Gärten in Süd-Ost-England

Sussex Prairies - Rasen, Gras oder Wiese? © Isabelle van Groeningen

Sussex Prairies

Im Rahmen unseres Weiterbildungsprogramms für professionelle Gärtner und Gestalter hat diese Woche unsere erste Studienreise stattgefunden. Mit einer Gruppe von 12 Gärtnern, Garten- und Landschaftsbauern und Designern sind wir vier Tage unterwegs gewesen in Kent und Sussex. Unter dem Motto „Gras“ haben wir spezielle Führungen genossen in Gärten wie Sissinghurst, Great Dixter, Wakehurst Place und Sussex Prairies mit Besitzern und Chefgärtnern, die uns gezeigt haben, wie sie ihre Rasen-, Wiesen- oder Präriebepflanzungen etablieren und pflegen. Wir haben uns Saat- und Düngermischungen angeschaut, unterschiedliche Mäher gesehen und Diskussionen geführt über Mähzeiten, -frequenz und -höhe. Den Zeitpunkt hatte ich so gewählt, dass nicht nur die Wiesen besonders schön sind aber auch die Gärten generell ihr Höhepunkt haben.

Englischer Rasen in Sissinghurst

Sissinghurst Rosengarten © Isabelle van Groeningen

Sissinghurst Rosengarten

Das Geheimnis englischer Gärten ist immer schon der Rasen gewesen. Sissinghurst ist ein tolles Beispiel, wo wöchentlich auf 22mm kurz gemäht wird mit einem Spindelmäher. Dessen schwere Walze sorgt für die schönen Streifen. Das frisch geschnittene Grass wird bei diesem Rollen in eine Richtung gelegt wodurch das Streifeneffekt entsteht. Dieses wöchentliche Rollen sorgt auch für eine glatte Ebene, sodass er sich wie ein fester, grüner Teppich anfühlt. Die Flächen werden diagonal gemäht, sodass die Asymmetrie des Bereiches nicht so auffällt. Die Ränder des Rasens werden dann geschnitten mit einer speziellen Rasenkantenschere, sodass der Samtteppich eine recht scharfe Kante bekommt und hiermit die Spannung bildet, die so wunderbar kontrastiert mit der entspannten Üppigkeit in den Blumenbeeten.

Sissinghurst Rasen © Isabelle van Groeningen

Sissinghurst Rasen

Die neuen Coronation-Wiesen von Wakehurst Place

In den letzten Jahren erscheinen in vielen Gärten immer mehr Blumenwiesen. Dieses ist zwei Faktoren zu verdanken. Erstens ist ein gut gepflegter Rasen das arbeitsintensivste, was es überhaupt gibt. Zweitens hat die Popularität des Themas „Wiesen“ stark zugenommen. Das ökologische Bewusstsein hat wohl stark zugenommen und der Wert von Rasen versus Wiesen wurde erkannt.

Coronation Meadows Wakehurst © Isabelle van Groeningen

Coronation Meadows Wakehurst

Dass eine gute, ökologisch wertvolle Wiese mit hoher Biodiversität nicht über Nacht entsteht, haben wir feststellen können. Dass die Blumenvielfalt nur steigen kann, wenn der Nährstoffpegel sinkt und die Gräser nicht so kräftig wachsen, ist klar.  Die Coronation-Wiesen in Wakehurst Place wurden erst vor zwei Jahren gesät und haben zurzeit nur ca. 16 Arten pro Quadratmeter, wo sie mindestens 32 haben sollten. Einige der Wiesen in Wakehurst enthalten über 40 Arten.

