Beth Chatto: Eine Gartenlegende, die aus eigener Erfahrung lernte, wie man mit Dürre umgeht

Beth Chatto © Isabelle van Groeningen

Beth Chatto

Letzte Woche mussten Sie leider blogfasten, da ich in England, auf dem Beth Chatto Symposium war. Im Oktober des letzten Jahres, hatte einer ihrer Mitarbeiter vorgeschlagen, dass zu Ehren ihres 95. Geburtstags etwas Besonderes organisiert werden sollte. Warum also kein Symposium? So kamen die Gärtner dazu, in Zusammenarbeit mit den Beth Chatto Education Trust Spezialisten aus der ganzen Welt, zum Thema: „Ecological Planting in the 21st Century“ einzuladen. Leider hat die Grande Dame dieses besondere Event nicht mehr erlebt. Sie starb am 13. May 2018. Zwölf Gärtner, Gärtnereibesitzer und Designer sind nicht umsonst gekommen. Die erwarteten 150 Teilnehmer entpuppten sich als mehr als 500 Personen aus 27 unterschiedlichen Ländern.

Beth Chatto © Isabelle van Groeningen

Aus Japan bis Nord-Amerika, aus Schweden bis hinunter zum Mittelmeer kamen die Vorträge und Diskussionsrunden über verschiedene Aspekte zum Thema: „Ökologisch Gärtnern“. Es ist sehr passend, dass dieses Event im Namen Beth Chattos stattfand. Sie hat 1960 mit ihrem Garten in der Nähe von Colchester, im Osten Englands angefangen. Eine Gegend, wo im Sommer Niederschläge, vergleichbar mit Ägypten zu erwarten sind. Sie hat schnell gelernt, ihre Bepflanzung an den passenden Standort zu adaptieren. Lange bevor die Engländer sich überhaupt Gedanken machten, hatte sie begriffen, wieviel leichter es einem das Leben machen kann, wenn die Standortsbedingungen respektiert werden.

Pflanzen nach Standort

Zusammen mit ihrem Ehemann, einem passionierten Pflanzenökologen, hat sie erstmal England bereist, und die Pflanzengemeinschaften in unterschiedlichsten Lebensräumen studiert, um die Rolle zwischen Pflanze und Standort besser zu verstehen.

Cotinus coggygria ‘Grace‘ Beth Chatto © Isabelle van Groeningen

Das rote Laub des Perückenstrauch Cotinus coggygria ‘Grace‘ unterstützt die Farbe der Herbstanemonen

Es macht Sinn, eine Schattenpflanze tatsächlich in den Schatten zu pflanzen, und dafür zu sorgen, dass ein Sonnenliebhaber es sonnig genug hat. Diejenigen, die mehr Feuchtigkeit verlangen, sollten ihre Füße kühl und mit Zugang zu Wasser haben, und natürlich die, die sich an das Leben in heißen, trockenen Regionen gewöhnt haben, so zu verwenden, dass sie dementsprechend heiß und trocken stehen. Wenn eine Pflanze diese Bedingungen nicht hat, wird sie sich nie wohlfühlen, kräftig wachsen und gedeihen. Stattdessen ist das Risiko groß, dass sie kränkelt und anfällig ist für Insektenbefall oder Pilzkrankheiten.

Beth Chatto und der Sinn für Ästhetik

Es war schön, den Garten mal wieder besuchen zu können. Trotz des heißen, langen Sommers sah er gut aus. Das Gartenteam hat sich extra Mühe gegeben, dass für dieses besondere Event alles perfekt ist.

Dank ihrer Bemühungen, den Pflanzen das zu bieten was sie brauchen, haben sie es geschafft, schöne, harmonische Gartenbilder zu gestalten. Da sie auch leidenschaftlich an Floristik interessiert war, insbesondere Ikebana, war ihr Form und Textur wichtig.

Beth Chatto © Isabelle van Groeningen

Als erstes hat sie im tiefsten Punkt des Gartens, auf schwerem Lehmboden um den Teich herum, einen leicht schattigen, feuchten Garten geplant. Vor einer Kulisse dekorativer Bäume und Sträucher, gedeihen viele großblättrige Stauden. Angefangen bei riesigen Gunnera manicata, über Funkien und Zierrhabarber bis hin zu fedrigen Farnen und schlanken Gräsern, die dazu beitragen, dass es schöne Blattkontraste gibt.

