Magische Birkenstämme

20. Januar 2017 von Gabriella Pape
Kategorien: Jahreszeiten | Schlagwörter: , , , |

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Birke - Betula ermanii var subcordata © 2017 Isabelle van Groeningen

Die arme Birke ist in den letzten Jahren leider arg in Verruf gekommen, weil immer mehr Allergiker den Birkenpollen die Schuld für ihre Schleimhautentzündung geben. Dabei könnte man diesem Drama ohne weiteres entgegenwirken, indem man in den wenigen Wochen des Pollenfluges auf bestimmte Obst- und eventuell Gemüsesorten verzichtet. Bei der Birkenpollenallergie, zu deren Auslösern auch die Haselnuss gehört, handelt es sich um eine Kreuzallergie, d.h. es gibt Menschen, die auf Birkenpollen allergisch reagieren, wenn sie in der Pollenflugzeit Kern- oder Steinobst essen.

Haben Sie vielleicht eine Globalisierungsallergie?

Solche natürlichen Zusammenhänge faszinieren mich, denn während der Pollenflugzeit ist für Kernobst bei uns keine Saison. Mit anderen Worten kann unser Organismus mit der Globalisierung noch nicht so recht mithalten, denn vor 70 -100 Jahren gab es im Mai, also in der Zeit des Pollenfluges, weder Kern- noch Steinobst zu kaufen, somit waren auch derartige Allergien wesentlich weniger bekannt. Dies soll nun kein Vortrag über Allergien werden, doch da ich mich für die Birke stark machen möchte, könnte diese Information dazu beitragen, dass Sie sich vielleicht diesen schönen Baum doch noch in den Garten holen.

Birken können als Pioniergehölze gut in Sandboden wachsen

Birken sind nicht nur äußerst pflegeleicht und extrem winterhart, sondern sie lieben auch den Boden unserer Region Berlin/Brandenburg, da sie zu den Pioniergehölzen gehören. Diese sympathisch klingende Bezeichnung verdanken sie nicht nur ihrer Fähigkeit, in der preußischen Sandbüchse gut wachsen zu können, sondern auch der Gabe, sich an neue, vegetationsfreie Habitate anzupassen. Diese Fähigkeit lässt sich vor allem auf das flache, sich schnell an der Oberfläche ausbreitende Wurzelnetzwerk der Birke zurückführen. Dieses Wurzelnetzwerk ist für die Anpflanzung von Stauden schwierig, daher eignet sich die Birke besonders gut zur Naturalisierung in Wildwiesen mit vielen Zwiebelpflanzen.

Birke - Betula ermanii var subcordata1© 2017 Isabelle van Groeningen

Betula ermanii var subcordata

Bitte schneiden Sie Ihre Birke, solange sie noch Blätter trägt

Besonders in der Winterzeit genieße ich die leuchtend weißen und teils sogar rosafarbenen Stämme der unterschiedlichsten Birkensorten. In den meisten Gärten der Stadt sehe ich das Urgewächs, die Hänge- oder Sandbirke (Betula pendula), die sehr schnell wächst und leider auch sehr groß wird, was in den meisten Gärten dazu führt, dass sie auf grausamste Weise beschnitten wird. Apropos schneiden, wer vorhat, seine Birke in größerem Ausmaß zu beschneiden, sollte dies zum Wohle der Birke vornehmen, wenn sie Blätter trägt und nicht, wie bei fast allen anderen Gehölzen üblich, im Winter. Denn vor allem bei frostigen Temperaturen beginnt die Birke an den Schnittstellen stark auszubluten und dieser süße Baumsaft hinterlässt unansehnliche Schmierstreifen auf der weißen Rinde.

Birken kann man waschen!

Wobei ich beim eigentlichen Thema für diese Jahreszeit angelangt bin, dem Waschen der weißen Rinde. Es hört sich vielleicht nicht gerade pionierhaft an, aber wer in den vollen Genuss der weißen Rinde seiner Birke kommen möchte, sollte einmal die Algen und den Stadtruß mit warmen Wasser und einem Tuch von der Rinde waschen, Sie werden staunen wie die Stämme dann leuchten.

Birke - Betula jaquemontii det © 2017 Isabelle van Groeningen

Betula jaquemontii det

Sollten Sie sich Sorgen machen, was dann die Nachbarn denken könnten, wäre diese Aktion auch gut nachts durchführbar, die Stämme sind ja leicht zu finden. Wen ich davon überzeugen konnte, vielleicht doch noch die Pflanzung einer Birke in Betracht zu ziehen, sollte sich in einer Baumschule folgende, wesentlich kleinwüchsigere Birkensorten ansehen: Die Rote China-Birke (Betula albosinensis) wächst langsam und wird nur sechs bis acht Meter hoch; ihre glänzende Rinde changiert zwischen Rosa und Kupfer, je nach Jahreszeit.

Birke - Betula albosinensis © 2017 Isabelle van Groeningen

Betula albosinensis

Wer Weiß vorzieht, könnte an der Papierbirke (B. papyrifera) Gefallen finden, sie wird zwar stolze 20 Meter hoch, hat dafür aber papierweiße Rinde. Wenn der Platz nur für einen Baum reicht, empfehle ich eine mehrstämmige Pflanze zu kaufen, deren Wuchsform meist wesentlich romantischer ist.

© 2017 für alle Fotos dieses Beitrags: Isabelle van Groeningen

 

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Gabriella Pape

Über Gabriella Pape

Nach ihrer Ausbildung in der renommierten Baumschule Lorenz von Ehren, studierte die gebürtige Hamburgerin Gabriella Pape in Großbritannien Biologisch Dynamische Landwirtschaft, Horticulture und Landschaftsarchitektur. Nachdem sie ihre Studien am größten Botanischen Garten der Welt, Kew Gardens in London, mit Auszeichnung abgeschlossen und darüber hinaus ein Diplom für Landschaftsarchitektur der Universität Greenwich erworben hatte, machte sie sich selbständig: Im Jahr 1992 gründete sie zusammen mit der Pflanzenexpertin und Gartenhistorikerin Dr. Isabelle Van Groeningen, die ebenfalls in Kew Gardens studiert hatte, das Gartendesignstudio LANDART in England. Die beiden Gartendesignerinnen haben sich durch ihre vielseitigen und umfangreichen Garten- und Parkgestaltungen in Europa, Südamerika und Asien einen Namen gemacht, der es ihnen ermöglicht, dieses Wissen auch weiterzuvermitteln. Neben vielen anderen Auszeichnungen gewannen Gabriella Pape und Isabelle Van Groeningen im Jahr 2000 eine Goldmedaille und den Titel „Best in Show“ der Royal Horticultural Society für ihren Showgarten auf der Hampton Court Flower Show. Im Frühjahr 2007 erhielten sie die Silver Gilt Medaille auf der Chelsea Flower Show für ihre Kreation eines Senkgartens in Anlehnung an die Gartengestaltungskunst des berühmten deutschen Staudenzüchters Karl Foerster. Eine Auszeichnung, die unter Gartendesignern mit dem Oscar in der Filmwelt verglichen wird. Im Jahr 2008 gründeten Gabriella Pape und Isabelle Van Groeningen in Berlin Dahlem die Königliche Gartenakademie als ein Zentrum für Gartenkultur.