Den Naschgarten planen   

09. Dezember 2017 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Jahreszeiten, Übers Gärtnern | Schlagwörter: , , |

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Eigenernte aus dem eigenen Naschgarten © Isabelle van Groeningen

Eigenernte

Wir sind so verwöhnt! Ohne weitere Gedanken setzt man sich heutzutage vor seinen Computer und wenige Klicks später, werden Obst und Gemüse wunschgemäß bis an die Haustür geliefert. Praktisch? Vielleicht ja, aber inspirierend ist es nicht und der Mensch entfernt sich dabei noch einen Schritt weiter von der Überlegung, woher kommt das was ich esse, wie wurde es produziert und gehört es zu unserem saisonalen Speiseplan, der unseren Körper mit den Nähstoffen versorgt, die zu den unterschiedlichen Jahreszeiten wichtig sind.

Saisonal & regional

Im Supermarkt einzukaufen macht es nicht unbedingt leichter zu verstehen was wirklich saisonal und aus der Region ist. Im Frühsommer, wo die spanischen Gemüsebauern große wetterbedingte Ernteproblemen hatten und es in englischen Supermärkten Engpässe bei Broccoli und Eisbergsalat gab, lag in meinem Supermarkt in Berlin, der aus Spanien kommende Eisbergsalat bei den Sonderangeboten. Im Mai gab es Spargel aus Südamerika und im September Äpfel aus Neuseeland. Der Wochenmarkt hilft sich ein Bild zu machen, von dem was saisonal und auch regional ist, da die lokalen Produzenten nur das verkaufen, was sie gerade geerntet haben. Bei einigen Produkten geht es leider nicht anders: Zitrusfrüchte zum Beispiel. Sie sind schwierig, da die wenigsten Gartenbesitzer sie gesund und glücklich, ohne ein Gewächshaus oder einen Wintergarten, durch den Winter bringen können. Avocados oder Mangos bräuchten gleich noch etwas Größeres und Höheres zum Überleben.

Aus dem eigenen Garten

Dies ist keine Predigt, dass Sie Ihren ganzen Garten in eine Super-Produktionsfläche umgraben müssen und ab sofort zum Selbstversoger werden sollen. Sie könnten sich aber mal überlegen, ob es nicht schön wäre, einiges selbst anzubauen. Unser kleines Hochbeet-Display hat im Laufe des Sommers mit Gurken, Salat, Zucchini, Tomaten, Erbsen, Radieschen, Rote Bete, Mangold, Palmkohl, Rotem Grünkohl und natürlich auch mit Kräutern mehrere Mahlzeiten gerettet.

Am besten konzentriert man sich auf besondere, ungewöhnliche oder alte Sorten, die attraktiv und schmackhaft sind. Am schönsten sind Gemüsepflanzen, die über längere Zeit zu ernten sind wie Bohnen, Zucchini oder Mangold. Die schnellen Gewächse wie Radieschen und Salat, sollten regelmäßig nachgesät werden, damit immer wieder Frisches zu ernten ist.

Planen

Die großen Hotels mit feinen Restaurants, die aus Gärten wie Gravetye Manor in Sussex beliefert werden, fangen jetzt an zu planen. Koch und Gärtner setzen sich zusammen und besprechen genau, was sie zu welcher Jahreszeit in welchen Mengen verwenden möchten. Die Gärtner können so jetzt das ganze Saatgut bestellen und einen präzisen Aussaatplan erstellen. Ausgesät wird regelmäßig in kleineren Mengen, sodass immer wieder frisch nachgeliefert werden kann. Im Laufe der Saison besucht der Koch wöchentlich den Gemüsegarten, um zu sehen, was die Woche geerntet werden muss und was geerntet werden kann. Erst dann schreibt er seine Menüs.

Gravetye Manor Küchengarten © Isabelle van Groeningen

Gravetye Manor Küchengarten

Umsetzen

Legen Sie sich möglichst nicht zu breite Beete an (so, dass Sie bequem von beiden Seiten bis in die Mitte reichen können), egal ob es Hochbeete sind oder nicht. Eine formale Einfassung bringt Struktur zu einer Zeit, wo Gemüsebeete nicht besonders attraktiv aussehen. Wichtig ist, dass Sie Ihr Gemüse an einer sonnigen Stelle anbauen. Sonne, Nährstoffe und Wasser sind die drei wichtigsten Elemente, um eine Ernte zu sichern. Vermeiden Sie das gleiche Gemüse jedes Jahr an dieselbe Stelle zu pflanzen. Am besten teilen Sie Ihr Gemüse ein, in den Mist brauchenden Starkzehrer (Kohlsorten), Mittelzehrer (Blattgemüse wie Salat und Spinat, und Wurzelgemüse wie Möhren und Zwiebel) und Schwachzehrer (Bohnen und Erbsen).

Ernten aus dem Naschgarten

Die Kunst des Kochens besteht darin, aus dem was man hat, das Beste zu machen, ohne die Hälfte zu entsorgen. Eingelegtes Gemüse, Marmeladen, Gelees und Chutneys, sind köstliche Ergänzungen während der dürren Zeit, in der die Auswahl geringer ist. Ich war zwar nie der komplette Selbstversorger, aber seit meiner Kindheit habe ich fast immer mit einem Obst- und Gemüsegarten gelebt und gekocht. Nichts ist schöner, als voller Stolz sein selbst produziertes, geerntetes und gekochtes Gemüse und Obst mit Freunden und Familie teilen zu dürfen!

Ampeltomaten aus dem Naschgarten © Isabelle van Groeningen

Ampeltomaten

Bon Appetit!

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Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.