Der Charme Historischer Kletterrosen

10. Juni 2017 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Neuigkeiten, Rosen, Übers Gärtnern |

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Kletterrosen: Rosa 'Cecile Brunner' © Isabelle van Groeningen
Besonders in Gärten, wo wenig Platz ist, kann man viel mit Kletterrosen erreichen: Sie nehmen unten nicht zu viel Platz ein und können sorgfältig an einer Wand über einen Bogen oder Obelisk, oder in einem Baum hochgeleitet werden. Am liebsten begleitet von einer sommerblühenden Clematis, die man in den Wintermonaten zurückschneiden kann. Achten Sie darauf, wie groß sie werden können: Vermeiden Sie riesige Rambler, wo wenig Platz ist, da Sie sich einen permanenten Kampf antun, um das wilde Tier in Grenzen zu halten. An Stellen wo sie nicht einen ganzen Tag lang Sonnenenergie tanken können, beschränken Sie sich auf einmal blühende Sorten, statt remontierende oder sogar durchblühende.

Kletterrosen

Rosa ’Albertine’ (1912)

Kletterrosen: Rosa 'Albertine' © Isabelle van Groeningen

Rosa ‚Albertine‘

Nach meiner Wiederentdeckung der Wildrosen waren es die Kletterer, die schnell in meinem Herzen ein Plätzchen gefunden haben. Die köstlich duftende schöne ‚Albertine’ war es, die es geschafft hatte. Sie war die erste Rose, die ich mutig bestellt hatte, als ich meinen ersten Garten bepflanzte und sie kam in ein großes Whiskeyfaß vor meiner Haustür an die Ostseite des Hauses. Kaum war sie gepflanzt, sagte mir jemand, wie empfindlich sie für Sternrost und Mehltau sein soll. Es war das Gegenteil: Die kühlere Ostlage, wo sie nur Vormittagssonne bekam, gefiel ihr gut. Da sie nur einmalblühend ist, reicht diese Menge an Sonnenlicht und das regelmäßige Gießen als Kübelpflanze fand sie auch ganz prima. Sie war 5 Jahre lang gesund, stark und blühte zwar nur einmal, aber das üppig und lange. Nach unserem Umzug in einen größeren Garten hatte die Gute ein wohlverdientes Plätzchen an der Südfassade, was ihr gar nicht gefiel: Zu heiß, zu trocken und sofort hatte sie Probleme mit Pilzkrankheiten. Daher wurde sie nochmals umgepflanzt, wieder an die Ostseite des Hauses, dieses Mal über einen Rosenbogen, wozu sie mit ihrem bescheidenen Wuchs gut geeignet ist.

Kletterrosen: Rosa Albertine als Hecke© Isabelle van Groeningen

Rosa Albertine als Hecke

Rosa ’Madame Alfred Carrière’ (1879)

Nach einem schönen Ausflug nach Hadspen Garden schenkte uns eine Freundin ‚Madame Alfred Carrière’. Sie bekam ein Plätzchen an der Seite unseres Hauses zusammen mit der dunkelroten Clematis ‚Niobe’. Sie fühlte sich wohl, wuchs und wuchs. Zu groß für ihren Standort, aber es war der einzige, den wir zu bieten hatten. Harten Rückschnitt mag sie allerdings nicht so gerne, sodass wir es dann so geregelt hatten, dass eine Hälfte nur leicht geschnitten wurde und jedes 2 Jahr härter, während die andere Hälfte hart geschnitten wurde, und jedes zweite Jahr leicht. Sie bedrohte jeden Gast im Sommer, da sie fast ins Gästezimmer reinwuchs. Mad Alf, wie wir sie liebevoll nennen, hat große, locker gefüllte zart rosa bis creme farbige Blüten, die ein göttliches Parfum haben. Wenn sie nicht zu hart geschnitten wird, fängt sie früh an zu blühen. Zusammen mit ‚Mme Grégoire Staechelin‘ fängt sie hier in der Saison an und produziert im Laufe des Sommers immer wieder neue Blüten.

Rosa ’Sombreuil‘ (1850)

Kletterrosen: Rosa 'Sombreuil' © Isabelle van Groeningen

Rosa ‚Sombreuil‘

Sombreuil war meine nächste große Entdeckung: Die Blüte ist typisch für alte Rosen; offene, dicht gefüllte creme farbige Blüten, stark duftend und remontierend. Eine tolle Rose für eine Pergola, allerdings ist ihr Manko, dass sie bei regnerischem Wetter nicht schön verblüht, und dass man ab und zu die Leiter rauf muss, um sie auszuputzen.

Rosa ‘Félicité Perpétue’ (1827)

Kletterrosen: Rosa 'Felecite et Perpetue' © Isabelle van Groeningen

Rosa ‚Felecite et Perpetue‘

Diese charmante Rose blüht auch nur einmal, dafür lang und ist daher nicht unbedingt für die volle Sonne geeignet. Sie ist sehr reich blühend mit kleinen, weißen Pompons. Die Knospen sind rosarot, aber öffnen sich weiß. Sie produziert reichlich ca. 3m lange Triebe, die sehr biegsam sind und sich daher gut eignen, um sie über eine Pergola zu legen.

Rosa ‘Cécile Brunner’ (1881)

Die kletterform von ‘Cécile Brunner’ ist etwas irreführend: Sie hat bezaubernde, kleine zart-rosa Knospen, die aussehen als wären sie aus altem Meissner Porzellan. Diese delikaten kleinen Knospen öffnen sich dann in kompakte rosa Pompons, und das in großen Mengen den ganzen Sommer durch. Das Parfum ist auch entzückend. Diese zarte verführerische Dame ist allerdings eher wie ein wildes Tier: Mit Ihren kräftigen Trieben habe ich schon öfter gekämpft, aber sie ist so bezaubernd, dass sich dieser Kampf lohnt!

Rosa ’Mme Grégoire Staechelin‘ (1927)

Kletterrosen: Rosa 'Mme Gregoire Staechelin' © Isabelle van Groeningen

Rosa ‚Mme Gregoire Staechelin‘

An der Südostseite unseres Wurzelhäuschens an der Gartenakademie haben wir drei Rosen gepflanzt. Links und rechts klettern die kleinblütigen ‚Guirlande d’Amour‘ und ‚Cécile Brunner‘ und in der Mitte stattlich ‚Mme Grégoir Staechelin‘ mit großen halb gefüllten kräftigen rosa Blüten. Sie duftet toll und schenkt uns statt einer eine zweite Blüte, wie die anderen, sehr große, fast runde orange Hagebutten, die die Fassade bis weit in den Winter schmücken. Dank der Größe, als auch der Farbe und dem Duft dieser Blüten würde sie wunderbar in ein Boudoir passen!

Isabelle Van Groeningen
10. Juni 2017

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Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.