Der Herbst ist da! (der erste Teil jedenfalls)

Während des Berliner Marathons sind immer schon die ersten gelblichen Farbtöne im Tiergarten zu sehen, aber dieses Jahr war alles noch in tiefstem Grün. In den letzten zehn Tagen ist es dann aber passiert: Der Herbst hat sich doch noch entschieden, vorbei zu schauen. Der trockene Spätsommer, den wir hier in Berlin hatten, hatte mir schon echte Sorgen bereitet, dass es vielleicht nichts wird mit der tollen Farbenpracht in diesem Jahr. Bis vor Kurzem war noch alles grün und einige Gehölze haben sogar sichtbar Trockenheitsschaden davongetragen wie unser traumhafter Blütenhartriegel Cornus kousa var. sinensis , dessen Blattspitzen vertrocknet sind.

Königliche GA Herbst © Isabelle van Groeningen

Königliche Gartenakademie im Herbst © Isabelle van Groeningen

Wie immer im Leben kommen die einen früh, die anderen eher spät. Der Wein, der unseren Schornstein bekleidet, ist wie der viel zu frühe Partygast, der schon vor der Tür steht, wenn man noch gar nicht fertig ist. Schon Ende August, wo man noch so beschäftigt war, den Sommer zu genießen, hatte er die ersten roten Blätter .

Euonymus oder die Pfaffenhüte

Euonymus alatus apertus © Isabelle van Groeningen

Euonymus alatus apertus © Isabelle van Groeningen

Meist zeitig dabei ist die Gattung Euonymus oder die Pfaffenhüte. Die Blätter erscheinen dann fast transparent und verfärben sich von zartem Gelb bis weinrot. In Kombination mit den kräftig orangenen Früchtchen, an deren Spitzen die pinken Fruchtkapseln baumeln, ist das ein tolles Spektakel!
Wie feine Spindeln hat Euonymus alatus an seinem Stamm dann auch noch zarte Blätter.  Auch die Felsenbirne ist früh dran mit leuchtend orange-roten Tönen. Und natürlich sind auch alle Ahorn-Sorten sehr zuverlässig mit von der Partie, nicht nur die zierlichen japanischen Sorten zeigen ihre Farbenpracht. Acer aconitifolium ist einer meiner Favoriten, aber auch der Zimtahorn ist besonders beliebt für seine besondere Rinde.

Rhododendron

Rhododendron molle 2 © Isabelle van Groeningen

Rhododendron molle 2 © Isabelle van Groeningen

Für Rhododendron-Liebhaber sind die sommergrünen Azaleen unentbehrlich! Im Frühjahr sind sie unverzichtbar wegen des herrlichen Parfüms der Blüten. Besonders die gelben Sorten duften köstlich.  Pflanzen Sie diese im Vordergrund Ihrer größeren Rhododendron, so bildet die tiefrote Farbe einen schönen Kontrast zu dem wintergrünen Hintergrund.

Hortensien

Hydrangea paniculata wims red © Isabelle van Groeningen

Hydrangea paniculata wims red © Isabelle van Groeningen

Hortensien sind klassische Begleiter für Rhododendron. Ich liebe die Art und Weise, wie sie am Ende des Sommers langsam verblühen und so geschmeidig in den Herbst hineingleiten. Die Rispenhortensien sind besonders unkompliziert und robust und die Sorte Hydrangea paniculata ‚Wim’s Red‘ entwickelt tolles weinrotes Herbstlaub. Mein Favorit allerdings ist Hydrangea quercifolia die Eichblatthortensie, dessen wunderschöne Blätter dunkelrot werden.

Der Eisenbaum

Parrotia © Isabelle van Groeningen

Parrotia persica © Isabelle van Groeningen

Auch die Verwandten der Zaubernußgewächse wie der Eisenbaum, sind Herbstfarbenklassiker. Parrotia persica ‚Bella‘ und ‚Select‘ (auch gekannt als ‚Vanessa‘) sind beide Selektionen, die nicht ganz so breitwüchsig sind wie die ursprüngliche Sorte und eher in die Höhe wachsen und größere Bäumen werden. Wenn sie Platz haben, werden sie prachtvolle, charaktervolle Gehölze, die im Vorfrühling mit dunkelroten Blütenbüscheln blühen und im Herbst das ganze Farbspektrum von grüngelb über orange, rot bis zum tiefsten dunkelrot durchlaufen.

Der Ginko-Baum

Votinus coggygria grace © Isabelle van Groeningen

Cotinus coggygria grace © Isabelle van Groeningen

Fast neongelb steht der Ginkgo-Baum auf dem Nachbargelände, aber am kräftigsten leuchtet zurzeit wohl der Perückenstrauch. Cotinus coggygria ‚Grace‘ ist eine rotlaubige Sorte, etwas größer als ‚Royal Purple‘ und nicht ganz so dunkelrot – in diesen Tagen leuchtet er besonders in der Dämmerung wie eine Fackel.

Noch ist ganz viel sehr grün und mit Vorfreude sehe ich dem Rest des Herbstspektakels entgegen, von dem ich beim nächsten Mal berichten werde.

Bis dahin – und genießen sie das Spektakel!