Die frühste Frühjahrszwiebel

09. September 2017 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Frühling, Jahreszeiten, Neuigkeiten, Übers Gärtnern, Zwiebeln |

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Winterlinge und diverse Schneeglöckchen © Isabelle van Groeningen

Da ich letzte Woche angefangen habe, meine Zwiebelaufregung mit Ihnen zu teilen und über die Herbstblüher zu schreiben, mache ich heute weiter mit der nächsten Charge, die bald wieder in der Erde sein möchte: Die allerersten Blüten des Jahres.

Schneeglöckchen

Galanthus nivalis © Isabelle van Groeningen

Galanthus nivalis

Ich liebe sie innig, diese frühen, charmanten Gutelaunemacher. In meinem Garten in England waren sie immer Mitte Januar schon da. Mal ein paar Tage früher, mal ein paar Tage später. Die Aufregung, wenn die ersten grün-weißen Nasen sich aus der Erde schieben, ist immer wieder groß. Gepaart mit der Zaubernuss, die bis dahin auch schon blüht, fängt für mich die neue Saison an.

Sie haben eine besondere Eigenschaft. Diese kleine Zwiebel schafft es, ein wenig Wärme zu produzieren, damit am Ende des Winters, wenn die Schneedecke fast weggeschmolzen ist, diese kleinen Ungeduldigen sich schon mal ein kleines Loch in den Schnee schmelzen können und somit eher loslegen. Ich beobachte sie dann täglich und warte auf den Tag, an dem sie ihre drei eleganten weißen Flügelchen breit ausstrecken, um in so viel Sonnenlicht wie möglich zu baden.

Ich liebe das ganz normale Glanathus nivalis in großen Mengen und hierzwischen einige besondere in kleineren Mengen, wie z. B. das gefüllte G. nivalis ‚Flore Pleno‘ obwohl ich kein Galanthomane bin und auch nicht galanthophil. „Was ist das?“ höre ich sie fragen. Galanthus ist der botanische Name für Schneeglöckchen. Galanthophile sind passionierte Sammler, die Galanthomanen entwickeln noch mehr Leidenschaft und nach Aussage eines Galanthophilen, können die wenigstens noch über ihre Sammelmanie lachen.

Winterlinge

Eranthis hyemalis © Isabelle van Groeningen

Eranthis hyemalis

Kurz nach dem Anfang der Schneeglöckchen, legen die fröhlichen gelben Winterlinge Eranthis hyemalis los. Strikte Gelballergiker verpassen hier echt etwas Besonderes, da sie Sonnenlicht an den Fuß von großen Bäumen bringen, wo sonst nie welches zu sehen ist. Es gibt zwar eine weiße Sorte Eranthis pinnatifida, aber die ist selten und daher recht teuer. Das wäre dann eher der edle Solitairdiamant in ihrer Schmuckschatulle!

Winterlingenteppich © Isabelle van Groeningen

Winterlingenteppich

Anemonen

Anemone nemorosa 'Vestal' © Isabelle van Groeningen

Anemone nemorosa ‚Vestal‘

Am östlichen Rand von Brüssel, im Sonienwald, stehen im Frühjahr die riesigen Buchen in einem weißen Meer von Buschwindröschen, später gefolgt von einem blauen Meer aus wilden Hyazinthen. Zwischen diesen bescheidenen weißen Waldbewohnern, findet man immer wieder genetische Varianten wie die gefüllte Form Anemone nemorosa ‚Vestal‘. Etwas höher (ca. 10 – 20 cm) und zarter, fast transparent wirkend, die lavendelblaue Anemone nemorosa ‚Robinsoniana‘.

Das Pflanzen

Winterlinge und kleine Anemonen, sind die perfekten Waldbewohner. Während der Wintermonate kommt genügend Licht und Regen auf dem Waldboden an, damit sie sich wohlfühlen und über die Jahre ausbreiten. Daher lieben sie es in humusreicher Erde zu wachsen.

Pflanzen Sie diese frühen Charmeure großzügig. Nach wenigen Jahren können Sie dann die kleinen Tufts, die sich entwickelt haben, nach der Blüte ausgraben, teilen und über den Garten verbreiten. Es ist wichtig, dass Sie sie schnell in die Erde kriegen, da die ersten schon relativ bald loslegen möchten. Dazu kommt auch, dass diese recht kleinen Geophyten relativ schnell dehydrieren. Daher ist es empfehlenswert, die kleinen Knollen besonders von Winterlingen, aber auch Anemonen, die Nacht vorher in Wasser zu legen, damit sie sich erst mal wieder vollsaugen können.

Haben sie Mut! Sie pflanzen sich leicht mit einer kleinen Handhacke, ca. 5 – 10cm tief oder schälen Sie die Oberfläche und werfen Sie die Zwiebel rein. Viel Spaß!

Isabelle Van Groeningen

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Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person

Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an.
Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird.

Gartendesign
1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen.

Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten.

Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.