Endlich scheint die Sonne

03. März 2017 von Gabriella Pape
Kategorien: Jahreszeiten |

Cotinus coggygria 'Grace' - Gehölzschnitt

. . . und es beginnt das alljährliche Kribbeln, deshalb sollten sie nun ihre Gartenschere ölen und mit Mut loslegen.

Gehölzschnitt

Die einfachste Regel zum Schneiden der Sträucher in Ihrem Garten ist, alles was vor Juni blüht, sollte erst nach der Blüte geschnitten werden. Wenn Sie diese Pflanzen jetzt zurückschneiden gibt es keine Blüten. Alle Sommerblüher, also jene, die ab Juni am diesjährigen Trieb blühen, sollten jetzt stark geschnitten werden, dazu gehören auch Obstbäume und Wein. Ganz besonders spreche ich aber von den Schmucksträuchern, die für einen starken Rückschnitt dankbar sind. Die einfachste Vorgehensweise für mich ist zuerst alles Tote und Kranke und sich Behindernde, also z.B. aneinander scheuerndes Holz, herauszuschneiden; dabei bemerkt man oft, dass gar nicht mehr so viel vom eigentlichen Busch übrig bleibt. Wenn Sie nicht genau feststellen können, welche Pflanzenteile noch leben und welche nicht, dann kratzen Sie einfach mal an der Rinde, und wenn darunter eine leuchtend grüne oder gelbe Farbe erscheint, dann leben sie noch.

Bei Pflanzen, deren eigentliche Schönheit von uns noch nicht entdeckt wurde, wie z.B. dem Perückenstrauch (Cotinus coggygria), lohnt es sich, die Schere wesentlich tiefer anzusetzen, also dort abzuschneiden, wo es schwerfällt, im dicken Holz. Der Perückenstrauch wird Sie dann mit kräftigem Austrieb und vor allem mit großen leuchtend dunkelroten Blättern überraschen. Diese wirkliche Schönheit des Strauches wird nur den mutigen Gärtnern zuteil. Ähnlich verhält es sich mit dem Schmetterlingsstrauch (Buddleia), ganz gleich welche Sorte Sie haben, schneiden Sie diesen bis auf 30 cm oder 50 cm über dem Boden herunter und er wird Sie mit wundervollstem Blütenzauber belohnen.

Hartriegel

Gehölzschnitt und andere Schnitte

Cornus „Midwinter Fire“

Viele Hartriegelsorten (Cornus), die ursprünglich einmal wegen ihrer schön leuchtenden grünen oder roten Triebe im Winter gepflanzt wurden, verblassen im Alter und wollen vitalisiert werden. Also nur mutig an diese herantreten und bis auf 15-20cm über dem Boden mit einer Säge oder Astschere herunter schneiden oder absetzen. Nur die Sorte Cornus sanguinea Midwinter Fire mag den harten Rückschnitt gar nicht. Alle anderen werden Ihnen schon innerhalb weniger Monate zeigen, was in ihnen steckt und lange, farbenfrohe Triebe entwickeln, die schon im darauffolgenden Jahr wieder die volle Höhe des Strauches erreichen können.

Frühjahrs Clematis

Nun aber doch noch kurz etwas zu den gerade jetzt etwas mitgenommen aussehenden Kletterern und vor allem zur Clematis, die momentan blattlos ihr ganzes Chaos an den Tag legt. Das Wichtigste ist hier, sich gemerkt zu haben zu welcher Jahreszeit Ihre Clematis im Vorjahr geblüht haben und welche Spezies.

Alle frühblühenden Clematis, wie C. alpina, C. montana (siehe oben), blühen am Vorjahresholz und fallen in die Gruppe 1 der Clematis, jene, die so wenig Schnitt wie möglich brauchen. Alle drei Jahre sollte man diese dann trotzdem an der Basis um ein Drittel reduzieren, besonders C. montana, damit man sein Haus noch wiederfindet. Die zweite Gruppe, die auch nicht gerne stark geschnitten werden möchte, sind die im Mai/Juni blühenden Diven, also die großblumigen Sorten wie Snow Queen Crimson King, Ville de Lion etc..

Sie wissen, welche ich meine, diejenigen mit den vielen, sternförmig arrangierten großen Blütenblättern in weiß, lila, rosa etc. Auch diese blühen am alten Holz, wie man sagt, also am Vorjahrstrieb. Sie werden jetzt oder auch schon im November leicht zurückgeschnitten und ab und an kann auch – zur Vitalitätsbildung – der eine oder andere Trieb ganz entfernt werden.

Hochsommer Clematis

Die am leichtesten zu schneidenden Clematis (Gruppe3) sind die im Spätsommer blühenden, wie C. viticella Hybriden oder die bei uns eher seltenen gelbblühenden C. texensis. Leicht erkennt man im Frühjahr die Clematis dieser Gruppe, denn sie treiben wie wild aus der Basis der Pflanze und so braucht man lediglich ein wenig Mut, um das ganze Gesträuch vom Vorjahr bis auf 30 cm über dem Boden zurückzuschneiden.

Gabriella Pape

Bilder von Isabelle Van Groeningen

Gabriella Pape

Über Gabriella Pape

Nach ihrer Ausbildung in der renommierten Baumschule Lorenz von Ehren, studierte die gebürtige Hamburgerin Gabriella Pape in Großbritannien Biologisch Dynamische Landwirtschaft, Horticulture und Landschaftsarchitektur. Nachdem sie ihre Studien am größten Botanischen Garten der Welt, Kew Gardens in London, mit Auszeichnung abgeschlossen und darüber hinaus ein Diplom für Landschaftsarchitektur der Universität Greenwich erworben hatte, machte sie sich selbständig: Im Jahr 1992 gründete sie zusammen mit der Pflanzenexpertin und Gartenhistorikerin Dr. Isabelle Van Groeningen, die ebenfalls in Kew Gardens studiert hatte, das Gartendesignstudio LANDART in England. Die beiden Gartendesignerinnen haben sich durch ihre vielseitigen und umfangreichen Garten- und Parkgestaltungen in Europa, Südamerika und Asien einen Namen gemacht, der es ihnen ermöglicht, dieses Wissen auch weiterzuvermitteln. Neben vielen anderen Auszeichnungen gewannen Gabriella Pape und Isabelle Van Groeningen im Jahr 2000 eine Goldmedaille und den Titel „Best in Show“ der Royal Horticultural Society für ihren Showgarten auf der Hampton Court Flower Show. Im Frühjahr 2007 erhielten sie die Silver Gilt Medaille auf der Chelsea Flower Show für ihre Kreation eines Senkgartens in Anlehnung an die Gartengestaltungskunst des berühmten deutschen Staudenzüchters Karl Foerster. Eine Auszeichnung, die unter Gartendesignern mit dem Oscar in der Filmwelt verglichen wird. Im Jahr 2008 gründeten Gabriella Pape und Isabelle Van Groeningen in Berlin Dahlem die Königliche Gartenakademie als ein Zentrum für Gartenkultur.