Luftige Wiesenrauten für halbschattige Gärten

Wiesenraute - Thalictrum Wolken © Isabelle van Groeningen

Wiesenraute – Thalictrum-Wolken

Thalictrum aquilegifolium: Akeleiblätterige Wiesenraute oder Amstelraute

Seit meiner Kindheit liebe ich Thalictrum oder Wiesenraute. Damals waren sie noch etwas ganz Besonderes und eine Seltenheit in Belgien; mein Vater hatte sich drei Pflanzen in England bestellt und sie wurden zusammen mit mehreren Gehölzen von der Baumschule Hillier geliefert. So kamen diese drei sonderlichen Staudenpflanzen, die eigentlich wie eine Akelei aussahen, in mein Leben. Sie bekamen einen Platz im hinteren Teil des Staudenbeets, wo es leicht schattig war.

Im darauffolgenden Frühjahr wuchs das Thalictrum aquilegifolium (Aquilegia ist der botanische Name für Akelei, folium bedeutet Blatt) mit seinen Akelei-ähnlichen Blättern höher als die Akelei. Die kräftigen Blütenstängel erreichten fast eine Höhe von einem Meter, bevor sie sich fein verzweigten, um fast kugelrunde Puschel zu produzieren. Bis dahin war mir nicht bekanntes Blüten ohne Blütenblätter gibt. Anstatt dessen haben die Blüten ganz viele feine Staubblätter.

Sie blühen von Mai bis Anfang Juli. Die Sorte ‘Alba’ ist creme-weiß, sonst blüht das Thalictrum hellviolett. Die Sorte ‘Thundercloud‘ hat eine etwas dunklere, intensive Blüte und ist sehr standfest. Höher und mit dramatisch dunkelviolettem Blütenstängel ist ‘Black Stockings‘. Diese Sorten erscheinen alle luftig und fluffig, und genau das fand ich damals als achtjähriges Kind so wunderbar.

Thalictrum delavayi : Chinesische Wiesenraute

Wiesenraute - Thalictrum delavayi © Isabelle van Groeningen

Thalictrum delavayi

Noch feiner ist die chinesische Wiesenraute. Hoch oberhalb des frisch-grünen, delikaten Laubes (wie ein Frauenhaarfarn) gibt es einen feinen, etwas schwachen Blütenstiel, locker umgeben von ganz vielen, kleinen Blüten. Im Gegensatz zu der vorher genannten Sorte haben diese vier bis fünf kleine Blütenblätter, die kleinere Büschel Staubblätter umhüllen. Bis zu 1,80 Metern wird diese Staude hoch und kreiert eine riesige, legere Wolke von Juli bis September.

Die Blüte lasst sich wunderbar mit anderen zartblütigen Stauden, wie Sanguisorba oder Schleierkraut, kombinieren. Es gibt auch eine weiße Sorte namens T. delavayi ‘Alba‘ die allerdings nur 1,20 Meter hoch wird.

Thalictrum delavayi ‘Hewitt‘s Double‘

Thalictrum 'Hewitt's Double' © Isabelle van Groeningen

Thalictrum ‘Hewitt’s Double’

Wenige Jahren nachdem ich mich in die Akelei-blätterige Wiesenraute verliebt hatte, entdeckten wir während eine Reise durch England Thalictrum delavayi ‘Hewitt‘s Double‘ mit ganz kleinen, lila Pompons. Obwohl ich nie ein „Rosa Mädchen“ war, fand ich diese kuscheligen Pompons absolut begehrenswert. Ich liebe diese Pflanze immer noch und kurz nach meinem Umzug in ein Haus mit eigenem Garten in England pflanzte ich ein Thalictrum an den Weg im Vorgarten, sodass ich es ganz aus der Nähe genießen konnte.

Leicht gestützt und beschattet durch die Rose ‘Schneewittchen‘ produzierte es jedes Jahr, ganz zuverlässig, einen Blütenstiel. Genau einen. Nicht zwei. In einem Jahr habe ich ausversehen den Trieb abgeschnitten. Das Jahr gab es dann keinen Blütenstiel. Die Pflanze war offensichtlich nicht so glücklich mit schwererem Boden. Die meisten Thalictrum lieben es, kühle Wurzeln zu haben, und eine leichteren, humus-reichen, leicht schattigen Standort. Es lässt sich durch Teilung vermehren oder auch durch Saat aber diese gefüllte Sorte ist, wie so oft der Fall, steril und produziert daher keiner Saat.

