Zeit zum Gärtnern - Gehölze, Mykorrhiza, Rodgersia - Das Journal

Zeit zum Gärtnern

27. Januar 2018 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Neuigkeiten, Übers Gärtnern, Winter | Schlagwörter: , , , , |

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Thalictrum 'Splendide White' - Zeit zum Gärtnern © Isabelle van Groeningen

Thalictrum ‘Splendide White’

Seit ich in Berlin bin, habe ich mich auch daran gewöhnt, am Ende des Jahres, Spaten, Grabegabel und anderes Gartenwerkzeug bis zum Frühjahrsanfang wegzupacken. Jetzt hole ich alles wieder raus aus meinem Keller, denn es ist tollstes Pflanzwetter. Schön feucht, nicht zu kalt, nicht zu warm. Mittwoch habe ich unseren Gärtnern mit Neid zugeschaut, wie sie anfingen, bei 12 Grad und Sonnenschein, ein wenig Ordnung im Staudenbeet an der Gartenakademie zu schaffen. Bitte beachten sie: ein wenig! Nur das Unordentliche wie Katzenminze, Pfeifengräser, die kollabiert sind und einige der Astern, die kreuz und queer durcheinander liegen. Der Phlox steht eigentlich noch schön aufrecht und darf bleiben. Wenn Sie die Stauden Aufräumarbeiten so peu à peu erledigen, ist bis zum Frühlingsanfang bis auf einige hartnäckige wie das Sedum und das Diamantgrass alles runter. Während die Gärtner beim Gärtnern Spaß hatten, musste ich nach Köln.

Erste Aufräumaktion - so geht Gärtnern © Isabelle van Groeningen

Erste Aufräumaktion beim Gärtnern

Gehölze pflanzen

Je früher Sie die Gehölze in die Erde kriegen, desto glücklicher werden diese sein. Sie können gleich Fuß fassen. Sie haben Zeit anzukommen, das Köfferchen auszupacken und sich im Wurzelbereich schön einzurichten, bevor der Stress mit wärmerem, eventuell trockenem Wetter anfängt. Besonders, wenn Sie das Pflanzloch liebevoll mit Kompost, etwas Hornspäne und Mykorrhiza vorbereitet haben. Am besten graben Sie ein rechteckiges Loch. Bei runden Löchern kann es sein, dass wenn die Wurzeln den Rand erreicht haben, sie hier weiter im Kreis wachsen, als ob sie am Topfrand angekommen wären – besonders dort, wo die Erde nicht sehr verführerisch ist. Graben Sie ca. 10 cm tiefer als der Wurzelball hoch ist, sodass noch Platz ist für eine dicke Kompost- oder Laubmulchschicht. Die Pflanze sollte nicht tiefer in die Erde kommen als dort wo sie vorher war.

Es ist die perfekte Zeit, sich Hamamelis zu kaufen. Falls Sie Lust haben eine zu erwerben, sollten Sie unbedingt eine blühende kaufen, damit Sie die richtige erwischen und Sie sicher sein können, dass sie stark duftet. Eine Kundin aus Köln hat mir berichtet, dass ihre Sarcococca hookeriana oder Schleimbeere, die ich gerne als kleinen, wintergrünen Strauch im Vordergarten als Unterpflanzung von anderen Gehölzen benutze, Passanten verführt. Dieser bescheidene, unauffällige Strauch produziert im Spätwinter mit seinen kleinen, puscheligen, weißen Blüten eine starke Duftwolke. Es ist sehr unterhaltsam, Menschen zu beobachten, wie sie plötzlich stehen bleiben, die Nase hochrecken und einige Schritte zurücklaufen und suchen wo dieser köstliche Duft wohl herkommt. Nur selten finden sie es.

Sarcoccoa hookeriana © Isabelle van Groeningen

Sarcoccoa hookeriana

Was sind Mykorrhiza?

Es sind Pilze, die in Symbiose mit unseren Pflanzen leben. Da Pilze kein Chlorophyll enthalten womit sie Glukose assimilieren können, entnehmen sie dieses der Pflanze. Im Austausch bekommt die Pflanze Wasser und Mineralien, die die Pilze sich mit ihrem weit verbreiteten, feinen Wurzelwerk holen, wo Pflanzenwurzeln nie hinkommen würden. Wenn Sie etwas Mykorrhiza ins Pflanzloch streuen, werden sich ihre Pflanzen schneller etablieren – besonders auf wasserdurchlässigen Sandböden.

Stauden pflanzen

In meinem kleinen Gärtchen ist leider kein Platz um Gehölze zu pflanzen. Aber für Stauden habe ich wieder Platz gemacht. Mein kleines Staudenbeet vor der Terrasse hat einige Lücken, wo ich verschiedene, unbefriedigende Staudenversuche zu Ende gebracht habe. Zeit für etwas Neues! Mehrere, vor allem weiße Fingerhüte, stehen schon bereit, da der Frühsommer zurzeit noch mager ausfällt. Für den Spätsommer gibt es die kleine, 70 cm hohe Silberkerze Cimicifuga japonica ’Cheju-do’ und lang-blühende Japanische Wiesenraute Thalictrum delavayi ’Splendide White’, die eine große, weiße Wolke mit kleinen Blüten produziert, die nie aufhört. Ich freue mich jetzt schon auf die schlanken Rispen der Fingerhüte – und ja, selbst in kleinen Gärten lohnt es sich, viel von einigen Sachen zu pflanzen, man darf sich aber nicht verzetteln.

Rodgersia oder Schaublatt

Ich will auch ein passendes Zuhause für ein Schaublatt finden, das ich aus meinem elterlichen Garten in Belgien mitgenommen habe. Es ist nach mehr als 25 Jahren wieder nach Hause gekommen. Im Jahr 1992 habe ich mehrere Wochen im Hause Foerster verbracht, um dort die Foerster Archive auf der Suche nach Material für meine Doktorarbeit zu durchforsten. Es war unglaublich heiß. Der Gärtnerei ging es zu der Zeit ganz schlecht und sie lief nur auf Sparflamme. Neben dem Garten, in der ehemaligen Schattenhalle, lagen lieblos einige Töpfchen herum. Hier begegnete ich einem Schaublatt, welches trotz Hitze und ohne Wasser seit Wochen immer noch lebte und frisch war. Beeindruckt von dieser Überlebenskraft nahm ich es mit und schenkte es meinem Vater. Neulich, beim Pflanzen in Belgien, musste etwas für eine Hamamelis weichen. Heraus kam eine dicke Wurzel mit Schild: „Rodgersia – Foerster 1992“. Ich liebe Schmuckblätter. Sie bringen tolle, architektonische Form in den Garten, haben eine schöne Textur und oft auch interessante Farbe. Die Blüten sind sehr attraktiv. In englischen Gärten sieht man sie immer am Wasserrand stehen, aber auch im normalen Gartenboden fühlen sie sich in einer schattigen Ecke, mit ein wenig Kompost am Fuß wohl. Sie brauchen einige Jahre um sich zu entwickeln, aber einmal da, sind sie sehr standfest, wie mein foersterisches Memento bewiesen hat.

Viel Spaß beim Gärtnern!

 

 

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Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.