Ein neugebauter Garten erstrahlt im ersten Licht

20. Mai 2017 von Gabriella Pape
Kategorien: Neuigkeiten |

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Haus am Hang Gartenplanung

Im Jahre 2013/14 haben wir mit einer umfangreichen Gartenplanung das Vertrauen einer gartenbegeisterten Pflanzenkennerin gewinnen können, deren Garten wir über die letzten drei Jahre komplett neu bauen durften. Auf den ersten Blick hört sich die Zeitspanne sehr lange an, doch sind die Arbeiten im Garten immer auch sehr vom Baufortschritt des Hauses abhängig. In diesem Fall bedeutete das, dass ein großer Teil des Gartens bereits 2014/15 fertig gestellt werden konnte, weil hier fast nur Pflanzarbeiten auszuführen und Trockenmauern zu errichten waren und es keine hochbaulichen Arbeiten gab.

Das Grundstück liegt, sanft an einen historischen Park geschmiegt, im Herzen von Blankenese und öffnet sich nach Osten, Süden und Westen zu atemberaubenden Blicken auf die Elbe.

Blick auf die Elbe

Atemberaubender Blick auf die Elbe

Blick auf die Elbe

Blick auf die Elbe

Normalerweise ist meine erste Frage bei Gestaltungen: Mit Einbezug der Landschaft oder ohne? Also z.B. gestalte ich Gärten im Innerstädtischen gerne ohne den Einbezug der direkten Nachbarn und der Blicke auf Scheußlichkeiten der Umgebung. Dann spreche ich von einer introvertierten, also nach innen blickenden Gestaltung, wohingegen man an diesem Elbhanggrundstück ohne weiteres von einer extrovertierten, also die Umgebung unbedingt einbeziehenden Gestaltung sprechen kann.

Trockenmauern

Stützmauern 4

Stützmauern

Als eine besondere Herausforderung empfand ich die großen Gefälle vom Haus zur Elbe aber vor allem auch vom westlichen Grundstücksrand zum östlichen. Dort gab es auf nicht einmal 15 Metern ein Gefälle von gut 7 Metern. Meine größte Befürchtung war, dass, wenn ich den Hang nicht durch Stützmauern ab- und unterfange, wachen die Eigentümer eines Morgens nach einem Platzregen auf und alle Bepflanzung liegt ihnen am östlichen Grundstücksrand zu Füßen. Da es immer auch mein Bestreben ist, harte Gestaltungselemente, wie Stützmauern und Wege so diskret wie möglich zu halten, ergab sich hier eine besonders große Herausforderung in der Bepflanzung, sodass innerhalb kürzester Zeit möglichst alle Mauern versteckt sind und den Garten nicht mehr dominieren. Die Wahl des Mauermaterials war für mich natürlich sehr wichtig, denn es sollten keine dominierenden Bergterrassen entstehen, sondern die Hangsituation entschärft werden. Die gewählten rotgrauen Grauwackesteine für die Trockenmauern haben sich sehr harmonisch und gut in die Umgebung eingepasst und sind nur an wenigen Stellen überhaupt noch sichtbar.

Bei meinem heutigen Besuch war ich doch erstaunt, wie schnell der Garten eingewachsen ist und die Pflanzen sich, vor allem auch durch liebevolle Pflege, entwickelt haben. Natürlich liegt das auch an der sehr guten Komposterde die zusätzlich aufgetragen wurde und vor allem an den recht erwachsenen Pflanzen die wir hier verwenden durften. Da die Hausherrin eine große Pflanzensammlerin ist und auch einen Teil an Pflanzen aus dem alten, eingewachsenen Garten mitnehmen wollte, ist aus diesem schwierigen Hanggarten ein mittlerweile erwachsenes Paradies geworden.

Überall Sitzplätze

Es gibt auf dem ganzen Grundstück versteckte kleine und große Sitzplätze die zum Verweilen auffordern, manchmal in der Sonne, manchmal im Schatten, je nachdem wie einem zumute ist. Dicht am Haus gibt es natürlich eine allesüberblickende große Terrasse, auf deren Ostseite der Hausherr auch vier Bienenvölker pflegt; was ideal für den Erfolg des Gartens ist. Am Ende des sich zur Elbe hin zuspitzenden Grundstückes, liegt ein gänzlich verstecktes, historisches Plateau, genannt „Lands End“, von dem aus man einen atemberaubenden Blick über die Elbe hat und dem Garten mal den Rücken zuwenden kann.

