Und immer wieder ruft der Rosenschnitt …

11. März 2017 von Gabriella Pape
Kategorien: Frühling, Jahreszeiten, Neuigkeiten, Rosen, Übers Gärtnern |

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Rosentraum an der Gartenakademie Strawberry Hill

… und immer wieder verzweifeln tausende Gartenbesitzer an dieser Aufgabe. Es gibt aus meiner Sicht zwei Typen von Rosenschnitt. Beide sind genderbehaftet und was viel schlimmer ist, beide sind eigentlich falsch. Die meisten Frauen laufen, mehr oder weniger ziellos, mehrfach um die Rose herum. Sie sehen, dass schon die eine oder andere Knospe treibt und kürzen deshalb nur hier und da mal eine zu lang gewordene Rute ein und schneiden ein paar verblühte Spitzen ab. Das Motto: Die hat letztes Jahr auch schon nicht richtig geblüht und nur so vor sich hin gemäkelt. Ich werde ihr doch nun nicht auch noch die wenigen Triebe abschneiden die da sind.

Englische Rose vor dem Schnitt © 2016 Isabelle van Groeningen

Englische Rose vor dem Schnitt

Die Bedrohung durch Herren mit Gartenscheren

Ganz anders bei den Herren im Garten. Ein Mann mit einer Gartenschere kann für jede Rose, besonders bei den alten Sorten und neuen Englischen Rosen, zur Bedrohung werden. Sie schneiden, am liebsten schon im Herbst, gerne die gesamte Rose auf drei bis vier Triebe runter, so etwa 15cm über dem Boden. Das Motto hier: Das sieht gleich sauber aus und vor allem haben wir das früher immer so gemacht.

Wie man früher Rosen schnitt © 2017 Isabelle van Groeningen

Wie man früher Rosen schnitt

Die Wahrheit liegt wie immer in der Mitte. Viele der neuartigen Rosen, also z.B. die Rosen von David Austin oder Peter Beale aus England oder auch Neuzüchtungen von Cordes aus Deutschland, sind mehrfachblühend, gefüllt und schaffen es deshalb energetisch gar nicht, einen sehr drastischen Schnitt auszuhalten, ohne dass sich die Blütenmenge reduziert. Es stimmt, dass man früher die Rosen viel kräftiger runterschnitt, aber da handelte es sich um Teehybriden und Polyantharosen, die diese rabiate Schnittform gut vertrugen. Ob das am Ende schön aussah, darüber lässt sich streiten, ordentlich war es auf jeden Fall. Fest steht, dass früher auch die Zukunft besser war, aber das nur nebenbei.

Buchleseabguckrosenschneider

Ach ja, es gibt auch noch einen dritten Typus der Rosenschneider, der Buchleseabguckrosenschneider. Den erkennt man daran, dass er mit einem Fachbuch über Rosenschnitt um seine Rose schleicht, um dort die auf dem Bild abgebildete Astgabel an der eigenen Rose zu suchen, weil dort der Schnitt ideal wäre. Sehr anstrengende Methode und vor allem ersetzt sie eines leider nicht: das Wissen um die Rose. Es ist in der Tat eine Krux mit dem Rosenschnitt. Wer seine Rosen nicht kennt, nicht weiß aus welcher Rosenklasse die Rose kommt und was Sie eigentlich kann, der hat schon verloren. Es ist also essentiell zu wissen, was das für eine Rose vor mir ist, ob es z.B. eine Strauchrose ist, die eigentlich gar nicht geschnitten werden möchte.

Ist es eine Heckenrose, die durchaus auch mit der Heckenschere geschnitten werden kann?

Rosa rugosa 'Short Track' © 2017 Isabelle van Groeningen

Rosa rugosa ‚Short Track‘

Die neuen Englischen Rosen, auch Romantikrosen genannt, haben es gar nicht gerne wenn sie ganz herunter geschnitten werden, aber ganz ohne Schnitt werden sie auch nichts.

Wie man Englische Rosen schneidet © 2017 Isabelle van Groeningen

Wie man Englische Rosen schneidet

Historische Rosen, auch Alte Rosen genannt, die meist nur einmalblühend sind – dafür aber unglaubliche Duft-und Blütenqualitäten haben – möchten in vielen Fällen überhaupt nicht geschnitten werden und wenn, dann muss man wissen, was man tut.