Die klassischen Wiesen von Great Dixter

Great Dixter's Wiesen © Isabelle van Groeningen

Great Dixter’s Wiesen

Der Garten mit der ältesten Wiesentradition ist wohl Great Dixter. Teils sind sie über 400 Jahren alt und sind dicht bestückt mit einer großen Blütenvielfalt, inklusive Orchideen. Das gefleckte Knabenkraut war zurzeit besonders üppig. Ein sehr wichtiges Element in allen erfolgreiche Wiesen die wir uns angeschaut haben, ist eine unscheinbare einjährige Pflanze. Der kleine gelbe Klappertopf, ein Halbparasit der auf den Wurzeln von 50 unterschiedliche Pflanzen wächst (hauptsächlich Süßgräser), ist eine sehr wichtige Pflanze um die Vitalität zu reduzieren, wodurch die Gräser nicht so hoch wachsen und mehr Licht und Platz lassen für andere blühende Nachbarn.

Das Mähen zum richtigen Zeitpunkt ist genauso wichtig und natürlich auch das Entfernen der Mahd.

Die Romantik der Wiesen und Rosen

Rosa mulligani 1 © Isabelle van Groeningen

Rosa mulligani 1

Um diese Jahreszeit durch blühende Wiesen zu laufen, wo einzelne, größer blühende Strauchrosen sich entfalten zwischen alten Obstbäume wie im Garten von King John’s Nursery oder in den Streuobstwiesen von Sissinghurst, ist ein unvergessliches Erlebnis. Wenn Strauchrosen Platz haben, sich frei zu entwickeln zu größeren Sträuchern oder wie eine Kaskade aus Bäumen runterstürzen, ist es ein echtes Fest.

Dekorative Gräser

Wir haben nicht nur Gras angeschaut in Form von Wiesen und Rasen. Dekoratives Gras in Beeten und Rabatten war auch im Angebot. Obwohl die Saison gerade erst anfängt für Sussex Prairies mit seinen großen Flächen von Stauden und Gräsern, ist dort schon Calamagrostis x acutiflora ‘Waldenbuch‘ traumhaft. Fast so hoch wie die Sorte ‘Karl Foerster‘ aber frei von Rost, sind die Blüten blond statt dunkel.

Calamagrostis acutiflora 'Waldenbuch' © Isabelle van Groeningen

Calamagrostis acutiflora ‘Waldenbuch’

Bei Marchants Hardy Plants war es eine Stipa ‘Gold Fontäne‘, die mich besonders beeindruckt hat. Im 2. Jahr schon recht blütenreich und besonders hoch.

Rosen

Wo es in Berlin gefühlt schon Spätsommer ist, war es einfach herrlich, nochmal kurz in den Frühsommer einzutauchen und all das zu genießen, was ich irgendwie hier verpasst habe, wie die Rosenblüte. „Mein Rosengarten“, der Rosengarten in Nymans, für welchen ich vor über 30 Jahren mal den Pflanzplan gemacht habe, war noch in voller Blütenpracht. Obwohl einiges sich vom Original geändert hat, wie die Zugabe einiger moderner Austin Rosen.

Auch die Rosen in Sissinghurst waren natürlich in voller Pracht. Die Rosa mulligani mitten im weißen Garten war perfekt und der Rosengarten mit seiner Mischung aus Rosen, Clematis und Stauden war besonders gut.

Merriments Garten hatte eine besonders üppige Rose ‚Francis E Lester‘ über einer Pergola. Ihre offenen, einfachen, weißen Blüten mit einem Hauch von Rosa sind besonders schön. Die große Menge von kleinen, runden Hagebutten, die den Winter über hängen bleiben, sind besonders dekorativ. Merriments hatte allerdings auch ein tolles Beispiel, wie wichtig es ist, seinen Rasen zu schützen während größerer Gartenarbeiten: schwere Maschinen hatten während der Wintermonate tiefe Spuren hinterlassen. Liebevoll wurden diese mit frischer Erde nachgefüllt und mit Rasen nachgesät… der Streifenhörncheneffekt wird noch eine Weile präsent sein!

Es ist nie zu spät, um spontan seine Koffer zu packen und zu verreisen! Jedes Mal kommt man erfrischt nach Hause und voller neue Ideen und Inspirationen. Auch dieses Mal war es so.