Erntezeit: Quittenzeit

13. Oktober 2018 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Herbst, Jahreszeiten | Schlagwörter: , , , |

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Der Anblick bei der Friseurin - ein Korb voller Quitten © Isabelle van Groeningen

Der Anblick bei der Friseurin

Neulich wurde jeder Kunde bei unserer Friseurin begrüßt von Körben voller goldener Quitten. Sie hatte ihren Sonntag verbracht mit dem Ernten dieser wunderbaren parfümierten Früchte. Wie bei fast jedem Obstgehölz ist die Ernte dieses Jahr groß und gut. Zur richtiger Zeit war genügend Wasser und Wärme vorhanden, so dass Blüte ungestört von Frost stattgefunden hat. Es war warm genug, so dass reichlich Insekten unterwegs waren, und der lange, sonnige Sommer hat dafür gesorgt, dass die Früchte gut ausgereift sind – selbst wenn sie in einigen Regionen kleiner sind als sonst durch die Trockenheit. Alte Bauernregeln behaupten, dass ein harter Winter folgt, wenn die Natur ihre Speisekammern so gefüllt hat. Da es in den letzten Jahren mehrere Herbstsaisonen gegeben hat wo die Natur sich in üppigstem Fruchtschmuck präsentierte, aber der harte Winter trotzdem ausblieb, habe ich schon lange aufgegeben mich von solchen Ansagen zu beeinflussen lassen. Man soll es genießen wie es ist, und sich auf alle Eventualitäten vorbereiten, damit es keine bösen Überraschungen gibt.

Die Quitte (Cydonia oblonga)

Junger Quittenbaum © Isabelle van Groeningen

Junger Quittenbaum

Ich habe meine Gärten schon mit mehreren Obstgehölzen teilen dürfen und sie eigentlich alle genossen. Der Ernteprozess um diese Jahreszeit hat was sehr Befriedigendes. Äpfel pflücken und lagern, Cornelkirschen sammeln und zu einem Gelee machen, Pflaumen in Marmelade umsetzen oder an kalten Novemberabenden Schleeen durchpieksen um sie dann in Gin einzulegen für Sloe Gin.  Einen Obstbaum den ich leider noch nicht hatte, ist die Quitte, aber sie steht hoch auf meine Wunschliste für meinen nächsten Garten. Bis dann bin ich auf Freunde angewiesen: die wenigsten Quittenbaumbesitzer verarbeiten alle Früchte, und freuen sich über einen Abnehmer.

Attraktive Blüten

Behaarte Früchte © Isabelle van Groeningen

Behaarte Früchte

Es ist nicht nur wegen ihrer dekorativen, stark parfümierten Früchte, dass ich diesen Baum so liebe, es ist auch wegen seiner sehr dekorativen Blüten. In Vergleich mit den eng verwandten Äpfeln und Birnen sind die Quittenblüten relativ groß und zart-rosa bis weiß. Junge Triebe, Knospen und auch die Frucht sind bedeckt mit feiner wolliger Behaarung oder Indumentum. Ein Baum reicht, und da sie in der Regel selbst-befruchtend sind, brauchen sie auch keinen Partner. Traumhafter, unkomplizierter Obstbaum ist die Quitte.

Welche Sorte?

Birnenquitte - Quitten © Isabelle van Groeningen

Birnenquitte

Die eigentliche Sorte ist die Birnenquitte Cydonia oblonga, die tatsächlich eher birnenförmig ist. Die runde ist die Apfelquitte Cydonia oblonga var. maliforma. Da es eine Pflanze ist, die schon seit Jahrtausenden den Menschen begleitet (ja, sowohl die Griechen als auch die Römer hatten sie schon auf den Speiseplan), sind mehrere Selektionen entstanden.

Eine alte Sorte ‘Monstrueux de Vranja‘ soll Früchte bis 2kg produzieren, in Turkmenistan soll es sogar welche geben, die bis 3kg wiegen können. Wer gerne große Früchte hat, soll sich ‘Champion’ pflanzen. Die Portugiesischer Birnenquitte ist etwas delikater, ist allerdings bekannt für ihr gutes Aroma.

‘Konstantinopler’, ‘Leskovacz’, ‘Radonia’ und ‘Wudonia‘ sind sehr winterhart. Die Sorte ‘Cydora Robusta‘ ist unempfindlich für Feuerbrand.

