Der Blauglockenbaum

Paulownia Wald Jardin Shamrock © Isabelle van Groeningen
Paulownia Blauglockenbaum-Wald Jardin Shamrock

Jeden Sommer bin ich von unserem Blauglockenbaum fasziniert: Paulownia tomentosa. Auch dieses Jahr hat er es wieder geschafft, phänomenale, neue Triebe zu produzieren mit gigantischen Blättern.  Genau deswegen habe ich ihn vor sechs Jahren gepflanzt.



Ein schnell wachsender Frühblüher

Auf den ersten Blick werden diese Bäume wegen ihrer großen, hellgrünen, leicht herzförmigen Blätter schnell mal mit Catalpa bignonioides – oder Trompetenbaum (auch bekannt als der Beamtenbaum, weil ihr Laub immer spät kommt und früh geht –  verwechselt. Dieser trägt allerdings im Juni und Juli große, attraktive weiße Blütenrispen.

Catalpa bignonioides © Isabelle van Groeningen
Catalpa bignonioides – Beamtenbaum

Die Paulownia wird häufig zu einem Baum von meistens 12- 15m Höhe, manchmal sogar bis zu 20-30m. Sie hat auch eine schlankere, aufrechtere Wuchsform als der Trompetenbaum. Während April-Mai produziert sie nektarreiche, große, pyramidale blaue Blütenrispen, die ein wenig wie Blauregen duften. Die Blätter sind normalerweise ungefähr 20cm breit und bis zu 30cm lang. Im Winter sind beide Bäume leicht zu erkennen, da die Blütenknospen des Blauglockenbaums schon erkennbar sind mit ihrer rostbraunen feinen Behaarung, während die Saatkapseln des Trompetenbaums wie lange schwarze Bohnen herunterhängen.

Paulownia tomentosa Blauglockenbaum © Isabelle van Groeningen
Paulownia tomentosa Blauglockenbaum

Große Blätter

Bevor Sie sich wundern, warum man freiwillig so einen großen Baum in einen 80 Quadratmeter großen Garten pflanzt, der sowieso schon von einer Eiche und einer Kastanie beschattet wird, möchte ich Ihnen ein Geheimnis verraten: Als schnell wachsender Baum, hat die Paulownia einen besonderen Mechanismus um Kohlstoff zu absorbieren – sie ist eine sogenannte C4 Pflanze. Dieses ermöglicht ihr nach einem harten Rückschnitt besonders kräftig aus zu treiben; das nutze ich aus. Jeden Winter schneiden wir diesen Baum zurück bis zum Stamm, auf ungefähr 1,8m Höhe. Jeden Frühling treibt er dann wieder aus, am Anfang eher schüchtern, aber innerhalb von wenigen Monaten steht er wieder da mit seiner imposanten Präsenz. Die Blätter haben auch diesen Sommer wieder eine Größe von über 60cm erreicht.

Architektonischer Effekt

Große Blätter bringen Ruhepunkte in eine Bepflanzung und schaffen Struktur. Sie tragen auch zu einem Jungle-ähnlichen Effekt bei. Durch diesen Effekt gelingt es mir, die dicht bevölkerte, urbane Umwelt meines Stadtgartens zu verlieren.   Diese Pflanze hilft uns auch dabei, eine langweilige Brandwand zu kaschieren. Lassen Sie den Baum aufwachsen statt ihn jährlich zu stützen, wird er innerhalb von wenigen Jahren leichten Schatten spendieren, da die Krone nicht sehr dicht belaubt ist; das macht diesen Baum besonders interessant für einen Schattengarten. Die tiefen Wurzeln machen es auch leichter für die Unterbepflanzung.

Frühsommer 2018 Blauglockenbaum© Isabelle van Groeningen

Frühsommer 2018

Winterhärte

Das Herkunftsland der Paulownia ist Zentral- und Westchina, weshalb sie bei uns nur bedingt winterhart sein soll. Aus diesem Grund wird empfohlen, dem Baum, besonders während der ersten Jahre, Winterschutz zu geben, und den Stamm mit Stroh ein zu packen. Ein wenig Frostschutz während den ersten Wintern wird bestimmt nicht schaden.  Unserer wurde noch nie eingepackt und hat bis jetzt trotzdem keine Probleme gehabt; er steht allerdings sehr geschützt. Ein schönes, großes Exemplar gedeiht links am Eingang des Berliner Botanischen Gartens und begeistert mich jedes Jahr im Frühling mit einer großen blauen Blütenwolke, die vor dem Laubaustrieb stattfindet. Die frühe Blüte im April bis Mai kann durch einen späten Frost gefährdet werden.

Tradition

Der Namenszusatz der tomentosa kommt aus dem lateinischen und bedeutet behaart, mit Haaren bedeckt. Die leicht eiförmigen Samenkapseln wurden im 19. Jh. von chinesischen Porzellanherstellern als Füllmaterial bei der Verpackung des Porzellans in Holzkisten für den Export benutzt. Während des Transports fiel öfters etwas Saatgut durch die Ritzen und Spalten der Holzkisten, was zur Verbreitung des Baums entlang der Bahngleise geführt hat – so die Legende. In wärmeren Klimazonen kann dieser Baum invasiv werden; bei uns ist diese Gefahr wohl sehr gering! In Deutschland wird er seit 2012 kommerziell angebaut, als schnell wachsendes Hartholz. Das Holz der Paulownia enthält wenig Silica und war daher auch früher schon beliebt bei Tischlern, da die Säge dann nicht so schnell abstumpft.

In Japan wurde dieser Baum zur Geburt einer Tochter gepflanzt: Der schnell wachsende Baum wird zeitgleich mit der Tochter erwachsen und wird dann zur Hochzeit des Mädchens  gefällt. Aus dem Holz wurden Ornamente geschnitzt. Auch zur Herstellung von Musikinstrumenten ist dieses leichte Holz immer noch sehr beliebt.