Wohin mit dem Laub?

03. November 2018 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Herbst, Jahreszeiten, Neuigkeiten, Übers Gärtnern | Schlagwörter: , , |

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Goldenes Herbst-Laub © Isabelle van Groeningen

Goldenes Herbstlaub

Es ist wieder soweit: Blatt für Blatt kommt das bunte Laub heruntergeflattert. In den letzten Tagen, dank des Windes, in größeren Mengen. Ich höre viele darüber stöhnen, dass der ganze Dreck jetzt zusammengeharkt werden muss, um ihn irgendwie, irgendwo zu entsorgen.

Was tut ein Blatt für uns?

Farbenfrohe Herbstzeit © Isabelle van Groeningen

Farbenfrohe Herbstzeit

Während Sie sich meditativ an die Arbeit machen, sollten Sie sich mal Gedanken machen, was wir diesem Laub alles zu verdanken haben und wie wichtig es eigentlich ist. Diese vielen, bunten, schönen Blätter haben monatelang für unseren Sauerstoff gesorgt. CO² wurde aufgenommen und zu O² umgesetzt und nicht nur das. Sie haben auch unsere Lebensqualität stark verbessert. Während dieses Austauschprozesses wird viel Feuchtigkeit abgegeben. Somit ist nicht nur die Luftqualität unter dem Baum wesentlich besser, das Klima ist auch viel angenehmer, da die Temperatur geringer ist. Genau das war in diesem Sommer besonders schön! Dazu kommt dann auch noch, dass so ein Baum viel Lärm und auch Staub abfängt, damit das Leben noch schöner wird. Bei alledem haben wir von dem ästhetischen Vorteil noch gar nicht geredet.

Wie geht die Natur mit Laub um?

Was passiert mit dem Laub in der Natur? Auf diese Frage ist die Antwort ganz einfach: Nichts. Die Natur hat ein perfektes Recycling-System entwickelt. Das Laub, das auf den Waldboden fällt, wird dank Erdwürmer und anderer Bodenorganismen peu-a-peu zu Humus umgesetzt, wobei wichtige Nährstoffe dem Baum wieder zur Verfügung gestellt werden und die gesunde Bodenstruktur erhalten bleibt. Der Waldboden wird nicht, wie viele Leute befürchten, von Jahr zu Jahr höher wenn Sie eine Mulchschicht auftragen. Er bleibt auf der Höhe, auf der er immer schon war. Ihr Garten ist wahrscheinlich kein Wald, aber es gibt bestimmt Bereiche mit Sträuchern oder sogar Bäumen, wo man ruhig das Laub liegenlassen oder sogar einen Teil dazu packen kann.

Wann sollte Laub entfernt werden?

Laub sammeln © Isabelle van Groeningen

Laub sammeln

Der einzige Bereich, wo ich kein Laub liegenlasse, ist auf dem Rasen. Hier könnten sich, wenn nicht genügend Licht und Luft an den Rasen herankommt, über die langen Wintermonate hinweg Pilzkrankheiten aufbauen. Ähnlich wie der Schneepilz, der sich während langanhaltender Kälteperioden unter Schneedecken bildet. Obwohl es für den Rasen ideal ist, das Laub mit einer Metallharke zusammenzuharken, damit er zur gleichen Zeit leicht vertikutiert wird, ist es das Einfachste, das Laub mit dem Rasenmäher einzusammeln. Besonders nach diesem langen, warmen Herbst, wo das Gras immer noch gewachsen ist, hat man dann zur gleichen Zeit den letzten Schnitt ausgeführt. Das Laub wird klein gehäckselt und mit dem Gras vermischt. Dies ist ein exzellenter Aktivator und beschleunigt den Kompostierungsprozess.

Wohin damit?

Auf die Beete und als Winterschutz:

Laub als Winterschutz © Isabelle van Groeningen

… als Winterschutz

Am besten lassen Sie das Laub auf den Beeten liegen um die Pflanzen zu schützen. Ich packe immer eine dicke Schicht an die Füße meiner immergrünen Magnolien und unserer Palme. Falls der Winter doch kalt wird, werden sie diesen extra Schutz genießen. Frostempfindliche Kübelpflanzen werden von einem Drahtkäfig umhüllt und kuschelig mit Laub befüllt, wie eine Daunendecke.

Laubkompost machen

Wenn der Garten groß genug ist um Laubhaufen unterzubringen, sollen Sie das Laub sammeln und kompostieren. Es kann später als Mulch oder zum Pflanzen von Gehölzen verwendet werden. Auch Eichenlaub kann nach mehreren Jahren zu Kompost werden.

Walnusslaub

Walnusslaub enthalt viel Gerbsäure, was viele andere Pflanzen nicht mögen. Nutzen Sie das aus und packen Sie das Laub auf stark verunkrautete Flächen – es wirkt wie ein natürliches Herbizid.

Nadeln

Kiefernnadeln © Isabelle van Groeningen

Kiefernnadeln

Viele finden Nadeln lästig. Aber sie sind ein idealer Mulch für Rhododendron und andere Heide-verwandte Gewächse, die einen niedrigen pH-Wert mögen. In dünnen Schichten können sie auch mit Kompostmaterial vermischt werden. Wenn Sie keine wollen, sollten Sie sie ihren Freunden oder Nachbarn anbieten.

Sonst können Sie die Nadeln auch bei Ihrem Recyclinghof abgeben oder vom Straßenrand in die grüne Tonne oder in spezielle Säcke einsammeln lassen. In Berlin kann man von der Stadtreinigung, der BSR, Laubsäcke für 4 € kaufen, die am Straßenrand gesammelt werden. Wenn Sie sie selber zum Recyclinghof bringen, bekommen Sie 1 € pro Sack zurück

Harken statt blasen

Und natürlich: Laub sollte geharkt statt geblasen werden. Die Laubbläser sind nicht nur Krachmacher mit denen Sie sich in der ganzen Nachbarschaft sehr unbeliebt machen, sie sind ökologisch eine Katastrophe, da sie nicht nur die kostbare, fruchtbare, obere Erdschicht wegpusten, sie zerstören auch große Mengen Bodenorganismen. Während Sie harken, tun Sie auch Ihrem Körper noch etwas Gutes!

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Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.