Trockener Kiesgarten

Kiesgarten Hakenlilie Beth Chatto © Isabelle van Groeningen

Kiesgarten Hakenlilie in Beth Chatto

Besonders ihr berühmter Kiesgarten sah toll aus. Dieser ist so geplant und bepflanzt, dass die Pflanzen längere Hitze und Dürreperioden gut ohne extra Bewässerung überleben können. Es kann gut sein, dass im Hochsommer die Pflanzen teils etwas knusperiger aussehen aber sobald der Regen dann endlich wiederkommt, erholen sich die Pflanzen erstaunlich schnell und der Garten bekommt eine zweite Saison. Sowohl Beete als auch Wege sind mit einer dicken Schicht feinkörnigen Kieses bedeckt. Somit hat Unkraut weniger Chancen, die Feuchtigkeit bleibt im Boden und für die vielen sonnenliebhabenden Exoten wird extra Sonnenlicht reflektiert. Der Kies verhindert auch, dass die Basis der Pflanze bei starkem Regen mit Erde bespritzt wird, die wiederum länger feucht bleibt und ein Grund zum Verfaulen sein kann. Es sind vielleicht nur kleine Details, aber in einem unstabilen englischen Klima ist das alles wichtig!

Beth Chatto © Isabelle van Groeningen

Schattiger Waldgarten

Ein starker Kontrast zu den sonst sehr gut gepflegten Gärten, ist der Waldgarten. Unter hohen Bäumen hat sie hier einen Schattengarten angelegt. Sein Höhepunkt hat er ab spätem Winter bis Frühsommer und ist um diese Jahreszeit schon etwas müde. Trotzdem ist er immer noch schön und interessant. Zahlreiche Alpenveilchen locken mich in diesen Gartenbereich hinein, wo jetzt die Bodendecker dominieren. Es sieht aus wie eine Tapete von Grüntönen, aus Efeu, Immergrün und Wildem Wein, der innerhalb der nächsten 4 bis 6 Wochen bestimmt ein ganz fedriges Muster machen wird, wenn seine Blätter leuchtend rot über den grünen Untergrund scheinen.

Wintergrünes Efeu Beth Chatto © Isabelle van Groeningen

Wintergrünes Efeu

Chelsea Flower Show

Beth hat in den achtziger Jahren auf der Chelsea-Flower-Show für große Aufregung gesorgt. Sie hat mit ihrer wunderbaren Gärtnerei „Special Plants“ jedes Jahr ein tolles Display mit besonderen Pflanzen aufgebaut, von denen sie der Meinung war, dass es ganze tolle, sehr schöne, wertvolle Gartenpflanzen sind und die nur wenige kannten. Sie war die erste, die es gewagt hat, ein Staudendisplay ohne Blüten, mit lauter interessant Blattpflanzen zu machen. Es gab viele Wildsorten (nicht zu verwechseln mit einheimischen Pflanzen) und Selektionen die nur wenigen kannten. Mit ihrem Sinn für Dekoration machte sie die schönsten Zusammenstellungen, die 10 Jahre hintereinander eine begehrte Goldmedaille gewonnen haben. Heute noch ist die Gärtnerei mit über 2000 Pflanzen, größtenteils Stauden, viele davon besondere, ungewöhnliche Formen, gefüllt.

Bücher und Information

Sie haben recht, sich frustriert zu fühlen und nicht da gewesen zu sein und es sehen zu können. Bis es ihnen gelingt, schauen Sie sich die Website an. Bald werden auch auf der Website des Symposiums die ganzen Vorträge und Diskussionen zur Verfügung stehen.

Sie schrieb mehrere Bücher. Ihre zwei ersten Bücher sind unheimlich einflussreich für viele Gartenbesitzer gewesen. Auch mein Vater hatte sie in seinem Regal und schätzte ihre persönlichen Kommentare und Empfehlungen über Pflanzen sehr. Im Jahr 1978 veröffentlichte sie „The Dry Garden“, 1982 „The Damp Garden“. Erst im Jahr 2000 kam „The Gravel Garden“ und 2002 das Buch über den Schattengarten, welches 2011 auf deutsch erschien „Schattengarten: Die Pflanzen, die Jahreszeiten, die Stimmungen“.

www.bethchatto.co.uk 

www.bethchattosymposium.com