Herbstliche Farben …

06. Oktober 2018 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Herbst, Jahreszeiten | Schlagwörter: , , , , , |

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Hebstliche Farben - Malus 'Butterball' © Isabelle van Groeningen

Malus ‘Butterball’

…aber vorweg noch etwas über die Hühner

Unsere Hühner brauchen noch etwas Aufklärung – na ja nicht die Hühner selber aber das Thema. Mein letztes Schreiben scheint bei einigen Lesern etwas Verwirrung verursacht zu haben: Henry, Matilda & Co. waren unsere früheren Mitbewohner in unserem Garten in England. Die neuen Mitbewohner der Gartenakademie sind definitiv alle fünf weiblich. Einige Kunden waren schon entsetzt, dass die armen Damen ohne Hahn zurechtkommen müssen. Unsere Girls scheinen recht entspannt zu sein so ohne männliche Begleitung. Im Gegenteil, Matilda und Co. kamen morgens immer aus ihrem Stall geschossen und rannten schnell in alle Richtungen los, um von Henry wegzukommen. Henry fand keinen Frieden, bis er seine drei Damen „beglückt“ hatte (allerdings sahen sie dabei nie glücklich aus). Auch gab es schon einige, die es ungerecht fanden, dass unsere Girls in diesem neun Quadratmeter Käfig eingesperrt sind. Auf die Frage, ob diese Dame denn auch vegetarisch isst oder nur Bio-Huhn und Eier kauft, wurde mit den Schultern gezuckt, mit der Antwort: „…das hat damit gar nichts zu tun…“.

Die neue Familie © Isabelle van Groeningen

Die neue Familie

Welcher Namen passt zum Huhn?

Genauso wie T. S. Eliot es in seinem berühmten Gedicht “The Naming of Cats“ erkannt hat: The Naming of Cats is a difficult matter, It isn’t just one of your holiday games…, haben wir festgestellt, dass es keine leichte Sache ist, einem Huhn den richtigen Namen zu geben. Es kann sein, dass die Namen sich in Zukunft noch ändern. Dann, wenn sich der Charakter zeigt und sich herausstellt, dass es doch keine Polygatha ist, sondern eher eine Blondie oder Brunhilde sich als Arabella entpuppt. Erstmal haben wir uns auf folgendes geeignet: Eine ist sehr hell (Polygatha), zwei haben die Farbe von goldenem Karamell (Matilda und Belinda), eine ist etwas mehr verbranntes Karamell (Brunhilde). Die fünfte (Elisabeth), ist die dunkelste. Sie trägt einen sehr eleganten Kragen von etwas gräulichen Federn mit Goldrand auf der Schulter. Sie hat etwas Edles an sich und bekam damit gleich die royale Anerkennung: Elisabeth I. Ihr Federschmuck erinnert an die imposanten Spitzkragen, die sowohl Damen als auch Herren zu dieser Zeit getragen haben.

Zuhause © Isabelle van Groeningen

Zuhause

Herbstliche Farben

Eigentlich wollte ich heute über Hagebutten schreiben. Aber während meines Rundgangs heute Morgen, auf der Suche nach schönem Material zum Fotografieren, hatte ich mich schon beim ersten Bild umentschieden. Die Zieräpfel fangen gerade an, richtig bunt zu werden. Malus ’Red Sentinel’ hat glänzende, orange-rote Äpfelchen, die Schneewittchen schnell verführen würden. Es blieb allerdings nicht bei den Zieräpfeln, da das Laub endlich auch anfängt zu leuchten. Daher habe ich mich spontan entschlossen auf das Thema herbstliche Farben umzuschwenken. Die Kirschen fangen an sich zu verfärben und die Schneebälle, Pfaffenhütchen und Felsenbirnen ebenfalls. Auch im Staudenbeet und auf den Staudentischen gibt es schon die ersten leuchtenden Rottöne.

Frucht:
Malus ’Butterball’ hat leuchtend gelbe, perfekte Mini-Äpfel, die traumhaft sind, aber leider nicht sehr lange halten. Ähnliches gilt für ’Golden Hornet’. Eine sehr attraktive Wildsorte ist Malus tschonoskii mit roten Äpfeln. So ganz ohne Hagebutten war der Spaziergang nicht. Am Wurzelhaus steht die sehr dunkelrote, alte Kletterrose ‚Souvenir du Docteur Jamain’. Mehrere andere sind noch nicht reif, andere sind schon vorbei. Die bezaubernden, orange-roten Hagebutten der Hechtrose Rosa glauca fangen schon an zu verschrumpeln, während die riesigen, birnenförmigen Früchte von ‚Mme Gregoire Staechelin’ schon abgefallen sind. In den vergangenen Jahren hatte ich erst den Verdacht, jemand klaut diese als herbstliche Deko. Dann suchte ich die Schuld bei einer Maus, aber jetzt habe ich gesehen, dass es die Rose ist, die keine Willenskraft hat, länger ihren Schmuck festzuhalten. Wie enttäuschend!

Rosa 'Souvenir du docteur Jamain' © Isabelle van Groeningen

Rosa ‘Souvenir du docteur Jamain’

Schneeball

Diese vielseitige Gattung hat eine tolle Eigenschaft: Fast alle haben eine tolle Herbstfärbung. Der winterblühende

x bodnantense ’Dawn’ fängt gerade an sich zu verfärben, sowie V. plicatum ’Watanabe’ und der Viburnum nudum ’Pink Beauty’ sind schon leuchtend rot.

Andere bunte Gehölze

Herbstliche Farben Hamamelis 'Arnold Promise' © Isabelle van Groeningen

Hamamelis ‘Arnold Promise’

Eine der besten Zaubernüsse, Hamamelis x intermedia ’Arnold Promise’, ist gerade in sein buntes Harlekin Kostüm geschlüpft und zeigt die ganze Farbskala in einem Blatt von grün bis gelb, orange und rot. Ähnlich wie die Kirschen, Felsenbirnen und Schwarzen Apfelbeeren, fängt der Amberbaum

stiraciflua gerade erst an. Dem Kanadischen Judasbaum geht es ähnlich. Im Augenblick ist er transparent gelb, aber wird noch bis ins tief dunkelrot gehen, bevor die Blätter abgeworfen werden. Oxydendron arboreum, unsympathischerweise bekannt als Sauerbaum, ist ein eher seltener Baum, der verwandt ist mit den Heidegewächsen. Die weißen Blüten kommen erst im August und um diese Jahreszeit ist der zierliche Fruchtschmuck, im Kontrast zum Herbstlaub, gut zu sehen.

Stauden mit Herbstlaub

Pfingstrosen sind weit und breit bekannt für ihr Herbstlaub, aber es gibt noch mehr. Auf den Staudentischen ist die Wolfsmilch Euphorbia palustris ‚Wahlenburg’s Glorie’ schon dunkelrot, während andere im Beet noch immer knackig grün sind. Die Bergenien, die es schaffen, fangen auch an zu wechseln. Bergenia cordifolia ‚Abendglut’ hat schon einen roten Schimmer bekommen, genauso wie die Mukdenias: M. ‚Nova Flame’ und M. rosii ‚Karasuba’.

Das Hauptbild im Garten ist noch sehr grün. Aber das wird sich schnell ändern. Ich freue mich jetzt schon auf dieses wechselnde Spektakel, was weiter durch Gräser und die vielen Astern, die letzten Dahlien und viele andere Spätblüher unterstützt wird. Wenn das Wetter es zulässt, haben wir noch locker 6 bis 8 Wochen Farbe auf dem Programm. Genießen Sie es!

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Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.