Frühjahrszwiebeln

28. April 2018 von Isabelle Van Groeningen
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Boudoir Mischung Frühjahrszwiebeln © Isabelle van Groeningen

Boudoir Mischung

Schneeglöckchen

Wie alles, ist auch die Zwiebelzeit in diesem Frühling anders als sonst. Es fing grandios an: Die Milde im Januar und Februar hat uns eine traumhafte Schneeglöckchenzeit geschenkt. Für die Galanthomanen unter Ihnen, (die passionierten Schneeglöckchensammler) war es eine gute Zeit. Die schwierigen Fröste im März haben sie platt gelegt, sodass ich dachte, das ist das Ende der weißen Pracht. Aber nee! Kaum war der Frost weg, standen sie wieder auf. Jedes Jahr ergänze ich meine Sammlung, kaufe auch unterschiedliche Sorten, aber immer die günstigeren. Nicht aus Geiz, aber in der Hoffnung, dass die günstigeren weniger kosten weil sie sich leicht vermehren lassen. Letztendlich ist mein Ziel, dass sie auch mal einen Teppich bilden (oder in meinem Gärtchen, wenigstens Fußmatten). Die von vor 4 – 5 Jahren haben echt schöne Tufts gebildet, sodass ich zum ersten Mal ein Blumensträußchen pflücken konnte.

Die kleine Vorfrühlingszwiebel

Die kleinen Charmeure hatten eine gute Zeit. Auf unserem Zwiebelstreifen, zwischen Geh- und Radweg an der Straße, fing die Saison mit gelben Winterlingen, Crocus ‘Cream Beauty‘, C. ‘Romance‘ und Iris danfordiae an. Wenige Wochen später war es blau, dank einer Vielfalt an Scillas und Chionodoxa. Zum Schluss war es weiß, dank Muscari aucheri ‘White Magic‘. Die Ipheion uniflorum ‚Wisley Blue‘, die Esther Hospenthal während ihres Kurses unter der Fichte im Trockenbeet mit der Bohrmaschine gepflanzt hatte, (ja, das haben Sie richtig gelesen: damit kommt man leicht und schnell in das verdichtete Wurzelwerk) sind toll. Am Rand davon stehen Narcissus ‚Lemon Drops‘, mit herrlich zitronig-gelben, zarten Blüten und auch Wildtulpen wie Tulipa humilis und T. clusiana var. chrysantha.

Narcissus 'Lemon Drops' Frühjahrszwiebeln © Isabelle van Groeningen

Narcissus ‚Lemon Drops‘

Im Bienengarten haben wir ein fröhlich leuchtendes Display dieses Jahr. Hier hatte Thea Carlin eine gelbe Kombination von Tulipa sylvestris, eine zierliche Wildtulpe, die sich gut auch in einer schattigeren Ecke vermehren kann, gepflanzt. Zusammen mit Narcissus ‘Kokopelli‘, war es eine sehr harmonische, blühende Pracht, wovon jetzt immer noch die mehrblütigen, kleinen Narzissen weiterblühen.

Narzissen und Hyazinthen

Hyacinthus 'Dark Dimensions' © Isabelle van Groeningen

Hyacinthus ‚Dark Dimensions‘

Narzissen waren dieses Jahr eine Pracht und wurden nicht überholt von Tulpen, wie es sonst der Fall ist. Im Staudenbeet blüht immer noch N. ‚Ice Wings‘ als Farbträger nach der Hyazinthenblüte. Dieses Jahr haben wir zum ersten Mal die „Festival“-Reihe von Hyazinthen ausprobiert. Diese sind zarter und eher Beet-kompatibel als die normalen Hyazinthen, die eher dick und motzig wirken. Ich pflanze nicht zu viele Hyazinthen, da sie schnell intensive Farbflächen bilden, die das Auge monopolisieren. Das Farbspektrum dieser „Festival“-Reihe ist allerdings begrenzt auf rosa, weiß und blau. Auch neu für uns dieses Jahr, ist H. ‘Dark Dimension‘ mit ganz dunklen, fast schwarz-violetten Blüten. Eine spannende Farbe, die man allerdings vorsichtig verwenden muss, weil sie einen helleren Kontrast braucht.

Verschwindende Tulpen

Schwund gibt es jedes Jahr. Ob die Zwiebel nun aus Versehen zerhackt wurde, von einer Krankheit befallen oder einer Wühlmaus zum Opfer gefallen ist.

