Zeit für den Dickmaulrüssler

25. April 2017 von Gabriella Pape
Kategorien: Jahreszeiten, Neuigkeiten | Schlagwörter: , , , , |

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© Isabelle van Groeningen

© Isabelle van Groeningen

Bitte nicht die Geduld verlieren, in wenigen Tagen wird es warm und dann wird hoffentlich der Frühling richtig loslegen, das jedenfalls verspricht mir mein Gefühl.  Dadurch dass wir an der Gartenakademie ein Fototagebuch der Beete führen, kann man genau sehen wie viel Zeit uns diese kalten Ostertage genommen haben. Am 24. April 2009 z.B., blühten schon die Katzenminzen zusammen mit den bunten Tulpen die in diesem Jahr erst jetzt loslegen. Auch die Aubretien und das Lungenkraut waren bereits in voller Blüte, jetzt sitzen sie alle da und warten auf die Wärme. Sie wachsen, aber sie blühen noch nicht. Also keine Sorge, es kommt und es wächst, denn die Natur lässt sich nicht beirren.

© Isabelle van Groeningen

Staudenbeet

Staudenbeet Königliche Gartenakademie © Isabelle van Groeningen

Staudenbeet Königliche Gartenakademie mit Kaiserkronen und Leuchtende Tulipa ‚Orange Emperor‘

Bodenwärme gleich gegen den Dickmaulrüssler nutzen

Sobald sich der Boden jetzt erwärmt, also sobald er so um die 10-14 Grad wird, ist es an der Zeit etwas gegen den Dickmaulrüssler zu tun. Wer keine Rhododendren hat, dem sagt das vielleicht nichts, aber der Dickmaulrüssler, ein kleiner länglicher, gepanzerter, schwarz-grauer Käfer von 8-10 mm Länge, ist schon lange nicht mehr ausschließlicher Feind von immergrünen Moorbeetpflanzen.

Bergenienblätter angeknabbert © Isabelle van Groeningen

Bergenienblätter angeknabbert

Dickmaulrüssler an Kirschlorbeer und Rosen

In Gegenden, wo er keine dicken Rhododendrenblätter findet, macht er sich nun auch über die Blätter des Kirschlorbeers, des Buchsbaums und der Rosen her. Sogar Stauden mit saftigem Wurzelwerk, wie Tiarella und Zyklamen werden von den Larven befallen.

Dickmaulrüssler auf dem Balkon

Auf dem Balkon überwintert er fröhlich in den Kübeln um sich dann in kürze über Ihre Neupflanzungen her zu machen. Hier gilt also unbedingt jedes Jahr die Topferde erneuern und die Alte nicht auf den Kompost sondern in den Müll. Erkennen tut man das Schadbild der Käfer, an den ausgefressenen U-förmigen Buchten an den Blatträndern. Es sieht ein wenig aus wie ein rundum Bissmuster.

Dickmaulrüssler © Isabelle van Groeningen

Dickmaulrüssler

Proteine aus dem Garten

Gegen den Käfer selbst kann man nur wenig machen, außer, ihn liebevoll zu zerdrücken. Rezepte fallen mir dazu leider nicht ein, vielleicht wäre das mal eine Herausforderung für die TV –Köche, „Proteine aus dem Garten“ von Tim Melzer. Wäre doch nett.

Die Larve macht den wirklichen Schaden

Also wieder zu unserem Thema, für den eigentlichen Schaden sind aber nicht die Käfer, sondern die jungen Larven, die im Boden leben, verantwortlich. Sie sind 8-10mm lang, elfenbeinfarben und fressen ab Mai die Wurzeln und Knollen der Pflanzen.

Natürliche Helfer – Nematoden

Daher ist jetzt die richtige Zeit, die Nützlinge zu bestellen, die dann in 1-2 Wochen die die Larven bekämpfen. Hierbei handelt es sich um eine Nematode  (Heterorhabditis-Nematoden), mikroskopisch kleine Würmer, die auf recht fiese Weise, aber ohne Geschrei, in den Larvenkörper eindringen und dort Bakterien ablegen,  die dann in wenigen Tagen die Dickmaulrüsslerlarve verenden lässt.  Die Larve dient gleichzeitig als Brutstätte für neue Nematoden, so das die Behandlung recht nachhaltig wirkt. Die Larven des Dickmaulrüsslers sind zwar momentan schon im Boden vorhanden, doch braucht die Nematode warmen Gartenboden (12Grad) um zu überleben, deshalb ist mit dem Aussetzen der Nematoden Vorsicht geboten. Also aussetzen hört sich vielleicht ein wenig zu aktiv an. Sie bekommen einen kleinen Container, der aussieht wie ein Salzfass, oder eine Tüte, in der sich eine Substanz befindet. Dieses Tonpulver beinhaltet bis zu 10 Millionen Tierchen und wird dann in eine Gießkanne voller Wasser geschüttet, umgerührt und auf den Boden gegossen. Bitte kein kaltes Wasser nehmen aber auch kein heißes. Zimmertemperatur ist ausreichend.

Diese Menge reicht für etwa 20 Quadratmeter und keine Sorge, es handelt sich nicht um eine wildgewordene Herde ausgesetzter Kamikazen, sondern um einen Nützling der stirbt, wenn er keinen Wirt mehr hat, von dem er lebt; die Nematode geht dann ein.  Einfach mal Nützlinge googlen, Bio Katz ist eine der Firmen die wir in Anspruch nehmen. Für die Lebewesenschützer ein vielleicht schwieriger Entschluss, aber für die Natur und vor allem die befallenen Pflanzen ein Wohlgenuss.

Gabriella Pape

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Gabriella Pape

Über Gabriella Pape

Nach ihrer Ausbildung in der renommierten Baumschule Lorenz von Ehren, studierte die gebürtige Hamburgerin Gabriella Pape in Großbritannien Biologisch Dynamische Landwirtschaft, Horticulture und Landschaftsarchitektur. Nachdem sie ihre Studien am größten Botanischen Garten der Welt, Kew Gardens in London, mit Auszeichnung abgeschlossen und darüber hinaus ein Diplom für Landschaftsarchitektur der Universität Greenwich erworben hatte, machte sie sich selbständig: Im Jahr 1992 gründete sie zusammen mit der Pflanzenexpertin und Gartenhistorikerin Dr. Isabelle Van Groeningen, die ebenfalls in Kew Gardens studiert hatte, das Gartendesignstudio LANDART in England. Die beiden Gartendesignerinnen haben sich durch ihre vielseitigen und umfangreichen Garten- und Parkgestaltungen in Europa, Südamerika und Asien einen Namen gemacht, der es ihnen ermöglicht, dieses Wissen auch weiterzuvermitteln. Neben vielen anderen Auszeichnungen gewannen Gabriella Pape und Isabelle Van Groeningen im Jahr 2000 eine Goldmedaille und den Titel „Best in Show“ der Royal Horticultural Society für ihren Showgarten auf der Hampton Court Flower Show. Im Frühjahr 2007 erhielten sie die Silver Gilt Medaille auf der Chelsea Flower Show für ihre Kreation eines Senkgartens in Anlehnung an die Gartengestaltungskunst des berühmten deutschen Staudenzüchters Karl Foerster. Eine Auszeichnung, die unter Gartendesignern mit dem Oscar in der Filmwelt verglichen wird. Im Jahr 2008 gründeten Gabriella Pape und Isabelle Van Groeningen in Berlin Dahlem die Königliche Gartenakademie als ein Zentrum für Gartenkultur.