Pflanzen aus Indien – Teil 1

16. Juni 2018 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Die Gartenakademie, Pflanzen | Schlagwörter: , |

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Der Himalaya / Indien © Isabelle van Groeningen

Der Himalaya

Vor einigen Wochen haben wir die Gartenakademie für unser neues Sommer-Thema „Indien“ umdekoriert. Wie regelmäßige Besucher wissen, wechseln wir gerne unsere Themen, damit wir einen Grund zum Umdekorieren haben und Pflanzen, Produkte und, wo passend, auch mal die Küche vorstellen können. Somit sind wir jetzt bunt und recht farbenfroh geschmückt und über der Akademie hängen auch mal Duftwolken von köstlichen indischen Gewürzen (obwohl zurzeit der göttliche Duft von blühenden Linden kaum zu übertreffen ist).

Obwohl wenige Menschen besondere Pflanzenassoziationen mit Indien haben, ist es auch pflanzentechnisch ein wichtiges Land. Als siebtgrößtes Land der Erde, mit einem riesigen Spektrum an klimatischen Varianten, stammen 6 % der blühenden Pflanzen hierher, wovon 33 % nur in Indien zu finden sind und hier endemisch (heimisch) sind. Die Vegetation erstreckt sich von tropischen Regenwäldern mit vielen Orchideen im Süden, zu Bergvegetation bis auf 5000 m Höhe im Himalaya Gebirge und die nördliche Grenze. Es gibt Regionen die trocken sind (Nordwesten), wogegen der Südwesten tropisch und feucht ist. Daher sind viele der Pflanzen für uns vielleicht nur als Speise-, Beet- und Balkon- oder vielleicht Zimmerpflanze bekannt. Besonders im Norden, aus dem Himalaya Gebirge, stammen viele besondere, schöne Gartenpflanzen.

Familiär, aber nicht für unsere Gärten:

Eine meiner Lieblingsfrüchte ist die Mango, Mangifera indica. Ihr botanischer Name verrät ihre Herkunft: Indica bedeutet aus Indien. Ein großer Baum, bis 35 m hoch, kann über 300 Jahre alt werden.

Mangobäume / Indien © Isabelle van Groeningen

Mangobäume

Der Niembaum (Azadirachta) beliefert uns nicht nur mit einem umweltfreundlichen Pflanzenschutzmittel, er ist auch medizinisch hoch anerkannt. In Zentralindien und in westlichen Regionen befinden sich Wälder, wo Teakbäume dominieren, wogegen im Süden Sandelholz gedeiht. Im Osten, im Ganges-Delta befinden sich Mangroven.

Winterharte Gartenschätze aus Indien

Für den Pflanzensammler ist der Himalaya, mit den vielen, traumhaften Pflanzen, eine wahre Schatzkammer. Einige haben sich im alltäglichen Leben durchgesetzt und sind bekannte Gartenpflanzen geworden (teilweise, weil sie auch in Europa endemisch sind), andere sind nach wie vor selten zu sehen. Die Lichtnelke (Lychnis coronaria), Geißbart (Aruncus dioicus), Chicorée, Absinth und Lythrum salicaria (Gewöhnlicher Blutweiderig) sind so einige Beispiele.

Aruncus dioicus / Indien © Isabelle van Groeningen

Aruncus dioicus

Bewusst eingeführt sind unter anderem mehrere Storchschnäbel wie Geranium wallichianum und G. pratense, Primula denticulata (Kugelprimel), P. rosea, Verbascum thapsus (Kleinblütige Königskerze), Katzenminze Nepeta nervosa, N. govaniana, Bistorta affinis, B. amplexicaule (Kerzenknöterig), Perlkörbchen (Anaphalis triplinervis) und Solomons Siegel (Polygonatum multiflorum).

 

Anspruchsvoller Scheinmohn

Eine Pflanze von der jeder träumt, aber damit wenig Erfolg hat, ist der bezaubernde, blaue Scheinmohn Meconopsis betonicifolia und M. grandis. Beide sind winterhart, haben aber Probleme mit unserem Klima. Die Wintermonate verbringen sie normalerweise bedeckt von einer schützenden Schneedecke, die Sommermonate in einem kühlen Ambiente. Bei uns ist der Winter meist zu nass, der Sommer zu heiß und zu trocken. Nordeuropa, wie zum Beispiel Schottland und Norwegen, scheint diesen Schönheiten gut zu gefallen.

Meconopsis betonicifolia © Isabelle van Groeningen

Meconopsis betonicifolia

Unerwünschte Eindringling

Meine größte Sorge ist, mit Pflanzen, die man sich sorgenfrei irgendwoher als Urlaubserinnerung mitbringt, ein Problem einzuschleppen. Solch ein Problem kann entweder eine Pflanze sein, die sich als ein schlimmes Unkraut entpuppt oder unwissend einen katastrophalen Schädling wie den Buxbaumzünsler mitbringt.

Buchsbaumzünsler © Isabelle van Groeningen

Buchsbaumzünsler

Das Drüsige Springkraut Impatiens glandulifera wurde im Laufe des 19. Jh. wegen seiner dekorativen Blüten in Europa eingeführt. Inzwischen ist diese, bis 2 m in die Höhe wachsende, einjährige Pflanze als Neophyt anerkannt, da sie sich in feuchten Gebieten so dicht aussäht, dass die einheimischen Pflanzen verdrängt werden. Großzügig wie der Mensch sein kann, haben wir Wandelröschen mit nach Indien gebracht, wo es ein invasives Unkraut geworden ist.

Besuchen Sie uns heute, Samstag den 16. Juni, wir bieten indische Live Musik, eine Tee Verkostung und Show-Kochen an. Demnächst schreibe ich auch etwas über Gehölze!

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Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.