Der spektakuläre Herbstabschied (Teil 2)

14. November 2016 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Herbst, Neuigkeiten, Übers Gärtnern |

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Staudenbeet © Isabelle van Groeningen

Staudenbeet © Isabelle van Groeningen

Wie vor wenige Wochen versprochen, komme ich nochmal auf den zweiten Teil des Herbstlaubes zurück. Es hat gedauert, aber da liegt die Schuld nicht bei mir, sondern bei der Natur: sie ist recht spät in diesem Jahr. Letztes Wochenende war ich in unseren Garten in Belgien, wo die Eichen und Robinien noch zu 80% ihr grünes Sommerkleid hatten.

Laub schreddern © Isabelle van Groeningen

Laub schreddern © Isabelle van Groeningen

Während ich hier in unserem warmen Bürogewächshaus schreibe, blauer Himmel über dem Kopf und kostbare Sonnenstrahlen meinen Bildschirm schwer zu lesen machen, flattern jetzt die letzten Eichen- und Buchenblätter runter und sammeln sich in raschelnden Haufen auf den Wegen und Rasenflächen. Wichtig ist jetzt, diese letzten Blätter vom Rasen zu entfernen, dass Licht und Luft rankommt. Ansonsten sieht er im Frühjahr echt miserabel aus.  Am besten sammeln Sie das Laub mit dem Rasenmäher, damit ist der letzte Schnitt erledigt, das Laub schon mal etwas kleiner geschreddert, und kann dann so auf die Beete als schützende Mulchschicht rundum die Pflanzen verteilt werden, die dann auf der Stelle kompostieren kann.

Pfeiffengraeser © Isabelle van Groeningen

Pfeifengräser vorm Wurzelhaus © Isabelle van Groeningen

Ich liebe diese Zeit wo unsere Rotbuchenhecken einen leuchtenden, kupfergoldenen Hintergrund bieten. Einige grüne Kontrastpunkte davor, wie Eibe, bringen schönstes Farbspiel auch während sonniger Wintertage. Ähnlich leuchtend wirken jetzt auch die Pfeifengräser, selbst an trüben Tagen hat man das Gefühl die Sonne ist da und strahlt.

Hakonechloa Macra © Isabelle van Groeningen

Hakonechloa macra © Isabelle van Groeningen

Das andere Gras, das mir immer große Freude verschafft um diese Jahreszeit, wenn es sich vom frischen Grün über Gelb ins Rost-Orange verfärbt, ist das Japan Berggras Hakonechloa macra. Meistens sieht man nur die gelbgestreifte Sorte H. ‚Aureola‘, welche ein wenig schwächer im Wuchs ist, als die Sorte. Wer also die sinnliche Beweglichkeit dieses Grases genießen möchte der sollte die Sorte nehmen und mindestens drei Pflanzen zusammensetzen.

Liquidambar Styraciflua Herbstgarten © Isabelle van Groeningen

Liquidambar styraciflua © Isabelle van Groeningen

Einige der Gehölze sind jetzt wie der letzte Partygast der immer noch nicht gehen will: Sommergrüne Azaleen und die Perückensträucher (Cotinus coggygria) sind immer noch leuchtend rot, sowie auch die, zur Kugel geschnittenen Enkianthus perulatus, die frühblühende Prachtglocke, hat immer noch ihre fluoreszierende Herbstfarbe. Inzwischen haben auch die Amberbäume, Liquidambar styraciflua, sich entschieden ihre Blätter doch noch zu verfärben. Ich war schon am Verzweifeln, ob sie es noch schaffen dieses Jahr, aber die sensationelle Farbscala von Gelb, Orange, Rot bis Bordeauxrot fängt an.

Enkianthus perulatus Herbst © Isabelle van Groeningen

Enkianthus perulatus © Isabelle van Groeningen

Wo viele inzwischen schon völlig entkleidet sind, haben andere, gerade erst ihre letzte Partygarderobe angezogen. Hier an der Gartenakademie gibt es einen Strauch, der gerade erst seinen Schmuck angezogen hat, aber sonst immer noch im Sommerlichen Grün dasteht: Heptacodium miconioides, oder schöner genannt ‚Sieben Söhne des Himmels‘ Strauch. Es ist der letzte unserer Sträucher, der zum Blühen kommt. Er fängt erst im September an mit zart duftend, weißen Blüten zu blühen. Nach der Blüte vergrößern sich die Blütenkelche um das Vierfache, und verwandeln sich in zart rosa, blütenähnliche Strukturen und bleiben attraktiv während die Samen reifen. Dank der tiefen Sonneneinstrahlung sind die gerade traumhaft.

Heptacodium Miconioides im Herbst © Isabelle van Groeningen

Heptacodium Miconioides © Isabelle van Groeningen

Genießen Sie dieses Grand Finale mit der sich die Natur so grandios verabschiedet, und seien Sie nicht deprimiert: Bald fängt es wieder an mit den ersten Frühlingsvorboten!

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Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.