower Show für ihre Kreation eines Senkgartens in Anlehnung an die Gartengestaltungskunst des berühmten deutschen Staudenzüchters Karl Foerster. Eine Auszeichnung, die unter Gartendesignern mit dem Oscar in der Filmwelt verglichen wird. Im Jahr 2008 gründeten Gabriella Pape und Isabelle Van Groeningen in Berlin Dahlem die Königliche Gartenakademie als ein Zentrum für Gartenkultur.