Inspirierende Privatgärten im Lakedistrict

27. Juni 2017 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Gärten, Neuigkeiten |

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Lake Windermere im Lakedistrict © Isabelle van Groeningen

Zurück von einer unerwartet heißen und sonnigen Gartenreise im normalerweise regnerischen Lakedistrict, ist es schön, sich nochmal die Gärten durch den Kopf gehen zu lassen. Ich finde es immer inspirierend, andere Gärten zu besuchen, da man immer etwas mitnimmt, egal wie klein das Detail ist. Besonders die Gärten, die sich in Privatbesitz befinden, sind spannend. Egal ob es ein Schlossgarten oder ein bescheidenes Wohnhaus ist, sie werden oft vom Besitzer geplant, bepflanzt und gepflegt, ohne die Hilfe eines extra Gärtners. Genau dieser persönliche Input ist so spannend, da er oft sehr viel über die Person erzählt, die dahintersteckt.

Lake Windermere im Lakedistrict © Isabelle van Groeningen

Lake Windermere

Schwierige Bedingungen des Lakedistrict

In einer Zeit, wo Wetterbedingungen immer extremer werden, ist es interessant zu hören, wie andere mit den schwierigen, lokalen Bedingungen umgehen. Wind, viel Wind und eine dünne Erdschicht über Felsen, wo nur mit Spitzhacke oder sogar Dynamit durchzubrechen ist und extrem hoher Niederschlag, in einigen Gärten bis zu 200 Liter pro Quadratmeter pro Jahr und mehr, sorgen im Lakedistrict für erschwerte Bedingungen. Kompost ist die Lösung und zwar ganz viel davon. Nicht nur um die Erdschicht zu verbessern, sondern auch um die ständig ausgespülten Nährstoffen zu ersetzen. Gärten in der Nähe der Küste haben wenigstens als Kompensation den warmen Golfstrom. Dieser bringt milde Luft über den Atlantik und somit gedeihen hier erstaunlich viele Exoten.

Windy Hall

Windy Hall im Lakedistrict © Isabelle van GroeningenWindy Hall

Der Garten von David und Diane Kinsmann liegt oberhalb von Lake Windermere, mit weitem Blick über den längsten und tiefsten See des Lakedistrict und die umliegenden Berge. Wie traumhaft diese Weitblicke auch sind, es sind Schwachstellen im Garten. Fenster, durch welche der Wind reinpfeift und den wenige Pflanzen mögen, zerstören das liebevoll entwickelte Micro Klima. Daher werden große Gehölze als Windschutz gepflanzt, mit nur einzelnen, kleineren „Fenstern“, die den Blick über die weite Landschaft ermöglichen. Am erfolgreichsten scheint die Kamelie zu sein. Ihre Blätter zerflattern im Vergleich zu denen des Rhododendrons nicht bei starkem Wind.

Über die Jahre haben David und Diane gelernt, mit statt gegen die Natur zu arbeiten. In schattigen, feuchten Ecken wächst Moos gerne. Statt es zu bekämpfen, werden andere Pflanzen gejätet. Wo Felsen durch den Rasen kommt, entstehen kleine Steingärten – kleine Inseln, umgeben von Kies. Diese, zusammen mit vielen anderen Details, geben diesem Garten ein orientalisches Flair. Der Garten enthält eine ungewöhnliche Sammlung besonderer Gehölze wie außergewöhnlichen Rhododendren, Magnolien und auch Hortensien, sowie den seltenen Kletterer Hydrangea seemannii. Dieser Garten ist genauso spannend und interessant wie seine beiden Besitzer.

Chapelside

Chapelside im Lakedistrict © Isabelle van Groeningen

Chapelside

Am nördlichen Ende des Lakedistrict liegt Chapelside, der Garten von Tricia und Robin Acland. Über 40 Jahre haben die beiden einen alten Bauernhof umgebaut und bepflanzt. Als Künstler gibt er seinen Skulpturen und anderen Kunstwerken Raum in seinem Garten unter dem Motto: Ein Garten soll nicht nur Pflanzen enthalten. Die Bepflanzung liegt in Tricias Verantwortung. Sie hat in jeder Ecke ein passendes Pflanzen-, bzw. Farbthema entwickelt. So befindet sich hier ein kleiner Kiesgarten, ein Schattengarten, ein bunter Gemüsegarten und ein rauschender kleiner Bachgarten. Eine stille, reflektierende Wasserfläche ist ebenfalls vorhanden. Hier steht eine einzelne größere Wasser-Iris am Rand, die sich perfekt spiegelt. Isotoma fluviatilis hat sich im Rasen ausgebreitet und ist im Augenblick einen Teppich von bezaubernden kleinen, blauen Sternchen. Dieser Garten ist ungewöhnlich ruhig und harmonisch. Die Bepflanzung zurückhaltend als auch selbstbewusst.

Chapelside Bach © Isabelle van Groeningen

Bach

Yewbarrow

Yewbarrow House Morecambe Bay © Isabelle van Groeningen

Yewbarrow House Morecambe Bay

Am steilen Hang gelegen, findet man Yewbarrow House hoch über Morecambe Bay. Mit 305 Quadratkilometern ist dieses eines der größten und wichtigsten Wattgebiete Europas und Refugium für viele Küstenvögel. Die geschützte Lage und der warme Golfstrom machen diesen Garten zu einem Paradies für Exoten. Echium pininana, der riesige Natternkopf aus Las Palmas, wächst hier wie Unkraut. Drei Jahre brauchen die Sämlinge, bis sie ihre imposanten, 3 bis 4 Meter hohen Blütenrispen gebildet haben. Hecken aus Hebe, Beete mit Kakteen und hunderten von Dahlien bringen während der Sommermonate exotisches Flair.

Holehird

Holehird Blick © Isabelle van Groeningen

Holehird Blick

Der Garten der Lakeland Horticultural Society ist eine Inspiration. Circa 60 Mitglieder pflegen diesen Garten völlig ehrenamtlich. Jeder hat die Verantwortung für ein Beet und bekommt dafür die Freiheit, es so zu bepflanzen, wie er es für richtig hält. Um zu verhindern, dass alle die gleichen Pflanzen benutzen, ist eine Person beauftragt, die Pflanzen-Akquisition zu koordinieren.

Eine gewisse Konkurrenz entsteht zwischen Nachbarbeeten, was dazu beiträgt, dass der Garten in perfektem Zustand ist. Erstaunlicherweise wirkt das gesamte Areal trotz dieser vielen unterschiedlichen Ideen und Meinungen sehr harmonisch. Für die Mitglieder ist es ein wenig wie in einem Golfclub, mit einem Lokal, wo man sich treffen und austauschen kann. Eine gute Gartenbibliothek steht auch zur Verfügung und Vorträge und Exkursionen werden organisiert.

Von all den verschiedenen Eindrücken, ist dieses Konzept wohl das was mich während dieser Reise ins Lakedistrict am stärksten beeindruckt hat.

Saftig Grün! © Isabelle van Groeningen

Saftig Grün!

Isabelle Van Groeningen

27. Juni 2017

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Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person

Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an.
Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird.

Gartendesign
1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen.

Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten.

Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.