Vögel im Garten       

Amsel im Zierapfel © Isabelle van Groeningen

Bed & Breakfast für Vögel

In den meisten touristischen Orten sind Bed und Breakfast Etablissements in den Wintermonaten geschlossen. In meinem ist gerade Hochsaison. Ich habe es immer geschafft, meine Gärten innerhalb von wenigen Jahren so zu ändern, dass sie sich zu Vogelparadiesen entwickelt haben. Nicht nur die Vielfalt an Vegetation ist wichtig, die Pflege hat einen noch größeren Einfluss. Zwei Aktionen können schon ganz viel ausmachen: Stauden stehen lassen, Laub unter / zwischen die Sträucher harken. Viel steht inzwischen nicht mehr in meinem Gärtchen, aber das hat eher damit zu tun, dass nur wenige Schattenstauden schöne Wintersilhouetten bilden. Die meisten kollabieren spätestens im Herbst. Der lang blühende Thalictrum ’Splendid White’ hat immer noch Saat dran, der wunderbare getrocknete Geißbart Aruncus ’Horatio’ und die Rodgersia Blütenrispen sind auch noch sehr dekorativ im winterlichen Gartenbild.

Thalictrum 'Splendide White' © Isabelle van Groeningen

Thalictrum ‘Splendide White’

Es gibt so viele, aber einige haben sich ganz besonders aufmerksam bei mir gemacht.

Die Amsel

Ich liebe Amseln. Trotz Dunkelheit und Kälte singt sie ihr fröhliches Lied in den frühen Morgenstunden. Egal wie früh, auch mitten in der Stadt, ist sie schon zugange, wenn die meisten Menschen noch im Tiefschlaf sind. Sie ist der fröhliche Begleiter, der mich draußen schon um Vier oder halb Fünf, wenn ich auf den Großmarkt fahre, voller Lebenslust begrüßt. Erfüllt mit etwas Selbstmitleid, gehe ich morgens aus der Haustür in die nächtliche Dunkelheit hinein, wo dann diese gut gelaunte Begrüßung, mich einfach sofort in gute Laune versetzt.

In meinem englischen Garten sorgten sie immer für ein wunderbares Kino, wenn sie sich während der Wintermonate um die winzig kleinen gelben Äpfel an meinem Lieblings Zierapfel Malus transitoria stritten. Er stand direkt vor meinem Arbeitszimmerfenster, was mich öfter mal von der Arbeit ablenkte.

Malus transitoria fruit - Futter für Vögel © Isabelle van Groeningen

Malus transitoria fruit

Daher verzeihe ich es ihnen, wenn sie auf der Suche nach kleinen Leckereien, meine Beete unordentlich hinterlassen, weil sie sich durch Mulch und Laub picken. Sie essen nicht nur Regenwürmer, sie mögen auch Insekten. Hoffentlich auch das unerwünschte Ungeziefer.

Haussperling

Die anderen Gartenbesucher, die mir enorm viel Spaß verschaffen, sind unsere Spatzen. Wir sind gesegnet mit einer großen Siedlung, die im Efeu an unsere Brandwand leben. Jeden Abend und jeden Morgen (im Sommer leider recht früh) gibt es ein großes, lautes Treffen, sowohl beim Schlafengehen als auch beim Aufstehen. Da berichten sie anscheinend mit großer Aufregung von den Erfolgen des Tages und streiten sich, wer wohl welches Ästchen für die Nacht besetzen darf. Am späten Vormittag tauchen sie dann wieder im Garten auf um zu baden. Unsere Wasserbecken (eigentlich Feuerschalen), werden dann Schönebergs Freiluftbadeanstalt. Im untiefen Bereich baden die Sperlinge, etwas weiter drinnen sitzen die Amseln genügsam und in den recht tiefen Bereich wagen sich die dicke Tauben. So hat jeder seins.

Meisen

Eine große Familie, deren unterschiedliche Mitglieder immer unterhaltsam sind. Ob Kohlmeise, Blaumeise oder auch mal Sumpfmeise und natürlich auch die Schwanzmeise. Sie sind alle echte Akrobaten. Wie sie sich an Meisenknödel hängen, oder noch besser: am Band aufgereihter Erdnüsse herumturnen, könnte den fittesten Mitarbeiter des Cirque du Soleil eifersüchtig machen.

Zaunkönig

Regelmäßige Besucher oder sogar Bewohner unserer Gärten. Sie leben gerne in alten, dicht-verzweigten Hecken und sind um diese Jahreszeit oft zu sehen, wie sie durch die trockene Vegetation der Staudenbeete hüpfen. Diese kleinen, energetischen Gestalten, mit kurzem Stummelschwanz, sind auch Gute-Laune-Bringer im Garten. Trotz ihrer kleinen Gestalt und der bräunlichen Farbe, sind sie sehr sichtbar im Garten, da sie viel Zeit in Bodennähe verbringen.

Rotkehlchen

Der absolute Gärtnerfreund! Wer hat noch nicht unter den neugierigen Blicken eines Rotkehlchens gegärtnert. Sie sind nicht interessiert an ihrer gärtnerischen Tätigkeit aber wissen, dass es beim Wühlen und Buddeln immer wieder mal einen dicken Regenwurm geben könnte oder auch mal eine fette Larve.

Miniermotte und Buxbaumzünsler

Viele von unseren gefiederten Mitbewohnern stellen ihre Nahrung am Ende des Winters um. Bis dahin haben sie sich von Saat und Früchten ernährt, was meistens bis zum Frühlingsanfang nicht mehr vorhanden ist. Das ist der Zeitpunkt, wo sie anfangen, die kostenfreie Logis mit Frühstück, die Sie die ganzen Wintermonate zur Verfügung gestellt haben, zurückzuzahlen.

Sobald die Temperaturen wieder nach oben gehen, findet im Garten die erste Explosion von Ungeziefer statt. Blattläuse, Raupen und Maden werden aktiv. Das ist der Zeitpunkt, wo Vögel sich wieder auf die eiweißreiche Diät umstellen und ihre Jungen damit füttern. Ich habe Meisen beobachtet, die ganz systematisch auf der Suche nach Raupen, die Zieräpfel bearbeitet haben.

Offensichtlich stand an diesem Tag Raupe auf dem Speiseplan und so flog sie regelmäßig hin und her zwischen Baum und Nest, bis nichts mehr zu finden war. Dann war der nächste Baum dran. Auch die Mengen an Blattläusen, die auf zarten Rosenknospen sitzen, fallen irgendwann einem gefiederten Mittbewohner zum Opfer. Mit der Zeit entdecken sie auch die Exoten. Die Miniermotte in Kastanien scheint doch zu schmecken und ich habe auch schon Berichte gehört, dass der gefürchtete Buxbaumzünsler irgendwann als eine exotische Leckerei erkannt wird!

Denken Sie an Ihre Mitbewohner und stellen Sie ihnen eine Wasserschale zum Trinken und Baden heraus und hängen sie Futter auf, falls es im Garten nicht mehr viel gibt.