Jetzt wird es bunt in der Stadt

30. September 2017 von Gabriella Pape
Kategorien: Jahreszeiten, Neuigkeiten |

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Liquidambar styraciflua im Herbst © Isabelle van Groeningen

Den Marathonläufern ist am letzten Sonntag vielleicht nicht gleich aufgefallen, dass sie trotz Regen durch eine der hinreißendsten Szenerien gelaufen sind, die wir zurzeit zu bieten haben; doch die Millionen von Zuschauern im Fernsehen sollten es bemerkt haben, denn der 17. Juni war durch die goldgelben Kaiserlinden (Tilia x europaea ‚Pallida’) förmlich entflammt. Ich glaube, dass es wenige Orte auf der Welt gibt, die einen solch spektakulären Start für 40.000 Läufer bieten, jedenfalls war es für mich ein einzigartiger Anblick.

Tiergarten im Herbst © Isabelle van Groeningen

Tiergarten

Ein gutes Wort für Linden

Mir ist es gerade in dieser Jahreszeit ein Anliegen, die eindrucksvollsten Farben in der Stadt anzusprechen, denn dies ist die Jahreszeit, in der wir uns mit der Linde versöhnen können. Die Linden haben nämlich die unangenehme Angewohnheit im Sommer der Deutschen liebstes Spielzeug, das Auto, mit einem klebrig schwarzen Sekret namens Honigtau zu überziehen. Dieser wird nicht etwa von den Linden produziert, sondern von den Blattläusen, die das süße Leben auf den Linden genießen und besonders in heißen Sommern prosperieren. Dieser Honigtau ist eigentlich eine klare, klebrige Flüssigkeit und färbt sich erst durch Bildung von harmlose Rußtaupilze schwarz auf unseren Autos und Parkbänken. Nun war aber die Straße des 17.  Juni zunächst eine Flanierstraße und kein Parkplatz und man stelle sich den Verlust an Herbstfreuden vor, nur weil ein paar Autofahrer ihr Auto ein oder zwei Mal öfter waschen müssen.

Nicht alle Linden produzieren diese leuchtende Herbstfärbung, Sie müssen dafür schon eine Sommerlinde (Tilia platiphyllos) oder eine Winterlinde (Tilia cordata) pflanzen, oder eben eine Kaiserlinde, die ihre gelben Blätter am längsten behält. Darüber hinaus gibt es noch ganz andere erstaunliche Farbtupfer in der Stadt zu bewundern.

Ginkgo in Gelb

Ein weiterer sensationeller, gelber Herbstbaum ist natürlich der Ginkgo; ein lebendes Fossil, das bereits vor 270 Millionen Jahren im Herbst die Dinosaurier im Jurassic Park verzückt haben muss, sonst hätten sie ihn wohl aufgefressen.

Ginkgo biloba Herbstblatt © Isabelle van Groeningen

Ginkgo biloba Herbstblatt

Orange und Rot

Natürlich gibt es nicht nur Gelb, sondern vor allem auch Rot-und Orangetöne, die momentan die Städte erleuchten lassen. Ich betone hier die Städte, weil diese durch Menschenhand ein wesentlich größeres Farbspektrum entwickelt haben, als es der natürliche Wald hervorbringen kann. Z.B. sind die Amerikanischen Eichen (Quercus rubra) in der Stadt u.a. die ersten Bäume, die fast in jedem Jahr zuverlässig traumhaft rot werden, orangerot, um präzise zu sein. Gefolgt werden sie dann von den Sumpfeichen (Qercus palustris), die übrigens gar keinen Sumpf brauchen, um glücklich zu sein. Auch der Wald-Tupelobaum (Nyssa sylvatica) leuchtet jetzt schon orange-rot.

