Cyclamen- oder Alpenveilchen-Hochzeit

06. Januar 2018 von Isabelle Van Groeningen
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Cyclamen coum im Januar © Isabelle van Groeningen

Cyclamen coum im Januar

Der Frühling kratzt schon an der Tür

Erstens möchte ich Ihnen allen ein schönes, frohes, neues Gartenjahr wünschen! Ich hoffe sehr, dass Sie Wind und Unwetter gut und ohne zu viel Schaden überstanden haben. Ich erinnere mich an keine Weihnachtsperiode, wo es durchgängig so mild war und immer noch ist. Einige haben vielleicht Sehnsucht nach echtem Winter und knusprig kalten Minusgraden, aber ich freue mich heimlich über diese milden Temperaturen.

Silvester habe ich im Garten in Belgien verbracht und hier wurde ich empfangen von einem ersten, freudigen Lebenszeichen der Saison: Von den ersten Zwiebeln und blühenden Gehölzen. Ich schreibe hier am Wohnzimmerfenster, umgeben von einer Wolke Zaubernussparfum, von einem großen Strauß, den ich vor einer Woche in den Raum gestellt habe. Köstlich!

Die ersten Zwiebeln grüßen schon

Das Schlimmste haben wir überstanden. Der kürzeste Tag ist seit zwei Wochen vorbei und die Tage werden rasant wieder länger. Bis nächste Woche werden wir in Berlin schon 15 Minuten an Tageslicht gewonnen haben. Die Pflanzen spüren das auch und unterstützt von diesen frühlinghaften Temperaturen, legen viele schon mal los. Narzissen zeigen schon dicke grüne Nasen aber auch vielerlei andere Zwiebeln wie Tulpen, Krokus, Aronsstab und Hasenglöckchen enthüllen sich schon. Der teure Zierlauch Allium ’Beau Regard’, von dem wir vor mehreren Jahren vorsichtig ein paar Zwiebeln gepflanzt haben, hat sich toll gemacht. Er zeigt jetzt schon 15 bis 20 dicke, grüne Nasen, die im Frühsommer das Staudenbeet üppig mit Blüten dekorieren werden. Ich muss sie unbedingt diesen Sommer, gleich nach der Blüte, wo sie noch zu finden sind, ausgraben und teilen. Die Erstinvestition ist zwar groß bei solchen Zwiebeln, aber es lohnt sich!

Allium 'Beau Regard' © Isabelle van Groeningen

Allium ‘Beau Regard’

Schneeglöckchen

Zwei frühe Charmeure, die sich tief in meinem Herzen eingenistet haben, sind wohl die Galanthus oder Schneeglöckchen und die Cyclamen oder Alpenveilchen.

Ich bin kein Galanthophil, noch weniger ein Galanthoman, aber ich liebe Schneeglöckchen trotzdem. (Galanthophile sind ebenso wie Galanthomanen, Schneeglöckchensammler – oder sie behaupten das von sich wenigstens, nicht ohne mal darüber lachen zu können …). Diese passionierten Sammler sind bereit, bis zu mehreren hundert Euro für eine kleine besondere Zwiebel auszugeben.

Schneeschmelzer © Isabelle van Groeningen

Schneeschmelzer

Überall kommen schon die spitzen, kleinen, weißen Nasen heraus und die erste hebt schon ihre kleinen, weißen Flügelchen hoch, als wäre sie ein Helikopter, bereit zum Abheben.

Sie sind ideale Waldbewohner, da sie die Wintersaison ausnutzen, in der die Bäume kein Laub tragen, damit sie genügend Licht und Wasser bekommen. Bis oben die Bäume wieder ausgetrieben sind, haben sie sich schon wieder bis zum nächsten Jahr verabschiedet.

Wie alle Frühjahrszwiebeln, soll man sie im Herbst pflanzen. Das Problem ist allerdings, dass diese kleinen Zwiebeln schnell vertrocknen und dadurch nicht immer lebensfähig sind. Ich weiche sie immer 24 Stunden ein bevor ich sie pflanze. Alternativ können Sie sie auch „in the green“ pflanzen. Das heißt, gleich nach der Blüte, noch im Laub. Wenn Sie schon existierende Bestände haben, können Sie diese auch nach der Blüte ausgraben und teilen. Dann haben diese noch Zeit, sich wieder zu etablieren und neue Wurzeln zu produzieren, bevor sie sich für ihre Sommerpause zurückziehen.