Dieses Jahr haben mich schon mehrere Leute beunruhigt gefragt, ob es die späteren Tulpen überhaupt noch gibt. Voller Selbstvertrauen habe ich natürlich „ja“ geantwortet. Aber jetzt, wo auch die späteren Sorten wie die Viridifloras und meine beliebten lilienblütigen loslegen, fange ich schon an zu verzweifeln. In unserem großen Staudenbeet sind fast nur die im Herbst gepflanzten wie ‘Concerto‘, ‘Moonlight Girl‘ und ‘Ivory Floradale‘ zu sehen. Die alten sind fast alle weg.

Tulipa 'Moonlight Girl' Frühjahrszwiebeln © Isabelle van Groeningen

Tulipa ‚Moonlight Girl‘

Als ob sie uns gehört haben, dass wir das Farbschema ändern und die rosa Farben reduzieren möchten, um Platz zu machen für zarte gelbe, passend zur überarbeiteten Farbskala der Stauden. Da selbst das Laub nicht sichtbar ist, wie es sonst der Fall ist, wenn die Zwiebeln keine Kraft mehr haben um zu blühen, gehe ich davon aus, dass während der Sommermonate unser Beet von Wühlmäusen besucht wurde, die sie weggeputzt haben. Die Wühlmäuse wiederum sind wahrscheinlich im Laufe des Sommers unseren Nützlingen zum Opfer gefallen. Mohn und Samira, unsere schnurrenden, schwarz-weißen Mäusefänger, scheinen sich rechtzeitig involviert zu haben, da die Herbstpflanzung in Ruhe gelassen wurde. Sie haben uns schon einmal ein Beet leergeräumt vor einigen Jahren, allerdings war das während der Wintermonate.

Die frühen Tulpen, Tulipa praestans und T. clusiana, waren wegen der Hitze schnell verblüht. Die Blätter sind unelegant am Stiel vertrocknet, anstatt die Blütenblätter unauffällig fallenzulassen. T. ‘Concerto‘, ‘Light and Dreamy‘ und ‘Orange Emperor’ haben es etwas länger ausgehalten, aber haben sich trotzdem gegen den nahtlosen Übergang entschlossen.

Tulipa 'Light and Dreamy' © Isabelle van Groeningen

Tulipa ‚Light and Dreamy‘

Die späte Tulpen-Brigade

Trotz allem ist es jetzt gerade traumhaft. Die zwei Beete im Parkplatz sind echt spektakulär und sind die, die am meisten Spaß machen zurzeit. Vorne gibt es die frische, aufgeweckte Mischung. Zwischen den gelben ‘Westpoint‘, orangenen ‘Ballerina‘ und dunklen ‘Continental‘ mischt sich ganz frech eine pinke ‘Don Quichotte‘ und wühlt das ganze Beet ein wenig auf. Daryll Taylor, unser englischer Chef, der zurzeit unsere Küche bereichert, würde sagen: „it just lifts the tits“. Im schmalen Beet am Zaun entlang befindet sich mein Boudoirbeet. Hier gibt es zwei gefüllte Sorten. Eine milchkaffeefarbene ‘La Belle Epoque‘ und die tiefrote ‘Uncle Tom‘, zwei Papageien ‘Apricot Beauty‘ und ‘Black Parrot‘, kupferfarbig ‘Cairo‘, dunkel rot ‘Jan Reus‘ und purpur ‘Negrita‘. Wenn die Abendsonne hier scheint, ist es ein köstliches Bild.

Eine elegante Kombination

Im Bienengarten gibt es ein neu angelegtes Beet, wo die Farben zart-rosa und weiß sind. Ein paar rotblättrige Purpurglöckchen unterstützen das Farbthema zusammen mit rotblättrigen Silberkerzen. Hier stehen Narcissus ‘Polar Ice‘ mit Tulpe ‘Silver Cloud‘ und die dunkle ‘Havran‘. Diese Kombination ist, im Gegenteil zu der vom Parkplatz, sehr edel und elegant.

Machen Sie sich jetzt Notizen, welche Zwiebeln Sie sich nächsten Herbst pflanzen möchten, welche Kombinationen Sie sich wünschen, sodass Sie im nächsten Frühling auch eine Blütenpracht in Ihrem eigenen Beet haben können.

Am besten besuchen Sie uns am 1. Mai in der Königlichen Gartenakademie. Wir feiern unseren 10. Geburtstag von 10-16 Uhr, falls Sie es noch nicht wussten.

Frische Mischung Frühjahrszwiebeln © Isabelle van Groeningen

Frische Mischung

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Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.