Herkunft

Ihre ursprüngliche Heimat liegt in Südwestasien, an Waldrändern in steinigem Boden in der Türkei, in Armenien, Georgien, Iran bis in Afghanistan. Quitten werden 5 bis 8 Meter hohe Bäume (obwohl die meisten die ich kenne eher klein sind), gedeihen in voller Sonne bis im Halbschatten, obwohl der sonnige Standort wichtig ist für eine gute Blüte und Entwicklung einer süßen Frucht. Sie haben keine hohen Ansprüche an den Boden.

Quitten - Rinde des Quittenbaums © Isabelle van Groeningen

Rinde

Was macht man mit seinen Quitten?

Schön duftende Arbeit mit Quitten © Isabelle van Groeningen

Schön duftende Arbeit © Isabelle van Groeningen

Einfach eine Schale Quitten im Raum stellen um den Duft zu genießen. Ernest „Chinese“ Wilson, der Englischen Pflanzensammler, der Anfang des 20 Jahrhunderts viel Zeit in China verbracht hat, um viele interessante Gartenpflanzen zu sammeln wie den Taschentuchbaum, berichtete, wie in China die Früchte behandelt wurden, um die Häuser zu parfümieren.

Quittengelee ist wohl ein großer Favorit und leicht zu machen, sowie Quittenmus. Quittensaft ist auch was Köstliches, und für die non-alkoholtrinkenden Gäste die gerne was Spritziges zum Anstoßen haben, bietet das Café Fruchtsecco an, auf Basis von Quitten. Ich habe ein köstliches Rezept von Sarah Raven für einen Apfel & Quittenkuchen, den ich unbedingt die kommenden Tage backen möchte. Vielleicht unkonventionell aber nicht desto trotz köstlich ist Quitte mit Wild: Stücke mit im Ofen braten, das parfümiert den Jus. Und dann gibt es natürlich das berühmte Quittenbrot, -Paste oder Membrillo, was in Spanien und in Latein Amerika viel gemacht wird.

Quittenbrot, -Paste oder Membrillo

Membrillo © Isabelle van Groeningen

Membrillo

Ein Marktroller voller wunderbar duftender Apfelquitten ist mit nach Hause gekommen. Es passte gut: wir haben gerade das neue Herbstmenü für das Café zum Drucken gegeben und werden ab Mitte Oktober einen Käseteller anbieten mit hausgemachtem Quittenbrot.

Gestern Abend war es dann so weit. Bewaffnet mit einem scharfen Messer, genügend Zucker und Zitronen haben wir die erste Ladung gemacht. Letzten Herbst hatten wir zum ersten Mal Quittenbrot gemacht. Der Erfolg war groß, die Arbeit auch. Wie beim Schmerz vergisst man jedoch schnell die negative Seite der Dinge. Nachdem die Früchte geputzt, entkernt und weichgekocht wurden, haben wir sie passiert und dann wieder aufgekocht mit Zucker unter ständigem Rühren, damit es nicht anbrennt.

Der Quitten-Topf ist noch nicht voll © Isabelle van Groeningen

Der Topf ist noch nicht voll

Das war der Punkt an dem die Erinnerung am letzten Herbst wieder hoch kam, wo das Versprechen herkam „nie wieder“: Es soll gerührt werden, bis die Farbe sich zu Rot ändert und die Textur fest wird. Bis es so weit ist, geht es durch eine vulkanische Phase, wo die heiße Quittenmasse alles bespritzt, während der Arm langsam lahm wird. Die Zeit zum Nachdenken ergab dann die Entscheidung, dass wir im nächsten Jahr doch lieber mein Apfelchutney zum Käse anbieten sollen (der schmeckt auch köstlich und ist so viel einfacher – man könnte es sogar mit ein paar Quitten bereiten!) Nach fast zwei Stunden Rühren war es dann so weit. Heute Morgen war alles wieder gut beim dem Anblick des köstlichen Quittenbrots, was wunderbar schmecken wird mit würzigem Käse.

Wir hoffen, dass unsere Kunden es genießen werden.

Gabriella Pape beim Quitten-Schneiden © Isabelle van Groeningen

Gabriella Pape

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Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.