Die Trendfarbe Grün

18. Juni 2017 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Neuigkeiten, Übers Gärtnern |

Beitrag Drucken

Trendfarbe Grün © Isabelle van Groeningen

In den letzten Monaten bin ich mehreren Artikeln begegnet zum Thema Trendfarbe. Im Garten ist es ein Thema, was ich immer vermeide. Jedes Frühjahr kontaktieren uns Journalisten, um zu fragen, was denn wohl die Trendfarbe ist für dieses Jahr. Da ich Gärten bepflanze mit der Erwartung und Hoffnung, dass die Pflanzen mehr als ein Jahr da sein werden, ist es völlig irrelevant. Letztendlich sollen die Benutzer des Gartens sich wohl fühlen, und wenn man orange hasst, wird man sich nicht glücklich fühlen umgeben von orangenen Blüten.

Was gerade blüht

Mehr Grün © Isabelle van Groeningen

Trendfarbe Grün

Dieses Jahr war wohl Grün angesagt, und da bin ich ausnahmsweise voll im Trend. Ich sitze in meinem Berliner Innenhofgärtchen und schaue zufrieden um mich herum. Es sieht toll aus, es ist üppig, es hat noch einige Lücken mit Platz für ein paar neue Pflanzen, die nächste Woche kommen, aber sonst ist es, wie jeder Garten um diese Jahreszeit, ganz schön.

Osmunda regalis © Isabelle van Groeningen

Osmunda regalis

Während mein sonniges Staudenbeet an der Gartenakademie protzt mit Farbe der vielen Katzenminzen, Rosen Frauenmantel, Baptisia, Salbei und anderen schönen Stauden, sitze ich hier in meiner ruhigen grünen Oase. Natürlich blüht hier auch einiges, wie die weißen Rispen meiner Lieblings Geisbart Aruncus ‚Horatio’ und der riesigen Knöterig Aconogonon ‚Johanniswolke’ (syn. Persicaria polymorpha) und mein favorisierter Gartenopportunist Montia sibirica mit zarten kleinen weiß-rosa Sternchen, der sich fröhlich aussät, wo er Platz findet. Und sonst blüht gerade ein orangener kleiner Scheinmohn Meconopsis cambrica, der letzte weiße Türkenbundlilie, eine nette kleine Wiesenraute Thalictrum ichangense und ein Storchschnabel. Am Zaun rankt ein Geißblatt, der abends die Luft mit seinem köstlichen Parfum erfüllt. Das Ganze wirkt ruhig, aber es gibt gerade genug, dass sich ein kleiner Spaziergang durch die ganzen 80 Quadratmeter meines Gartens lohnen.

Montia sibirica © Isabelle van Groeningen

Montia sibirica © Isabelle van Groeningen

Ruhiger Effekt vom richtigen Laub

Die Ruhe kommt vom Grün. Der Grund warum ich so froh bin mit meinem Schattengarten ist der, dass so viele der Schattenpflanzen wunderbare Laubpflanzen sind. Schöne Texturen, tolle Formen mit unterschiedliche Grüntönen, filzig, behaart, matt, glänzend, groß und kräftig, lang und schmal, gefiedert, länglich, und so weiter. Genau diese Kontraste machen es spannend und schön über die ganze Saison. Die Blüten, die zusätzlich mal hier, mal da auftauchen sind ein Bonus und machen die Einladung zum regelmäßigen Spaziergang, so dass man nichts verpasst.

Dramatische Gehölze

Der Garten ist dominiert von zwei Baumfarnen. Obwohl die in Berlin nicht winterhart sind, und daher jeden Herbst reingeholt werden müssen, ist es uns das wert, da sie während des schönen langen Sommers dank des Schirmes von grünen Wedeln uns ein Gefühl von Privatsphäre schaffen, die keine andere Pflanze erreicht. Die chinesische Hanfpalme Trachycarpus fortunei ist winterhart und hilft, Nachbars Trampolin zu verstecken. Eine Reihe Bambus im Hintergrund schützt uns vom Blick der ersten zwei Etagen des Nachbarhauses, während die hochglänzende, hellgrüne mit neuen Trieben auf unsere zwei immergrünen Magnolien Magnolia grandiflora leuchten wie Kerzen auf einer Geburtstagstorte. Vor den Magnolien steht ein Blauglockenbaum Palownia tomentosa, der jeden Winter auf ungefähr 1,5m zurückgesetzt wird; er soll ja kein Baum werden, aber jedes Jahr kräftige neue Triebe produziert mit riesigen Blättern. Er treibt immer recht spät aus, aber wächst dann so schnell und kräftig, dass innerhalb von wenigen Wochen die Triebe zwei bis drei Meter lang sind und die Blätter über 50cm Durchmesser haben.  An der Hauswand wächst eine Samthortensie, die sich schön nach vorne in die Stauden legt.

Die Imposanten Blattstauden

Groß ist immer gut für Blätter. Funkien sind daher beliebt, leider nicht nur von mir. Eine relativ kleine, kompakte Sorte, die ich wegen ihres Namens haben musste Hosta, Flemish Skies’ hat ein sehr graublaues Blatt, was die Schnecken nicht so gerne Mögen. Nächste Woche kommen H. ‚Sum and Substance’, die besonders groß und hellgrün sind, die ein schöner Kontrast sein werden zu den geschnittenen dunkelgrünen Blättern von Balkan Bärenklau Acanthus hungaricus und dem Königsfarn. Neben dem größeren Wasserbecken gedeiht ein Zierrhabarber, der jedem Mammutblatt einen Minderwertigkeitskomplex besorgen könnte. Verschiedene Maiäpfel, u.a. Podophyllum ‚Spotty Dotty’ haben auch besonderes, großes Laub.

Unerwartet ist das Blatt vom Purpurglöckchen Heuchera villosa, Felt Room’. Ähnlich, aber weicher, filziger und helleres Grün als vom Heuchera villosa microrhizum ist diese Spätsommerstaude eine besondere Randpflanze für Schattengärten.

Gestieltblättriges Schaublatt, Rodgersia podophylla thront über das feine Laub vom Japan Gras Hakonechloa macra, was leicht und flüssig wirkt. Der fiederige Effekt im Garten kommt im Mai mit Myrrhis odorata, jetzt ist es den Geißbart ‚Horatio’ und als nächstes die weißen Blüten von Wiesenraute Thalictrum ‚Splendid White’. Ich freue mich jetzt schon!

Noch mehr Grün © Isabelle van Groeningen

Noch mehr Grün

Isabelle Van Groeningen

18. Juni 2017

 

Beitrag Drucken
Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.