Wie geht’s jetzt weiter mit der Trockenheit?

Cornus giessen - Trockenheit © Isabelle van Groeningen

Cornus gießen

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, nicht noch einmal über die Folgen des Wetters zu schreiben, aber der Zustand unseres Gartens in Belgien hat mich dazu bewegt, das Thema doch noch einmal aufzugreifen. Seit meiner frühen Kindheit beschäftige ich mich mit dem Thema „Garten“ und mit dem Thema „Pflanzen“. Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass ich mich fast ein halbes Jahrhundert schon damit beschäftige (so schrecklich das auch für mich klingt!). Schon einiges habe ich erlebt, aber nichts konnte mich auf den Anblick unseres Gartens in Belgien vorbereitet als ich am Wochenende nach sieben Wochen Abwesenheit wieder da war.

Eine besondere Pflanzensammlung

Schattenbeet Juni 2015 © Isabelle van Groeningen

Schattenbeet Juni 2015

Schattenbeet August 2018 nach Trockenheit © Isabelle van Groeningen

Schattenbeet August 2018

Diesen Garten haben wir 1999 für meinen Vater, der ein großer Pflanzenliebhaber und Sammler war, angelegt. Vier große Container voller Gehölze aus dem alten Garten formten den Hauptbestandteil des heutigen Gartens. Es sind Pflanzen, die wir während meiner Kindheit liebevoll gepflanzt hatten. Bäume, wie Hillier, wurden bei renommierten englischen Baumschulen bestellt; Rhododendron wurden von Hobbie aus Deutschland in großen Körben angeliefert. Immer wieder gab es aufregende Ausflüge nach Boskoop in Holland zu Piet und später seinem Sohn Rinus Zwijnenburg, um dort wunderbare Pflanzenraritäten zu kaufen. Es gab viele Heideverwandte: Rhododendron, Azaleen, Enkianthus, Menziesia, Vaccinium, Zenobia aber auch Schneebälle, Zaubernuss und Japanischen Ahorn. Vielen haben ein feines Wurzelwerk was oberflächlich wächst. Sie vertragen einen niedrigen pH wert gut und bevorzugen einen leichten Boden mit höherem Humusanteil, den wir schubkarrenweise unserem Sandboden hinzufügten.

Ein Garten ohne Gießen

Einmal etabliert, wurden die Pflanzen nicht mehr gegossen. Mein Vater war nicht mehr der Jüngste und die Regenwasserzisterne nicht endlos groß. Pflanzenwurzel sollten tiefer nach Grundwasser suchen und die Erdfläche war durch eine schützende Laubschicht immer gemulcht. Einige Jahre nach dem Umzug gab es einen sehr trockenen Frühling bzw. Frühsommer, den einige der Rhododendren nicht überlebten. Man merkte, dass sie doch nicht genügend neue Wurzeln gemacht hatten, um die Pflanze bedienen zu können. Ansonsten hatten sich alle Pflanzen gut etabliert und der Garten war somit eine problemfreie Vegetation, da die Dürreperioden nie so lang sind. Ein Rhododendron lasst mal seine Blätter schlaff hängen, zusammengerollt wie eine Zigarre, aber irgendwann kommt dann der Regen und alles ist wieder gut. Bis jetzt hat das immer geklappt.

Frisch umgepflanzte Sträucher

Seit dem Tod meines Vaters vor einigen Jahren muss der Garten mit wesentlich weniger Pflege zurecht kommen. Ab und zu schaut jemand mal vorbei: Rasen wird gemäht, Hecken geschnitten, Unkraut gejätet, Laub geharkt. Nicht so häufig und nicht so gründlich, aber gerade genug. Um den Aufwand weiter zu reduzieren, haben wir die Entscheidung getroffen, die Gartenfläche zu verkleinern. Im Januar haben wir eine größere Umpflanzaktion vorgenommen, um einige besondere und schöne Gehölze umzupflanzen. Immer wieder mal war jemand vor Ort, um zu gießen; manchmal besser, manchmal weniger gut. Ich habe mich vor meinem Besuch gefürchtet, weil ich Angst hatte, dass diese große Aktion völlig umsonst war und ich von dürren Pflanzen begrüßt werde. Die Überraschung war groß: fast allen Pflanzen geht es gut. Es ist der Rest des Gartens der nicht in Ordnung ist, und wo die Überraschung böse war.

Trockenschaden

Die Trockenschäden sind unterschiedlich, je nach Sorte und Standort. Einige Pflanzen waren völlig unbeeinträchtigt von der Hitze. Der Standort spielt dabei eine große Rolle. An der Nordseite des Hauses sehen die meisten Pflanzen gesund aus: keine Sonne und kein Wettbewerb/ keine Verdrängung von Wurzeln größerer Bäume. Im Gegensatz dazu haben die unteren Vegetationsschichten im Wurzelbereich der großen Eichen schwer gelitten.

