Klimawandel im Garten

01. Juli 2017 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Neuigkeiten |

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010Wassernot - Klimawandel © Isabelle van Groeningen

Dieses Mal hat es Berlin erwischt. Der heftige Dauerregen fing vorgestern Vormittag an und hörte dann nicht mehr auf. Der Heizungskeller, der normalerweise unser „Trockenlager“ ist für Papierware und andere empfindliche Sachen, war nass. Das Wasser kam durch die Wände unseres Gärtnerkellers. Die Regenwasserzisterne war übervoll und drohte die Toiletten zu fluten. Zwischen den Gewächshäusern stand das Wasser so hoch, dass es unter dem Fußboden des Büros reinkam und somit gestern Morgen Telefonanlage und Computer nicht funktionierten und im Eingangsgebäude strömte das Wasser die Wände herunter. Zum Glück war es sauberes Wasser und es müsste alles wieder funktionieren, wenn endlich alles getrocknet ist.

Das der Klimawandel keine Fake-News sind, ist inzwischen (fast) allen klar. Was es genau bedeutet, wissen wir nicht wirklich außer, dass die Wetterextreme immer größer werden. Wenn es regnet, regnet es viel. Wenn es heiß ist, ist es sehr heiß. Wenn es kalt ist, dann ist es sehr kalt. Heutzutage bauen wir bei unseren Gartenplanungen viel aufwändigere Drainagen ein als vor 15 – 20 Jahren. Damals hätten unsere Kunden uns für verrückt gehalten, wenn wir eine Sturmdrainage in die Einfahrt eingeplant hätten. Heute akzeptieren alle es als notwendig.

Trockenheit

Die Sintflut von vorgestern war zu viel und zu schnell, aber schon notwendig. Der Winter war zu trocken. Was für manch einen vielleicht angenehm erscheint, ist für die Natur nicht gut. Wenn den Pflanzen am Anfang der Saison zu wenig Wasser zur Verfügung steht, ist das schlecht. Zum Saisonstart brauchen sie viel, um loslegen zu können. Ist dies nicht der Fall, fällt es besonders unseren Bäumen schwer.

England, bekannt für sein feuchtes Klima, ist gut geübt mit diesen Trockenperioden. Öfter gibt es schon ab Frühsommer Schlauchverbot, wenn die Wasserreservoire im Laufe der Winter sich nicht genügend gefüllt haben. Autos dürfen nicht gewaschen, Rasen nicht begossen werden und das wird per Helikopter kontrolliert und dementsprechend bestraft. Die Royal Horticultural Society gibt Rat, wie Gärtner mit Trockenheit umgehen sollen, welche Pflanzen weniger Wasser verlangen, wie man sie pflanzt, dass sie einen guten Start ins Leben haben und trotz Trockenheit überleben können.

Pflanzen die gut mit Trockenheit zurechkommen:

Rasen

Am Rasen merkt man es meistens am schnellsten wenn es zu trocken ist. Er wird ganz schnell braun. Wichtig ist weiterhin regelmäßig zu mähen, statt zu sprengen. Der Rasenmäher sollte so hoch wie möglich gestellt werden und das Grass gemulcht statt abgefangen werden. Damit bleibt viel mehr Feuchtigkeit im Boden. Wenn Sie doch sprengen möchten, stellen Sie einen Topf oder Container auf den Rasen und wenn zwei bis 3 cm Wasser drin sind, hat der Rasen genügend bekommen. Sonst sollten Sie ihn einfach braun werden lassen. Sobald es wieder regnet, wird er schnell wieder grün.

Rasenmähen - Klimawandel © Isabelle van Groeningen

Rasenmähen – Bei Hitze, nicht zu kurz und mulchen

Hilfe von Mykorrhizen für die Anpassung an den Klimawandel

Heckenpflanzung - Klimawandel © Isabelle van Groeningen

Heckenpflanzung mit Mykorrhizen

Wissenschaftler haben entdeckt das Pflanzen in Symbiose leben mit Pilzen. Das sehr feine, weitreichende Wurzelwerk von Pilzen kann Pflanzenwurzeln extra Wasser und gewisse Nährstoffe zur Verfügung stellen. Damit können Pflanzen viel schneller und kräftiger anwachsen und besser gegen Trockenheit bestehen. Besonders auf mageren, sandigen Böden macht das einen großen Unterschied.

Beete gießen

Beete gießen © Isabelle van Groeningen

Beete gießen – Nur wenn es notwendig ist, und dann 2-3 Stunden Morgens ganz früh

Ich bin kein Fan von regelmäßigem Gießen. Lieber lasse ich meine Pflanzen ein wenig gestresst sein, dass sie ihre Wurzel ein wenig tiefer in die Erde schieben auf der Suche nach Grundwasser, als wenn sie mit ihren Wurzeln knapp unter der Erdoberfläche sitzen und auf Ihre nächste Gieß-Aktion warten. Ich gieße nur wenn es echt notwendig ist und dann lasse ich den Regner mehrere Stunden laufen. Der Regen von vorgestern hat das dann wohl geschafft!

Isabelle Van Groeningen

01.07.2017

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Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.