Es duftet, es wird grün, es fängt endlich an!

13. Mai 2017 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Jahreszeiten, Neuigkeiten |

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Mohn © Isabelle van Groeningen

Die Nachtigallen singen, die Sonne und die Menschen strahlen. Ich auch. Nicht nur die Sonne bringt mich zum Lächeln, sondern auch eine Parfumwolke nach der anderen, egal wo man zu dieser Jahreszeit langläuft. Mein Arbeitsplatz ist idyllisch: Die Sonne strahlt durch unser Gewächshausdach auf mein Klavier. Neben meinem Bildschirm auf meinem Schreibtisch steht ein kleiner Strauß Maiglöckchen, dahinter liegt eine Katze.

Diese wärmenden Temperaturen sorgen dafür, dass Bäume und Sträucher endlich kräftig austreiben, damit man die braunen erfrorenen Triebe nicht mehr so sichtbar sieht. Die nächsten Pflanzen treten jetzt in den Vordergrund. Die Magnolie ist eine Gattung, die ich die letzten Jahre für mich entdeckt habe. Nicht dass ich sie vorher nicht kannte, aber in England und Belgien hatten wir öfter mit späten Nachtfrösten zu tun und die Sorgen, dass die Blüte wieder abfrieren, so dass ich immer fand, sie sind diesen Stress nicht wert. Die letzten neun Winter in Berlin sind allerdings so gewesen, dass es diese schädigenden Nachtfröste nicht zu diesem kritischen Zeitpunkt gegeben hat.

Magnolien

März fing toll an: Die Sternmagnolien M. stellata haben traumhaft duftend geblüht, und hatten mir schon den ganzen Winter die Vorfreude von diesen wunderbar kuscheligen Blütenknospen verschafft. Die nächste Charge ist fast überall vom Frost erwischt worden, aber jetzt geht es wieder weiter.

Magnolia lilliflora ‚Ricky‘ hat schmale Blütenblätter, außen rosa, innen fast weiß, mit einem sehr frischen angenehmen Parfum. M.  ‚Honey Tulip‘ hat große zart creme-gelbe Blüten mit feinem, edlen Duft. Eine besondere neue Sorte, die wir seit einigen Jahren haben ist M. ‚Blue Opal‘. Sie blüht gelb auf, aber die Außenseite der Blütenblätter in der Knospe sind wie mit einem bläulichen Wachs überzogen, so dass sie den Eindruck geben, dass sie blau aufblühen werden. Erst beim Öffnen ändert sich dann die Farbe ins zarte Gelb.

Fliederzeit

Überall hängt den Duft von Flieder in der Luft. Die großen alten Fliedersträucher auf dem Parkplatz begrüßen unsere Kunden, und wenn man, wo es jetzt endlich wärmer wird, durch Berlin fährt, lohnt es sich, mit offenem Fenster zu fahren, weil immer öfter in kleinen Parks und Grünflächen Flieder in größeren Mengen gepflanzt wurden.  Es ist ein Gehölz, was ich schon immer mit großen alten Villen und öffentlichen Parks verbinde, da es ein beliebtes Gehölz war, was im späten 19. und Anfang des 20. Jh. von mehreren Spezialisten gezüchtet wurde. Der bekannteste war der Franzose Viktor Lemoine, dem wir viele gefüllte Sorten zu verdanken haben, wie Syringa ‚Michel Buchner‘, der momentan jeden begrüßt beim Rein- oder Raustreten aus unserem Büro, und wenige Schritte weiter S. ‚Charles Joly‘.  Eine schöne Sorte ist die beliebte, zuverlässige S. ‚Andenken an Ludwig Späth‘ die 1883 in der Späthschen Baumschule hier in Berlin zustande kam.

Rhododendron

Die Rhododendron sind jetzt auch in voller Pracht. Die wenigsten assoziieren diese Pflanze mit Duft, aber wenn die blattverlierenden Rhododendron luteum blühen, führt der Duft mich immer sofort in meine Kindheit zurück, wo wir im Garten mehrere von diesen stark duftenden Sträuchern hatten, die im Herbst eine sensationelle Herbstfärbung bekommen. Es gibt viele Züchtungen, so dass auch diejenigen, die eine Gelballergie haben, sich auf diese Blüten freuen können (allerdings erst schnuppern: nicht alle Hybriden duften so stark!).

Isabelle Van Groeningen

13. Mai 2017

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Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.