Einige Gehölze sind komplett braun geworden; sowohl das Laub als auch der Stamm. Bei einigen sind die Blätter zu 90-95 % vertrocknet (allerdings noch nicht ganz oder die Stiele sind noch ein wenig grün). Einige, wie Buchs, sind zwar noch grün aber es ist ein ungesundes, mattes, etwas bräunliches Grün, was auch beunruhigend ist. Manche haben größere Lücken wo das Laub gebleicht und verbrannt(?) zusammengeklappt ist.  Viele Stauden sehen schlimm aus, andere sind einfach kollabiert und oder gänzlich verschwunden.

Wie gehe ich jetzt hiermit um?

In Belgien gibt es immer noch ein Schlauchverbot. Seit Anfang des Sommers darf kein Trinkwasser benutzt werden, um den Garten grün zu halten. Selbst für die Bauern gibt es Einschränkungen. Das macht es natürlich noch schwieriger. Dank einer Gießkanne in der Küche habe ich gemerkt, wie viele Liter Wasser dort so wegfließen, die man zum Pflanzengießen einsetzen könnte. Den Hartriegel hat es nicht gestört, dass vorher der Salat im Wasser gewaschen wurde. Nur salziges Kartoffelwasser oder etwas mit Seife geht nicht. Mit Gießkannen gießen hat den Vorteil, dass man genauer sieht, wie viel Wasser man einer Pflanze gibt.

Ich gieße gerne ein wenig vor einem Regenschauer – dann ist der Boden weicher und kann das Regenwasser besser aufnehmen. Wenn es, wie es in Brüssel der Fall war, nicht genug regnet, gieße ich gleich danach noch einmal. Lieber einmal eine Pflanze richtig gut nass machen, als täglich nur ein wenig zu geben. Nach dem Wassersegen sollte man dann die Pflanze mit Kompost oder mit einer Laubschicht mulchen.

Geduld

Geduld ist wichtig. Nicht nur in den kommenden Wochen, sondern auch bis zum kommenden Frühjahr. Ich werde erst einmal abwarten, um zu sehen, was wiederkommt, in der Hoffnung, dass einige Pflanzen (besonders Stauden) sich einfach früher in die Winterpause zurückgezogen haben, aber trotzdem nächstes Frühjahr wiederkommen. Kratzen Sie mal vorsichtig die obere Rinde an, um zu sehen, ob unter der Haut noch etwas Grünes ist. Wenn ja, dann ist die Hoffnung hoch. Wenn nicht, würde ich der Pflanze trotzdem noch eine Chance geben. Solche Gehölze werde ich zurückschneiden in der Hoffnung, dass wenn sie Lust haben, sie wieder kräftig austreiben. Bloß nicht Düngen!

Keine Panik trotz Trockenheit

Die ersten Kunden habe mich schon beunruhigt kontaktiert, um zu fragen, was sie jetzt wohl tun sollen mit ihren braunen Pflanzen und was sie stattdessen pflanzen sollen. Erst einmal Abwarten. Ja, die letzten Jahre sind statistisch gesehen heißer geworden. Wir haben auch unglaubliche Nässeperioden erlebt. Alles durch trockenliebende mediterrane Pflanzen zu ersetzen ist auch keine Lösung: diese werden bei den ersten harten Wintern wieder erfrieren oder bei den nächsten langen, nassen Winter vergammeln. Wichtig ist, richtig zu gärtnern und liebevoll mit dem Boden umzugehen. Wenn der gesund und fit ist, haben die Pflanzen gleich eine wesentlich bessere Überlebenschance – egal was das Wetter uns an den Kopf schmeißt.

Was hat besonders gelitten:

  • Hydrangea – Hortensien
  • Hamamelis – Zaubernuss
  • Cornus kousa – Hartriegel
  • Stuartia pseudocamellia
  • Rhododendron & Azalea (vielen- aber nicht alle)
  • Viburnum davidii, V. x bodnantense ‚Dawn‘
  • Stechpalme
  • Rhodotypos scandens
  • Viele Stauden und auch Gräser wie Miscanthus und Molinia, Epimedium, Vinca minor

Was sieht noch erstaunlich gut aus:

  • Nadelgehölze, obwohl die Kiefer schon viele Nadel verloren hat
  • Rosen
  • Lonicera purpusii
  • Heptacodium miconoides
  • Amelanchier canadensis
  • Mahonia
  • Philadelphus
  • Kirschlorbeer
  • Geranium macorrhizum
  • Heuchera villosa ‚Chantilly‘
  • Hakonechloa macra ‘Aureola’
  • Phlomis russeliana
  • Echinops ritro
  • Perovskia atriplicifolia
  • Rosmarin
  • Lavendel