Rasen oder lieber Wiese?

19. Mai 2018 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Neuigkeiten, Übers Gärtnern, Zwiebeln | Schlagwörter: , , , |

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Zwiebelwiesen © Isabelle van Groeningen

Zwiebelwiesen

Die Kombination von hohen Temperaturen und gelegentlichem Gewitter, mit seinem stickstoffreichen Regen, sorgt dafür, dass der Rasen zurzeit kräftig wächst. Ein gut gepflegter, schön gemähter Rasen kann toll aussehen. Um das instand zu halten, ist es wichtig, mindestens einmal die Woche zu mähen, regelmäßig zu düngen, natürlich auch zu kalken und im Frühling und Herbst zu vertikutieren. Genau an dieser Stelle liegt bei manchen das Problem. Sie finden keine Zeit, denn davon hat man nie genug, um sich dem Rasen zu widmen. Viele Rasenbesitzer mähen, wenn es gerade passt. Sie vergessen zu düngen, finden das Vertikutieren überbewertet und sind dann überrascht, dass sie statt Rasen ein Moosfeld im Garten bekommen haben.

Robotermäher

Robotter unterwegs © Isabelle van Groeningen

Roboter unterwegs

Eine Lösung sind die inzwischen weit verbreiteten Robotermäher. Sie haben sie inzwischen bestimmt schon mal gesehen. Eine kompakte Kiste, die chaotisch und ziellos aber leise über den Rasen hin und her rollt. Sie sind praktisch. Das Revier wird von einem Kabel, was fest in der Erde verankert ist, markiert. Dank Sensoren weiß die Maschine, wie weit sie fahren darf. Wenn der Akku leer ist, fährt der Mäher zurück zu seiner Station um wieder aufzuladen. Für größere Flächen gibt es sogar welche, die zusätzlich eine kleine Solaranlage haben, womit sie länger unterwegs sein können. Der Pluspunkt von solchen Maschinen ist, dass man einen ständig gutaussehenden, gepflegten Rasen hat. Es braucht keinen großen Einsatz und sie sind leise. Das alleine finde ich schon Gold wert. Nachteile sind einerseits, dass es eine größere Investition ist, obwohl Sie schnell Ihr Geld zurückhaben, wenn Sie jemanden bezahlen müssen um zu mähen und andererseits, dass es Mulchmäher sind. Das geschnittene Gras wird nicht entfernt. Es bleibt liegen und bildet damit schneller eine Filzmatte, was wiederum bedeutet, dass vertikutieren noch wichtiger ist als sonst, um den unbeliebten Moosteppich zu vermeiden. Sie können so programmiert werden, dass sie nur nachts mähen oder tagsüber, morgens früh oder abends spät. Wie es Ihnen und Ihren Mitbewohnern passt.

Sie können so programmiert werden, dass sie mähen  wenn es Ihnen und Ihren Mitbewohnern passt – nur Nachts besser nicht falls nachtaktive Tieren im Garten unterwegs sind. (geändert am 16. Juni 2018, danke für den Hinweis!)

kurz-lang gemäht © Isabelle van Groeningen

kurz-lang gemäht

Höheres Gras

Eine andere Lösung, mit der Sie die vielen wöchentlichen Mähstunden reduzieren können, ist die Rasenflächen wachsen zu lassen oder wenigstens Teile davon. Einfach etwas höheres Gras, was vielleicht nur alle 3 – 4 Wochen statt wöchentlich gemäht wird, mit dem Mäher mit der höchsten Einstellung mähen. Hiermit erhält man einen gepflegten Eindruck, aber man spart viel Zeit. Die Bereiche im Vordergrund und auch die Ränder der Rasenfläche sollten Sie kurz gemäht halten. Hier reicht ein Streifen, ein oder zwei Rasenmäher breit.

Wiese mit gemähtem Rand © Isabelle van Groeningen

Wiese mit gemähtem Rand

Wildblumen-Wiesen

Wege in Wiesen © Isabelle van Groeningen

Wege in Wiesen © Isabelle van Groeningen

Wer gerne einen weicheren, wilderen Charakter erhalten möchte, kann die Rasenflächen zu Wiesen umwandeln – Als richtige Wildblumenwiese oder Frühlingszwiebelwiese. Die Biodiversität solcher Flächen steigt über die Jahre, da von Jahr zu Jahr mehr einheimische Blumen die Chance haben zu keimen und aufzuwachsen. Sie können diesen Prozess beschleunigen, indem Sie Jungpflanzen pflanzen oder Wiesensaatmischungen ausbringen. Aber bitte seien Sie nicht enttäuscht. Es wird nicht gleich in den ersten Jahren aussehen wie in einem „Heidi“ Film. Wiesen haben ein ganz eigenes Ökosystem, welches ein sehr delikates Gleichgewicht hat und schwierig zu etablieren und zu erhalten ist.

Sanssouci-Wiesen © Isabelle van Groeningen

Sanssouci-Wiesen

Der Nachteil von Wiesen ist, dass man sie im Sommer mähen muss, wenn die letzten Blüten verblüht sind und die Saat getrocknet ist. So hat die Pflanze eine gute Chance, sich zu vermehren. Das Mähen kann nur mit speziellem Mähgerät gemacht werden oder mit einer Sense. Das Schnittgut muss einige Tage trocknen, um die Saat rausfallen zu lassen, wird dann abgeharkt und entsorgt. Diese Aktion ist ein großer Aufwand und hinterlässt eine etwas struppig und blass aussehende Fläche, die drei bis vier Wochen braucht, um sich ein wenig zu erholen. Sie müssen für sich entscheiden, ob Sie lieber regelmäßig hinter dem Mäher herlaufen wollen oder einmal im Jahr Heu machen.

Zwiebel-Wiesen

Wiese mit Zwiebelinseln © Isabelle van Groeningen

Wiese mit Zwiebelinseln © Isabelle van Groeningen

Es ist möglich, einen kleinen Kompromiss einzugehen und nur im Frühjahr das Gras stehenzulassen – Sie pflanzen Zwiebeln. Hier ist die Regel, dass ungefähr sechs Wochen nach der Blüte, wenn das Laub braun geworden ist, das Gras gemäht werden kann. Wenn es Tulpen sind kann es sein, dass die Fläche erste im Juni/Anfang Juli gemäht werden kann. Dann haben Sie das gleiche Problem wie bei einer Wildblumenwiese. Pflanzen Sie nur frühe Zwiebeln wie Schneeglöckchen, Krokus und andere frühe, kleine Geophyten. Die sind wieder weg bis Sie anfangen im Frühjahr zu mähen.

Zwiebelwiese am Rand © Isabelle van Groeningen

Zwiebelwiese am Rand

Überlegen Sie sich, was für Sie und Ihren Garten die beste und schönste Lösung wäre!

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Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.