Mein Lieblingsgarten: Rousham    

Rousham © Isabelle van GroeningenWährend eines (zu) kurzen Aufenthaltes in meiner alten Heimat, hatte ich das Vergnügen, mal wieder den Garten in Rousham zu besuchen. Es ist nach wie vor einer der schönsten Gärten, die es gibt und einer, auf den ich mich immer wieder freue. Es gibt Gärten, wenn man die gesehen hat, hat man sie gesehen und es reicht für eine Weile. Rousham ist einer, auf den ich mich immer wieder gefreut habe, egal wie oft ich ihn in der Saison schon besucht hatte. Jetzt war es über zehn Jahre her seit meinem letzten Besuch. Circa 20 Minuten von Oxford entfernt, in nördlicher Richtung, sollte er auf dem Programm eines jeden stehen, der sich auf den Weg in die Cotswolds macht oder einfach die schöne alte Universitätsstadt besucht.

Früher Landschaftsgarten

Beim ersten Blick sieht er nicht so außergewöhnlich aus. In einer traditionellen Parklandschaft liegt das etwas strenge, imposante Haus. Auf der Rückseite dieses Hauses befindet sich ein riesiger, einem perfekten Samtteppich ähnelnden Rasen, mit exakt gemähten Streifen. An einer Seite befindet sich ein Ha-ha (ein tiefer Graben, damit die Longhorn Cattle, eine historische Rindersorte, auf ihrer Weide bleiben) mit weitem Blick in die Parklandschaft. An der anderen Seite gibt es eine riesige, alte Eibenhecke, wohinter sich der Küchengarten versteckt. Erst am Ende dieses Rasens, wo man denkt, hier hört der Garten auf, fängt der schöne Landschaftsgarten an. Der Garten hat sich seit dem 18. Jahrhundert nicht verändert und ist das feinste Beispiel von William Kent’s Gartenkunst.

Rousham ist Tradition

Rousham ist außengewöhnlich in seiner Kontinuität. Nicht nur, dass in diesem Haus, was von Robert Dormer in 1635 gebaut wurde, immer noch die gleiche Familie wohnt, auch sein Enkelsohn, Colonel Robert Dormer-Cottrell, hat dann in 1719 Charles Bridgeman beauftragt, den Garten im damaligen neuen Landschaftsstil umzugestalten. Er hat die mäandernde Wegeführung, die den Besucher sanft durch den Wald und den Hang hinunterführt, bis man im Venus Tal zu den Wasserbassins kommt, gestaltet. Erst nach 1738 bekam das Haus seinen neuen Anblick. William Kent erweiterte es und dekorierte es mit gotischen Details und verschönerte den Garten, um die glorreiche Zeit des alten Roms zu reflektieren. Die Verbindung der unterschiedlichen Bauelemente ist einfach grandios. Breite Rasenvistas verbinden Tempel mit Statue, Wasserbassins und Kaskaden. Ein schmaler, untiefer Wasserkanal oder „Rill“ läuft den Weg hinunter ins oktogonale „Kalte Bad“ und dann weiter in die Wasserbassins. Hier gibt es keine Blumen. Nur Grün, viel Grün, Vistas und immer wieder etwas Schönes zum Anschauen.

Kaltbad mit Badehaus © Isabelle van Groeningen

Kaltbad mit Badehaus

Walled Garden – der ummauerte Küchengarten

Versteckt, hinter einer dicken, alten Eibenhecke, liegt neben dem Haus der alte „Walled Garden“. Die ursprüngliche Struktur ist noch immer präsent. Die Hauptwege, die den Gartenraum in vier Teile aufteilen, werden gesäumt von schönen alten Obstspalieren, die auch an den alten Mauern waagerecht und fächerförmig wachsen. An der Nordwand gibt es große, fächerförmige Ramblerrosen, die nach der Blüte hart zurückgeschnitten werden, damit sie nicht zu riesig werden und wild aussehen.

Heutzutage ist nur noch ein Teil mit Gemüse und Schnittblumen bepflanzt. Genug, um die Familie zu ernähren und das Haus zu dekorieren. Im Hauptteil begrüßen opulente Staudenrabatten die Besucher und in dem Teil, in dem auch der Taubenschlag steht, ist eine riesige Dahlienrabatte und ein formeller Rosengarten versteckt.

Grün ist die Farbe der Ruhe

Der Ort strahlt eine besondere Ruhe aus. Der Landschaftspark ist ungewöhnlich übersichtlich, sogar gemütlich. Man fühlt sich als Mensch nicht überwältigt von imposanten Bauwerken. Die übrigen Komponenten, wie Sichtachsen, Tempel, Skulpturen und Wasser, werden gerahmt von friedlichen, grünen Bilderrahmen. Grün ist überhaupt die wichtigste und einzige Farbe. Egal ob dunkel, glänzend grün von kurzgeschnittenem Kirschlorbeer, der als Unterbepflanzung unter den Bäumen wächst, mattes Dunkelgrün von Eiben, leuchtendes Hellgrün der Rasenwege oder das Grün der Bäume.

Siebenbogiger Praeneste Vista © Isabelle van Groeningen

Siebenbogiger Praeneste Vista

Frei vom üblichen Kommerz (das Eintrittsticket löst der Besucher sich selber aus an einem Parkhausautomaten), gibt es keinen Shop oder Tearoom. Stattdessen sind Besucher eingeladen, sich ihre Picknicks mitzunehmen, um im Park zu essen (Den Müll muss man wieder mitnehmen). Für den hungrigen Gast steht am Eingang eine Kiste mit Äpfeln aus dem „Walled Garden“, dem wunderbaren, alten, ummauerten Küchengarten bereit.

Ich habe mich wieder völlig in diesen Garten verliebt und kenne niemanden, dem es anders geht nach seinem Besuch! Machen sie sich eine Notiz für den nächsten Besuch.

Isabelle Van Groeningen