Alpenveilchen

Cyclamen hederifolium im September © Isabelle van Groeningen

Cyclamen hederifolium im September

Schon im Frühherbst verführen und entzücken mich diese Pflanzen mit ihren lustigen, kleinen Blüten, deren Blütenblätter wie hoch aufrechtstehende, aufgeregte Hundeohren aussehen und mit ihrem dichten, attraktiven wintergrünen Laub sowohl Farbe als auch interessante Muster in den winterlichen Garten bringen. Botanisch gesehen sind es Knollen statt Zwiebeln. Sie haben dunkelbraune, flache, runde Wurzeln, die von Jahr zu Jahr einen größeren Durchmesser bekommen. Ab einem Durchmesser von 3 – 4 cm fangen sie an zu blühen. Ungestört werden sie sich in große, flache Fladen entwickeln, die jahrzehntelang blühen. Wir haben einige ausgegraben, die in 1985 ausgesät wurden. Sie haben inzwischen einen Durchmesser von über 40 cm – das heißt sie wachsen fast 1 cm pro Jahr!

Unter Bäumen

Sie lieben Laubwälder und fühlen sich besonders wohl unter großen Buchen, wo wenig andere Pflanzen eine Überlebenschance haben, weil es vielen dort zu dunkel ist. Sie können bis dicht an den Baumstamm gepflanzt werden. Sie verlangen nichts und finden das, was sie brauchen, im kompostierenden Laub der Bäume überkopf. Längere Perioden von Trockenheit stören sie nicht. Im schlimmsten Fall setzen sie einfach eine Saison aus.

Zuverlässig winterhart

Cyclamen Blattmuster C. hederifolium Knollenunterseite © Isabelle van Groeningen

Cyclamen Blattmuster C. hederifolium Knollenunterseite

Es gibt zwei Sorten, die unkompliziert und gut winterhart sind. Sie wachsen auch in kälteren Ecken Deutschlands: C. hederifolium (Übersetzt heißt es Efeu-Blätterig – was gut passt) für den Herbst, und C. coum für das frühe Frühjahr.

Cyclamen hederifolium ist als erstes dran und fängt im Herbst an zu blühen. Erst danach entfalten sich die Blätter mit ihrem bezaubernden Muster. Jede Pflanze hat ihr eigenes Blattmuster, einige sind unglaublich schön.

Blattmuster unterschiedlicher Cyclamen © Isabelle van Groeningen

Blattmuster unterschiedlicher Cyclamen

Jetzt, zum Anfang der neuen Saison, sind es Cyclamen coum mit ihren rundlichen Blättern, die auch schon im Herbst austreiben. Auch hier variieren die Blüten von lila bis weiß und es gibt tausende von Blattvarianten. Ab jetzt kommen die kurzen Blütenstiele frech durch die Laubdecke heraus.

Unkomplizierte Waldpflanzen

Bei allen Sorten rollen sich die Blütenstiele nach der Blüte recht ordentlich wie ein Gartenschlauch auf und legen sich schützend um den Blütenansatz herum. Hier entwickeln sich runde Saatkapseln, die dann über die kommenden Monate reifen. Wer ein wenig Glück hat und seinen Garten nicht allzu ordentlich pflegt und auch mal an solchen Waldstellen das Laub liegen lässt, wird in Zukunft mit reichlich Nachwuchs belohnt.

Saatentwicklung © Isabelle van Groeningen

Saatentwicklung

Sie sind vielleicht nicht die aufregendsten Gartenpflanzen, aber ihre Bescheidenheit und totale Anspruchslosigkeit verführt mich von Jahr zu Jahr mehr.

Probieren Sie es aus. Sie werden sehen, wie einfach sie wirklich sind. Und denken sie an mich, wenn Sie in zukünftigen Wintermonaten durch den Garten laufen und diese Charmeure Ihnen ein Lächeln ins Gesicht bringen!

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Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.