Nyssa sylvatica © Isabelle van Groeningen

Nyssa sylvatica

Amber- und Eisenholzbaum

Andere, sich etwas langsamer verfärbende Bäume, deren Herbstfärbung uns erst in den nächsten Wochen beglücken wird, sind die feurigen Farben des Amberbaumes (Liquidamber styraciflua) und des Eisenholzbaumes (Parrotia persica).

Farbe für den kleinen Garten

Da dies nun alles Bäume sind, für die man entweder einen Straßenzug oder einen Park besitzen muss, schlage ich für den privaten Garten eher kleinere Herbstfreuden vor, wie z.B. einen Ahorn. Hier gibt es mittlerweile so viele Sorten, die sich traumhaft verfärben, dass ich kaum wage, hier welche namentlich aufzuzählen. Nur den Eisenhutblätterige Ahorn, Acer aconitifolium muss ich erwähnen, weil der gerade so unglaublich schön ist mit tiefst, dunkelrotes Laub.

Acer aconitifolium im Herbst © Isabelle van Groeningen

Acer aconitifolium

Spindelstrauch

Alle Blattverlierende Euonymus sind bunt im Herbst, aber wer einen größeren Strauch sucht, sollte sich gerade jetzt einmal einen Flügel-Spindelstrauch zeigen lassen, der zuverlässig in jedem Jahr eine herausragende knallrote Herbstfärbung hervorbringt, oder einen der vielen Schneeballsorten ( zB. Viburnum plicatum ‚Mariesii‘). Wer wirklich nur einen ganz kleinen Garten hat, dem empfehle ich, das Schöne mit dem Nützlichen zu verbinden und sich einen großen Blaubeerbusch zu kaufen, denn dieser produziert nicht nur zuverlässig dicke, köstliche Beeren im August/September, sondern ebenso verlässlich eine herrliche Herbstfärbung. Dieser Strauch ist einmal eine schöne Alternative zu den schrecklich langweiligen Knallerbsenbüschen, der in Berlin en Masse an jeder Ecke stehen, außer den weißen Beeren im Herbst allerdings sehr wenig Berauschendes an sich haben.

 

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Gabriella Pape

Über Gabriella Pape

Nach ihrer Ausbildung in der renommierten Baumschule Lorenz von Ehren, studierte die gebürtige Hamburgerin Gabriella Pape in Großbritannien Biologisch Dynamische Landwirtschaft, Horticulture und Landschaftsarchitektur. Nachdem sie ihre Studien am größten Botanischen Garten der Welt, Kew Gardens in London, mit Auszeichnung abgeschlossen und darüber hinaus ein Diplom für Landschaftsarchitektur der Universität Greenwich erworben hatte, machte sie sich selbständig: Im Jahr 1992 gründete sie zusammen mit der Pflanzenexpertin und Gartenhistorikerin Dr. Isabelle Van Groeningen, die ebenfalls in Kew Gardens studiert hatte, das Gartendesignstudio LANDART in England. Die beiden Gartendesignerinnen haben sich durch ihre vielseitigen und umfangreichen Garten- und Parkgestaltungen in Europa, Südamerika und Asien einen Namen gemacht, der es ihnen ermöglicht, dieses Wissen auch weiterzuvermitteln. Neben vielen anderen Auszeichnungen gewannen Gabriella Pape und Isabelle Van Groeningen im Jahr 2000 eine Goldmedaille und den Titel „Best in Show“ der Royal Horticultural Society für ihren Showgarten auf der Hampton Court Flower Show. Im Frühjahr 2007 erhielten sie die Silver Gilt Medaille auf der Chelsea Flower Show für ihre Kreation eines Senkgartens in Anlehnung an die Gartengestaltungskunst des berühmten deutschen Staudenzüchters Karl Foerster. Eine Auszeichnung, die unter Gartendesignern mit dem Oscar in der Filmwelt verglichen wird. Im Jahr 2008 gründeten Gabriella Pape und Isabelle Van Groeningen in Berlin Dahlem die Königliche Gartenakademie als ein Zentrum für Gartenkultur.