Selbstaussäende Pflanzen: Opportunisten oder Unkraut?

16. Juli 2017 von Isabelle Van Groeningen
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Tanacetum parthenium 'Flore Pleno' © Isabelle van Groeningen

Oft höre ich die Frage: Säht dieses Gras sich dann nicht aus? Egal welche Pflanze es ist, wenn sie sich in ihrem Garten so wohl fühlt, wie sie es in ihrer natürlichen Heimat gewöhnt ist, wird sie das tun, was sie dort tut: sich aussäen. Aber kein Grund zur Panik. So viele Faktoren beeinflussen das Keimen eines Saatkornes, dass die Chancen eher klein sind. Schon alleine müssen Licht, Temperatur und Feuchtigkeit stimmen, bevor sie loslegen können und weiter wachsen. Unter anderem spielen Bodenverhältnisse natürlich auch eine wichtige Rolle.

Wenn Sie mit einer Pflanze konfrontiert sind, die sich aussäht, müssen Sie für sich entscheiden, ob es charmant ist und es Ihnen gefällt, dass diese Pflanze sich so in Ihren Garten einfügt oder es ihren Garten bedroht. Ist sie leicht auszureißen, eventuell um zu pflanzen oder ist sie tief im Boden verankert und kommt ohne Hilfe von Gabel oder Spaten nicht raus?

Bevor diese Pflanze zu einem Albtraum wird, müssen Sie eingreifen. Entweder rausschmeißen oder gleich nach der Blüte zurückschneiden, um zu verhindern, dass die Pflanze Saat bildet.

Die netten Opportunisten

Ich habe so einige im Garten, die ich als charmante Opportunisten betrachte, die sich sanft aussäen, dort wo sie Licht und Luft finden. Wo diese Sämlinge mir im Weg sind, sind sie schnell entfernt. Der kleine Pyrenäen Storchschnabel Geranium pyrenaicum ‚Bill Wallace’, Sibirischer Portulack Montia sibirica und Nachtkerze Oenothera stricta ’Sulphurea’ sind drei solcher Favoriten, die immer wieder irgendwo im Garten auftauchen und mich fröhlich stimmen. Auch Zartes Federgrass Stipa tenuissima säht sich gerne aus. Das passt mir ziemlich gut, da ich die älteren Pflanzen ersetzen kann, wenn sie nach zwei oder drei Jahren nicht mehr so attraktiv sind.

Die nicht so netten Ausstreuer

Frauenmantel ist der Liebling von vielen Gärtnern, kann aber genauso schnell zum Albtraum werden und ganze Beete übernehmen. Ohne möchte man nicht wirklich leben, daher sollten Sie diesen dringend runterschneiden, bevor sie braun sind. Am liebsten an dem Punkt, wo man denkt: „ach, eigentlich könnte ich sie noch eine Woche stehen lassen.“ Das ist die Woche zu spät. Wenn Sie es noch nicht getan haben, stellen Sie sich das an die erste Position ihrer „To-Do-Liste“ für dieses Wochenende. Noch so ein potentielles Problem ist die Gelbe Wiesenraute. Thalictrum flavum ssp glaucum hatte sich in meinem Englischen Garten sehr unbeliebt gemacht. Die Samenständer waren zwar sehr dekorativ, aber die Sämlinge hielten sich im Boden fest, als wären sie in Beton gepflanzt.

Die Akelei ist noch so ein frecher Gartenbesucher, die sich nicht nur ausstreut ohne sich aber noch vorher mit Pollen von anderen Sorten befruchten zu lassen. Sie sollten nicht nur ein Beet voller Sämlinge haben, auch wenn es meistens gemischte Sämlinge sind. Es kann einerseits reizend sein, aber das Risiko, dass Sie nach wenigen Jahren nur noch langweilige, rosafarbene Blüten im Beet haben ist leider groß.

Sie haben die Kontrolle

Wenn Sie nicht absolut verliebt sind in eine Pflanze und Sie macht Ihnen Sorgen, dass es ein Problem wird in der Zukunft, entsorgen Sie sie. Wenn Ihr Herz daran hängt, sollten Sie gleich nach der Blüte, bevor die Samen überhaupt Zeit hatten zu reifen und braun zu werden, die Samenständer abschneiden!

Kurzlebende (teilweise zweijährige) Gartengäste:

Isabelle Van Groeningen

15. Juli 2017

Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.