Unser Staudenbeet ändert sich!

05. Mai 2018 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Die Gartenakademie, Neuigkeiten, Stauden | Schlagwörter: , , |

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Das Staudenbeet © Isabelle van Groeningen

Das Staudenbeet

Am Dienstag, den 1. Mai, haben wir unser 10-jähriges Geburtstagsfest gefeiert. Es war ein bezaubernder Tag. Bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel haben wir unsere Kunden mit Maibowle, einer kleinen Eiche für jeden, roten Ballons für die Kinder und 10 % Rabatt auf Pflanzen begrüßt. Die Stimmung war wunderbar. Gute Laune überall, selbst wenn die Schlange an den Kassen ungewöhnlich lang wurde, standen alle friedlich und geduldig bis sie dran waren.

Zeit für Veränderung

Erst jetzt, wo die letzten Gäste abgereist sind und das Leben wieder einigermaßen „normal“ wird, sickert es langsam durch, wie lange 10 Jahre wirklich sind und was sich alles geändert hat in dieser Zeit.

Euphorbia und Tulpen im Staudenbeet © Isabelle van Groeningen

Staudenbeet mit Euphorbia und Tulpen

Mein großes Staudenbeet ist immer noch da, hat aber über die Jahre doch einige Änderungen gesehen. Teils mit Absicht, teils durch Schicksal. Als ich vor 18 Monaten Thea vorschlug, das ganze Beet zu unserem großen Geburtstag neu anzulegen, schaute sie mich so schief an, dass ich mich doch umentschieden habe. Also habe ich alles so gelassen und nur einige Details geändert und Problemstellen gelöst.

Ein neues Farbkonzept im Staudenbeet

Wir haben einige Pflanzen rausgenommen um Platz zu machen für Neues. Ich wollte unbedingt das Farbschema des ganzen Beetes ändern. Ohne komplette Neupflanzung ist sowas natürlich nicht möglich, aber durch die Einführung einer neuen Farbe, hoffte ich genügend Änderung zu schaffen, ohne Furore zu verursachen. Ich habe mich nämlich für die oft ungeliebte Farbe Gelb entschieden. Ich höre schon das Entsetzen derjenigen, die eine echte Gelballergie haben. Ich hoffe, durch diese Änderungen im Staudenbeet, die Allergiker zu überreden, dass Gelb geht, dass es wichtig ist. Es muss nur vorsichtig und mit Bedacht eingesetzt werden.

Warum Gelb?

Diese Farbe bringt Sonnenschein in den Garten, besonders an trüben Tagen. Nach einem langen düsteren Winter braucht die Seele diese Farbe. Aber auch während der Sommermonate gibt es immer mal wieder Tage, wo der Himmel grau bedeckt ist und genau dann wirken Farben wie Blau, Violett und Weiß, flach und haben keine Fernwirkung.

Die Farbe ist schon von Anfang an im Staudenbeet vorhanden und hat über die Jahre gezeigt, dass es funktioniert. Gleich in der ersten Reihe am Beetrand, gedeiht seit dem ersten Jahr der Frauenmantel in größeren Mengen. Am Ende des Beetes steht die englische Kletterrose ‘Claire Austin‘ und die Strauchrose ‘Emmanuel‘, die beide mit einem frischen, zarten Gelb anfangen und weiß verblühen.

Welches Gelb?

Wie mit allen Farbtönen, gibt es große Variationen auch bei Gelb. Viele denken an das warme, satte Buttergelb der vielen Sommerstauden wie Sonnenbraut und Sonnenhut. Aber es gibt auch das frische Gelbgrün der vielen Wolfsmilchblüten oder Frauenmantel und natürlich zartes Cremegelb von Färbekamille. Ich vermeide das warme Buttergelb und habe hauptsächlich frische, zitronige und grünliche Gelbtöne ausgesucht, da ich der Meinung bin, dass diese Farbtöne auch harmonisch zu Violett, Blau und auch sogar zu kleineren Mengen Rosa passen.

Staudenbeet - Aquilegia chrysantha mit Salbei und Geum © Isabelle van Groeningen

Aquilegia chrysantha mit Salbei und Geum

Wie?

Ich habe für jede Saison ein oder zwei passende Blumen ausgesucht, die diese neue Gelbnote das Jahr durchziehen können. So blüht zum Beispiel zurzeit zwischen den Tulpen eine wunderbare Sumpf-Wolfsmilch Euphorbia palustris ‘Wahlenburg‘s Glorie‘, die ich vor mehreren Jahren auf einer Sichtung in Weihenstephan entdeckt habe. Diese Sorte war besonders attraktiv. Die schönste aller Pfingstrosen sollte jetzt blühen, tut es allerdings dieses Jahr nicht: Paeonia mlokosewitschii. Bald fängt meine Lieblingsakelei Aquilegia chrysantha an. Ein persönlicher Favorit wird den Sommeranfang schmücken, Cephalaria gigantea (Großer Schuppenkopf). Für den Spätsommer freue ich mich jetzt schon auf Helianthus ‘Lemon Queen‘, die hier endlich ein Zuhause gefunden hat. Es gibt noch mehr, wie Correopsis verticillata ‘Moonbeam‘, aber ich will es auch nicht übertreiben.

Sanft soll die Änderung sein. So, dass es den meisten Besuchern wahrscheinlich gar nicht auffallen wird, in der Hoffnung, dass ich auf diesem Weg einige der Allergiker doch an das Thema heranführen kann. Wir werden sehen. Inzwischen freue ich mich sehr auf diese Änderungen, da viele „alte Bekannte“ jetzt endlich ein Plätzchen gefunden haben, wo ich sie wieder genießen kann.

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Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.