Der Charme der Wildrosen  

03. Juni 2017 von Isabelle Van Groeningen
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Rosa glauca © Isabelle van Groeningen

Jahrelang habe ich Rosen gehasst. Während meines Praktikumsjahres in Wisley mussten wir die ganzen Rosenbeete ausgraben, die Erde austauschen und neue Rosen pflanzen. Acht riesige Beete, Hunderte von Rosen. Monate hat es gedauert. Im Frühjahr mussten dann noch die anderen Rosen geschnitten werden. Nach sechs Monaten waren es nur hässliche, stachelige Pflanzen, die, wie ich in den folgenden Monaten entdeckte, es nur schafften mit regelmäßigen Spritzbehandlungen und viel Dünger. Damit hatten sie für mich allen Charme völlig verloren. Danach habe ich jahrelang nichts mit Rosen zu tun haben wollen.

Wildrosen – Unkompliziert und anspruchslos

Der unkomplizierte Charme von Wildrosen machte mich wieder weich. Sie können jahrelang allein gelassen werden ohne Schnitt, ohne extra Behandlung. Auch auf nicht besonders guten Böden haben sie eine bessere Chance, als die ganzen Hybriden mit großen, gefüllten Blüten. Um diese relativ kleinen, einfachen Blüten mit nur fünf Blütenblättern einmal im Jahr zu produzieren, braucht eine Pflanze wesentlich weniger Energie und Nährstoffen, als wenn sie immer wieder große, stark gefüllte Blüten schaffen muss.

Dekorative Hagebutten

Rosa glauca © Isabelle van Groeningen

Rosa glauca

Vielen Gartenbesitzern ist es wichtig, dass die Rosen remontierend oder mehrfach blühend sind. Mir ist wichtiger, dass eine Pflanze Farbe bringt zu einem Zeitpunkt, wenn nichts mehr blüht. Die zweite Blüte kommt, wenn noch reichlich andere Pflanzen blühen, wie die Hortensien und Astern. Den einfachen Blüten folgen zierliche, oft sehr attraktive Hagebutten, die noch lange Zeit Farbe bringen, nachdem alle anderen Blüten sich im Herbst verabschiedet haben.

Die Mandarin-Rose: Rosa moyesii

Die Mandarin-Rose, Blut-Rose oder rote Büschelrose ist die Rose aus meine Kindheit. Sie stand in unserem Gemüsegarten hinter den Frühbeeten. Als kleines Kind habe ich viele Stunden unter dieser Rose verbracht. Mit über 3m erschien sie mir als riesig, als kleines Kind konnte ich nicht so viel sehen von ihren schönen ziegelroten Blüten, aber ich erinnere mich an das laute Gesumme der fleißigen Bienen über meinem Kopf, die für die Befruchtung der großen, langen orangenen Hagebutten gesorgt haben. Für kleinere Gärten ist die form Rosa moyesii ‚Geranium’ mehr geeignet: Sie wächst nicht so hoch, sieht sonst sehr ähnlich aus wie die ursprüngliche Wildform.

Die Rotblatt-Rose: Rosa glauca

Rosa glauca Blätter © Isabelle van Groeningen

Blätter Rosa glauca

Die Rotblatt-Rose oder Hechtrose ist interessant, da sie sehr dekoratives grau blaues Laub mit rötlicher Unterseite hat. Dieses passt gut zu den rötlichen Stielen, die im Jugendalter weißlich bereift sind. Dank dieses sehr dekorativen Laubes hat sie einen hohen Gartenwert. Die einfachen rosa Blüten wirken charmant frisch, aber bescheiden. Nach der Blüte entwickeln sich die Hagebutten. Am Anfang sind sie glänzend rotbraun, später reifen die fast runden Früchte zu einer fröhlichen orange-roten Farbe im gärtnerischen Winterbild. Meistens wird sie nicht viel größer als 2 m.

Rosa glauca Blüte © Isabelle van Groeningen

Rosa glauca Blüte

Die Chinesische Gold-Rose: Rosa hugonis

Rosa hugonis © Isabelle van Groeningen

Rosa hugonis

Die Chinesische Gold-Rose ist immer eine der frühsten Rosen, die unsere Gärten schon im Mai mit einer großen gelben Wolke zieren. Das feine Laub mit fröhlichen früh gelben Blüten ist immer ein Fest. Ähnlich in Blüte, ein wenig später und leider sehr selten, ist Rosa primula.  Diese Sorte ist besonders wegen ihres duftenden Laubes, was besonders an warmen, feuchten Sommerabenden einen wunderbaren Duft verbreitet.

Wildrosen-Pflege

Diese Rosen können ohne schlechtem Gewissen über mehrere Jahre ignoriert werden. Sie müssen nicht geschnitten werden, das einzige was Sie tun können, ist alle paar Jahren ein oder zwei dickere Äste unten auszuschneiden, um damit die Pflanze jung zu halten. Besonders wo sie auf halbwegs gutem Boden wächst, muss sie auch nicht extra gedüngt werden, und sie sind selten befallen von den übrigen Rosenkrankheiten.

Isabelle Van Groeningen

3. Juni 2017

 

Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.