Frühjahrsblühende Gehölze und besonders attraktiver Austrieb

14. April 2018 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Frühling, Jahreszeiten, Neuigkeiten, Pflanzen, Übers Gärtnern | Schlagwörter: , , , |

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Pieris ''Katsura' - frühjahrsblühende Gehölze © Isabelle van Groeningen

Pieris “Katsura‘

Fünf Tage war ich weg, nur fünf, aber gefühlt waren es zwei Wochen: Während meiner Abwesenheit ist ganz heimlich, hinter meinem Rücken der Frühling mit Gewalt explodiert. Eine Epidemie von guter Laune ist massiv ausgebrochen. Alle strahlen, lächeln, sind glücklich, dass sich nun endlich die Sonne gezeigt und uns beruhigt hat, dass sie es noch immer kann: Unsere geliebten Pflanzen zu wärmen, zu schmeicheln, die Blättchen und die Blumen raus zu kitzeln, so dass wir, umgeben vom aller-frischesten Grün und bunten Blüten, ganz entspannt das Gesicht in die Sonne wenden können.

Magnolien

Magnolia x soulangeana © Isabelle van Groeningen

Magnolia x soulangeana

Atemlos hechle ich täglich durch die Gärtnerei und den Garten – es geht alles doch so wahnsinnig rasant. Die Gehölze legen mächtig los. Auf dem täglichen Weg zur Gartenakademie begrüßen mich jeden Morgen prächtige Magnolien in Wolken von weiß oder rosa. Die weiße Sternmagnolie oder Magnolia stellata ist mir besonders lieb, da sie besonders abends köstlich duftet und immer die erste ist, die anfängt. In vielen Gärten stehen jetzt die Tulpenmagnolien in voller Pracht: Magnolia x soulangeana. Wenn der Platz begrenzt ist, ist die Sternmagnolie besser, da die Tulpenmagnolien es bis zum 2. Stockwerk schaffen und recht breite Kronen entwickeln. Magnolien sind beliebte Objekten für Vordergärten. Am vergangenen Wochenende habe ich in Belgien mehrere gesehen, die vergewaltigt wurden, weil sie zu hoch oder zu breit gewachsen sind. Schade! Wo nicht so viel Platz vorhanden ist macht M. x soulangeana ‘Brozonii‘ sich besser mit ihre schlankeren, aufrechten Baum-form und eher cremefarbigen Blüten, die einige Wochen später kommen. Die Purpurmagnolie M. ‚Susan‘ hat dramatisch purpurne Blüten, die bald loslegen werden. Für den Magnolienliebhaber ist die Saison noch lange nicht vorbei. Ab jetzt, bis weit in den Sommer hinein, wird es eine beeindruckende Vielfalt an blühenden Gehölzen geben.

Nichts für die Hardcore-Gelballergiker

Corylopsis pauciflora - Frühjahrsblühende Gehölze © Isabelle van Groeningen

Corylopsis pauciflora

Wesentlich bescheidener aber nichtsdestotrotz wunderbar sind die immer noch blühende Stachyurus praecox oder Perlschweife und der Scheinhasel Corylopsis pauciflora, der gerade anfängt. Die Perlschweife hat sehr zurückhaltende, fast cremig gelbe hängende Blütenrispen mit zarten kleinen Glöckchen.  Die Scheinhasel hat eher frisch, grüngelbe Blüten. Beide haben auch besonders schönen Austrieb: Bei den Perlschweifen kommen jetzt schon kleine, rötlich-gefärbte neue Blätter, während der Scheinhasel seine Blätter, fast origami-artig wie einen Fächer bald entfalten wird.

Stachyurus praecox Herbst © Isabelle van Groeningen

Stachyurus praecox herbst

Pieris, oder Japanische Lavendelheide

Pieris japonica 'Browers Beauty' © Isabelle van Groeningen

Pieris japonica ‚Browers Beauty‘

Wenn sie einen Garten haben, wo die Rhododendren sich auch wohl fühlen (leichten, humus-reichen Boden, mit einem niedrigen, sauren pH-Wert) sollten Sie unbedingt die Japanische Lavendelheide probieren: Pieris japonica. Sie haben eine eleganter Präsenz im Garten, mit feiner, gut strukturierter Wuchsform. Die meisten Sorten haben einen wunderbaren, bunten neuen Austrieb, der in sich nochmal fast so gut ist, wie die Blüte. Ideal im Vordergrund von größeren Gehölzen, als Kontrast oder auch als Solitairstrauch zwischen niedrigeren Pflanzen.  Sie stammen aus japanischen Laubwäldern, und bevorzugen deshalb einen etwas schattigeren, kühlen Standort mit viel Humus an den Füßen wie Laubmulch oder Kiefernnadeln. Ein eleganter, wintergrüner Strauch, mit glänzenden, dunkelgrünen schmalen Blättern. Im April öffnen sich die Blütenknospen, die den ganzen Winter schon sichtbar sind, zu Rispen mit kleinen, fast Maiglöckchen-ähnlichen Blüten.

Meistens haben sie weiße Blüten, wie die Sorte ‘Purity‘, die nach 10-15 Jahren bis maximal 2m groß werden kann. ‘Forest Flame‘ ist eine große, bis 2,5m hohe, alte Sorte, deren neuer Trieb, der gleich nach der Blüte kommt, leuchtend rot bis lachsfarbig ist. Dunkelroter Austrieb passt wunderbar zu den leicht rötlich gefärbten Blüten von der kompakteren bis 1,5m hohen Sorte ‘Katsura‘. Noch röter in Blüte ist ‚Passion‘.  ‘Brouwers Beauty‘ ist anders im Charakter: Es ist eine Kreuzung zwischen zwei unterschiedlichen Sorten dessen Laub größer und weniger ordentlich arrangiert ist. Dafür kann sie wesentlich größer werden und bis 3m erreichen (allerdings wird das nicht über Nacht passieren!).

Ich wünsche ihnen ein schönes Wochenende im Garten!

 

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Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.