Über Kandelaber-Ehrenpreis (Veronicastrum) und Färberhülse (Baptisia)

19. März 2017 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Frühling, Neuigkeiten, Pflanzen, Übers Gärtnern | Schlagwörter: , , , |

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Der Frühling klopft an, die Vögel sind laut, es kribbelt in den Fingern. Seit Wochen bin ich dabei, Listen zu machen, welche Pflanzen in welche Beete gepflanzt werden sollen, sowohl hier an der Gartenakademie, als auch in meinem eigenen Schattengarten. Besonders dort bin ich aufgeregt, da ich diesen Winter mehreren enttäuschenden Pflanzen gekündigt habe: Ein Knöterig Bistorta amplexicaule ‚Fat Domino‘ war nicht so schön und reich blühend wie sein direkter Nachbar Bistorta amplexicaule ‚Alba‘.

Kandelaber-Ehrenpreis (Veronicastrum)

Veronicastrum virginicum 'Album' mit Eupatorium 'Chocolate' - Kandalaber Ehrenpreis

Veronicastrum virginicum ‚Album‘ mit Eupatorium ‚Chocolate‘

Der Waldschmiele war es zu dunkel und leider auch der Veronicastrum virginicum Sorte. Um diese bin ich besonders traurig, da es eine meiner Favoriten im Staudenbeet ist – eine feine, elegante Dame mit schlanken Blütenrispen in zarten Farben, ob weiß, lilablau oder zartes rosa. Den ganzen Frühsommer hat sie schon eine tolle Struktur und auch im Herbst und Winter stehen die vertrockneten Rispen toll. In meinem zu schattigen Garten konnte sie sich allerdings kaum vom Boden hochheben. Mein Luxus ist natürlich, ein schönes, sonniges Staudenbeet an der Gartenakademie zu haben, wo ich all das, was zu Hause nicht gedeiht, haben kann. Die Farben passen gut zur subtilen Zartheit dieser Staude. In Weiß gibt es ‚Album‘, die 1,2m groß wird, oder ‚Spring Dew‘, einen Tick höher mit 1,3m. ‚Diana‘ (1m) hat einen Hauch von zartrosa, ‚Spring Dew‘ (1,3m) einen Hauch mehr. 1,2m hoch ist ‚Erika‘ ein etwas dunkleres Rosa, als auch die Sorte ‚Rosea‘ beide immer noch ziemlich zart, wogegen ‚Red Arrows‘ ins lila-rot Spektrum aufblüht. Für die blau-lila Liebhaber gibt es den Riesen ‚Lavendelturm‘ (2m) und ‚Apollo‘ (1,4m) mit lavendelblauen Blumen.

Färberhülse oder Baptisia

Eine Staude, die ich unbedingt in den helleren Ecken meiner schattigen Oase ausprobieren will, ist der Falsche Indigo oder Färberhülse Baptisia australis. Zur gleichen Familie gehörend wie die Lupine, stammt sie aus Nord-Ost Amerika und verträgt daher extreme Kälte aber auch Trockenheit. Sie ist also ideal für das Berliner Klima und gedeiht in der Sonne und auch im Halbschatten. Sie wird einige Jahre brauchen, um im Garten anzukommen und sich aufzubauen, aber wenn sie einmal da, ist sie extrem standfest. Was mich besonders an diesen Stauden beindruckt hat ist, dass sie sich selbst im Halbschatten, im Wurzelbereich von der großen Buche im Bienengarten, genauso wohlfühlt, wie die, die im Staudenbeet stehen.

Es ist eine Staude, die in den letzten Jahren Züchter begeistert hat und ständig kommen neue Farb-Selektionen auf den Markt. Noch ist das Angebot nicht so breit wie für Lupinen, aber sie sind für mich eine begehrenswerte Alternative. Obwohl sie im Frühsommer blühen, stehen sie auch im Herbst noch ganz frisch dabei. Nichts mit müdem, vertrocknetem Laub, stattdessen lustige, schwarzblaue, kurze, aufgeblasene Samenkapseln.

Baptisia australis 'Starlight Prairie Blues' Samen © Isabelle van Groeningen

Baptisia australis ‚Starlight Prairie Blues‘ Samen

Die Wildsorten sind Baptisia australis (blau), B. sphaerocarpa (gelb) und B. leucantha (weiss). Auch B. alba ‚Pendula‘ hat weiße Blüten. Frisch gelb ist auch B. australis ‚Carolina Moonlight‘, die schon ab Mai blühen kann, und bis 1,4m hoch wird oder B. australis ‚Lemon Meringue‘ mit nur 90cm. B. ‚Dutch Chocolcate‘ ist eine kompaktere Züchtung bis 90cm, mit bräunlich rosaroter Blüte. Eine spannende Kombination ist zu finden in B. ‚Cherries Jubilee‘, wo die Blüte gelb und rotbraun ist. Frisch blau ist B. australis ‚Starlite Prairieblues‘ und eher blauviolett B. australis ‚Twilight Prairieblues‘.

Probieren Sie dieses Jahr mal diese Schätze aus, haben Sie ein oder zwei Jahre Geduld und genießen Sie sie dann viele Jahren lang!

Isabelle Van Groeningen 19. März 2017

Spätoktober, graublaues Baptisialaub rechts

Spätoktober, graublaues Baptisialaub rechts im Mittelgrund ist Ende Oktober immer noch schön

© 2017 für alle Fotos: Isabelle van Groeningen

 

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Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.