Sitzplätze

Sitzplätze

Schwimmbadebene

Schwimmbadebene

Schwimmbadebene

Schwimmbadebene Sumpfgarten Gartenplanung

Schwimmbadebene Sumpfgarten

Auf der tieferliegenden Schwimmbadebene ist Ruhe, Schatten und ein Sumpfgarten angesagt. Hierher kann man an heißen Tagen flüchten, wenn es einem auf den großen Terrassen zu warm wird. Lichter Schatten unter hohen alten Rotbuchenbäumen und großen neugepflanzten Rhododendren machen diesen tiefliegenden Bereich zu einer ruhigen Oase. Auch wenn der Sumpfbereich erst vor kurzem fertig geworden ist, zeigt er doch bereits jetzt sein ganzes Potenzial. Großblättrige Pflanzen sind schon immer ein Faible von mir gewesen und damit kann man natürlich in solchen Feuchtgebieten ordentlich spielen.

Sitzplatz am Wassertisch

Die Abendsonne kann man nicht nur am „Lands End“- Sitzplatz genießen, sondern auch auf der Westseite des Hauses auf einer kleinen Gin-Tonic-Terrasse, dicht am langen Wassertisch und unweit von der Küche.

Ein Dank geht an die Bauherrin und die ausführende Firma.

Einen Garten plant man niemals alleine und in diesem Fall war der große Einsatz, das Interesse und umfangreiche Gartenwissen der Hausherrin ein integraler, wichtiger Bestandteil des Gartenplanes.

Es war sehr schön, diesen Garten mit der Hausherrin zusammen planen zu dürfen und ihn dann auch mit einem sehr kompetenten Bauleiter, Volker Niemann von der Firma „Zum Felde“, ausführen zu können. Denn nicht immer bekommt man bei Privatgärten die Firma seiner Wahl, was sich dann häufig als schwierige Geburt entpuppt, zumindest bei solchen komplexen Privatgärten.

Ich möchte mich an dieser Stelle bei den geduldigen Gartenbesitzern für diese schöne Aufgabe bedanken.

Bepflanzung © Isabelle van Groeningen

Bepflanzung Iris, Zierlauchsamen, Gräser und Schafgarbe Achillea ‚Moonshine‘

Ihre Gabriella Pape

20.05.2017

 

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Gabriella Pape

Über Gabriella Pape

Nach ihrer Ausbildung in der renommierten Baumschule Lorenz von Ehren, studierte die gebürtige Hamburgerin Gabriella Pape in Großbritannien Biologisch Dynamische Landwirtschaft, Horticulture und Landschaftsarchitektur. Nachdem sie ihre Studien am größten Botanischen Garten der Welt, Kew Gardens in London, mit Auszeichnung abgeschlossen und darüber hinaus ein Diplom für Landschaftsarchitektur der Universität Greenwich erworben hatte, machte sie sich selbständig: Im Jahr 1992 gründete sie zusammen mit der Pflanzenexpertin und Gartenhistorikerin Dr. Isabelle Van Groeningen, die ebenfalls in Kew Gardens studiert hatte, das Gartendesignstudio LANDART in England. Die beiden Gartendesignerinnen haben sich durch ihre vielseitigen und umfangreichen Garten- und Parkgestaltungen in Europa, Südamerika und Asien einen Namen gemacht, der es ihnen ermöglicht, dieses Wissen auch weiterzuvermitteln. Neben vielen anderen Auszeichnungen gewannen Gabriella Pape und Isabelle Van Groeningen im Jahr 2000 eine Goldmedaille und den Titel „Best in Show“ der Royal Horticultural Society für ihren Showgarten auf der Hampton Court Flower Show. Im Frühjahr 2007 erhielten sie die Silver Gilt Medaille auf der Chelsea Flower Show für ihre Kreation eines Senkgartens in Anlehnung an die Gartengestaltungskunst des berühmten deutschen Staudenzüchters Karl Foerster. Eine Auszeichnung, die unter Gartendesignern mit dem Oscar in der Filmwelt verglichen wird. Im Jahr 2008 gründeten Gabriella Pape und Isabelle Van Groeningen in Berlin Dahlem die Königliche Gartenakademie als ein Zentrum für Gartenkultur.