Mme Hardy in evening © 2016 Isabelle van Groeningen

Mme Hardy in evening

Moderne Rosen, zu denen vor allem Floribundarosen, Teehybriden und die schon genannten Polyantharosen gehören, können durchaus einen starken Rückschnitt vertragen, dazu gehören auch viele Bodendeckerrosen.Gabriella Papes Rat

Mit anderen Worten habe ich nur einen Rat: Lassen Sie sich helfen. Entweder von einem Fachmann (falls Sie jemanden kennen, der etwas von Rosen versteht) oder machen Sie einen Kurs, in dem Ihnen jemand zeigt und sagt woran ich erkenne, welche Rosen ich im Garten habe und wie ich die dann schneiden kann.

(https://www.landhaus-ettenbuehl.de/), zeigt an drei aufeinander-folgenden Tagen anhand der Rosen an der Königlichen Gartenakademie wie es geht.

31.03.17 | 14.00 – 17.00 Uhr: Halbtageskurs Rosenschnitt 

01.04.17 | 10.00 – 13.00 Uhr: Halbtageskurs Rosenschnitt 

01.04.17 |14.00 – 17.00 Uhr: Halbtageskurs Rosenschnitt

2.04.17 | 10.00 – 13.00 Uhr: Halbtageskurs Rosenschnitt

Glauben Sie mir, es ist wirklich nicht möglich, das Schneiden von Rosen in Worte oder in Bilder zu fassen. Aber einmal an lebenden Rosen gesehen, werden Sie es nie wieder vergessen. Und vielleicht noch viel wichtiger, wenn der Kurs gut gemacht ist, werden Sie sich nie wieder vor dem Rosenschnitt fürchten. Unserem James gelingt es jedes Jahr aufs Neue, die Gartenbesitzer zu überzeugen, dass der Rosenschnitt das Einfachste von der Welt ist, und das auch noch sehr humorvoll.

Sollten also noch Plätze frei sein Anfang April, kommen Sie einfach zum Kurs und lassen sich von einem echten Fachmann verwöhnen und wenn schon alle Plätze vergeben sind, versuchen Sie es einfach im nächsten Jahr. Die Rosen haben nun so lange auf den richtigen Schnitt gewartet, die halten das auch noch ein weiteres Jahr aus. 😉

09. März 2017 Ihre Gabriella Pape

© für alle Fotos: Isabelle van Groeningen

 

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Gabriella Pape

Über Gabriella Pape

Nach ihrer Ausbildung in der renommierten Baumschule Lorenz von Ehren, studierte die gebürtige Hamburgerin Gabriella Pape in Großbritannien Biologisch Dynamische Landwirtschaft, Horticulture und Landschaftsarchitektur. Nachdem sie ihre Studien am größten Botanischen Garten der Welt, Kew Gardens in London, mit Auszeichnung abgeschlossen und darüber hinaus ein Diplom für Landschaftsarchitektur der Universität Greenwich erworben hatte, machte sie sich selbständig: Im Jahr 1992 gründete sie zusammen mit der Pflanzenexpertin und Gartenhistorikerin Dr. Isabelle Van Groeningen, die ebenfalls in Kew Gardens studiert hatte, das Gartendesignstudio LANDART in England. Die beiden Gartendesignerinnen haben sich durch ihre vielseitigen und umfangreichen Garten- und Parkgestaltungen in Europa, Südamerika und Asien einen Namen gemacht, der es ihnen ermöglicht, dieses Wissen auch weiterzuvermitteln. Neben vielen anderen Auszeichnungen gewannen Gabriella Pape und Isabelle Van Groeningen im Jahr 2000 eine Goldmedaille und den Titel „Best in Show“ der Royal Horticultural Society für ihren Showgarten auf der Hampton Court Flower Show. Im Frühjahr 2007 erhielten sie die Silver Gilt Medaille auf der Chelsea Flower Show für ihre Kreation eines Senkgartens in Anlehnung an die Gartengestaltungskunst des berühmten deutschen Staudenzüchters Karl Foerster. Eine Auszeichnung, die unter Gartendesignern mit dem Oscar in der Filmwelt verglichen wird. Im Jahr 2008 gründeten Gabriella Pape und Isabelle Van Groeningen in Berlin Dahlem die Königliche Gartenakademie als ein Zentrum für Gartenkultur.