Thalictrum delavayi ‘Splendid White‘

Wiesenraute - Thalictrum 'Splendide White' © Isabelle van Groeningen

Thalictrum ‘Splendide White’

Seit einigen Jahren ist die Sorte T. delavayi ‘Splendid White‘ in mehreren Gärtnereien zu finden. Diese Sorte ist inzwischen mein Favorit und schmückt mein kleines Staudenbeet vor der Terrasse. Jeden Abend sitze ich bei dieser Hitze auf der Terrasse und betrachte mit großer Freude diese mannshohe, weiße Wolke.

Besonders in so einem kleinen Garten wie meinem ist die Lockerheit und Transparenz von hoher Vegetation wertvoll. Dank hoher Pflanzen wirkt ein kleiner Garten wesentlich großer. Diese Wolke leistet mir seit Anfang Juli Gesellschaft, und wird es noch viele, viele Wochen weiter tun. Dieses Durchhaltevermögen schätze ich sehr an ihr. Die weiße Farbe ist auch ein wunderschöner Akzent vor dem dunkelgrünen Laubhintergrund meines kleinen, urbanen Dschungels.

Thalictrum 'Splendide White' Austrieb © Isabelle van Groeningen

Thalictrum ‘Splendide White’ Austrieb

Thalictrum flavum ssp glaucum : Gelbe Wiesenraute

Die gelbe Wiesenraute ist eine tolle Entdeckung: Straffe, aufrechtstehende, zartzitronengelbe, kuschelige Blüten von Juni bis zum späten Juli-August. Die Schönheit dieser Pflanze ist nicht nur die Blüte: Das Laub ist blau-grau getönt, der neue Austrieb hat etwas Violettes. Auch die Stiele sind graulich. Wie bei der Akelei-blättrigen Wiesenraute, bleibt auch bei dieser Staude nach der Blüte der sehr dekorative Saatstand, der noch lange den Garten ziert.

Die Pflanze fühlte sich so wohl in meinem Garten, dass die Saatkörner gut und gerne keimen, teilweise sogar inmitten anderer Stauden. Wenn sie sich wohl fühlen, wollen sie Ihren Garten einfach nicht mehr verlassen: Selbst, wenn die Sämlinge noch jung sind, sind die Wurzel so fest verankert, dass man sie ohne Werkzeug nicht aus der Erde ziehen kann.

Das Problem der vielen unerwünschten Sämlinge war bei dem Umzug von England nach Deutschland plötzlich nicht mehr vorhanden. Wunderbar! Dadurch habe ich gelernt, dass eine Pflanze, deren Verbreitung zum Problem wird, entweder sofort rausgeschmissen werden sollte. Alternativ kann man die verblühten Blüten entfernen, bevor die Saat gereift ist, muss dann allerdings auf die traumhafte Herbstdeko verzichten.

Thalictrum ‘Elin‘: Riesen-Wiesenraute

Thalictrum 'Elin' mit Allium 'Purple Sensation' © Isabelle van Groeningen

Thalictrum ‘Elin’ mit Allium ‘Purple Sensation’

Die Riesen-Wiesenraute ist ein Hybrid der der Sorte T. rochebrunianum ähnelt, allerdings bis zu 2,50m hoch werden kann. Sie steht hier an der Gartenakademie mitten im Staudenbeet und blüht von Juni bis August. Auch ihr Austrieb und junges Laub sind graulich-blau mit violetten Tönen und sie ist ein toller Begleiter für die Frühjahrszwiebel und die frühen Stauden.

Wiesenraute - Thalictrum rochebrunianum © Isabelle van Groeningen

Thalictrum rochebrunianum

Es gibt grundsätzlich keine Wiesenraute, die ich nicht mag. Alle sind dekorativ, haben interessantes Laub und feine Blüten und mögen einen leicht schattigen Standort, den ich auch so schätze – besonders bei dieser Hitze!