Saisonale Vorbereitungen im Gewächshaus

17. November 2018 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Herbst, Jahreszeiten, Neuigkeiten, Übers Gärtnern | Schlagwörter: , , |

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Mein Haus © Isabelle van Groeningen

Mein Haus

Diese Woche wurde die ganze Gartenakademie von vorne bis hinten durchgewühlt. Jedes Gewächshaus wurde ausgeräumt und durchgefegt, die Fenster geputzt und neu dekoriert. Die Vorbereitungen für unsere jährliche Adventsaustellung, die heute, Samstag den 17. November eröffnet wird, sind in vollem Gange.

„Das Glashaus“ (unser Accessoire Haus) und das große Adventshaus sind die zwei großen Gewächshäuser, die zusammen mit dem Mittelgang komplett neu organisiert und dekoriert wurden. Alles was darin war, musste raus, neue Tische kamen rein und dann fingt das Dekorieren an. Alle Mitarbeiter haben hart gearbeitet in den letzten Tagen.

Ob es das Auspreisen der letzten Weihnachtsbaumkugeln, Fensterputzen, das letzte Laub wegfegen, das Auspacken von Waren, Blumen arrangieren oder Bäume dekorieren war. Dieses Jahr fühlte es sich komisch an, da wir uns gerade erst vor Kurzem von den noch recht sommerlichen Temperaturen verabschiedet haben. Zum Glück sinken dann doch gerade noch rechtzeitig die Temperaturen auf normale Verhältnisse, sodass man in die richtige Stimmung kommt.

Rot ist die Liebe © Isabelle van GroeningenRot ist die Liebe © Isabelle van Groeningen

Rot ist die Liebe

Nachtfrost

Die angekündigten Nachtfröste sind zwar noch nicht heftig, aber stark genug, um den ersten Schaden bei einigen total frostempfindlichen Pflanzen anzurichten. Dahlien sind ganz schnell matschig. Obwohl die Knolle im Boden viel mehr aushält, braucht das Laub nur wenig um schwarz zu werden. Zum Glück sind viele Pflanzen nicht ganz so empfindlich. Wir werden uns aber bald auch von unseren schönen Baumfarnen zuhause verabschieden müssen. Sie sind zwar sehr geschützt in unserem kleinen Innenhofgarten und können einige Minusgrade aushalten, aber zu viele dürfen es auch nicht sein. Sie werden ihr gespenstisches Fleece in den kommenden Nächten übergezogen bekommen, bevor der Umzug in die Gewächshäuser stattfinden kann.

Mein kleines Gewächshaus

Topfbereich © Isabelle van Groeningen

Topfbereich

Meine absolute Lieblingsaufgabe diese Woche war wohl das Dekorieren von unserem kleinsten Gewächshaus. Wir haben zwei Schauhäuser aus Zedernholz eines englischen Gewächshausbauers, die wir verkaufen. Mein ganzes Leben habe ich von so einem Haus geträumt, allerdings habe ich es mir nie erlaubt. Ich bin schon immer zu viel unterwegs gewesen. Nichts ist schwieriger, als jemanden zu fragen, ob er sich um deine kostbaren Sämlinge kümmert. Einen Nachbarn zu bitten, die Katze zu füttern, ist einfach. Aber Pflanzen zu gießen ist eine Kunst, die leider nur wenige verstehen. Also kein Gewächshaus.

Gewächshäuser auf den Winter vorbereiten

Deshalb habe ich meine Aufgabe so genossen. Es hat nicht lange gedauert, um zu entscheiden, wie ich es dekorieren möchte. Der erste Schritt war das, was jeder Gewächshausbesitzer um diese Jahreszeit unbedingt tun sollte: Der herbstliche Frühjahrsputz. Ich habe noch nie einen Putzfimmel besessen, das gebe ich ehrlich zu. Aber in diesem Fall ist es wichtig. Nicht nur die Kälte macht den Pflanzen zu schaffen. Lichtmangel, Feuchtigkeit und die daraus entstehenden Krankheiten bedrohen die Pflanzen. Genau deshalb ist die Putzaktion so wichtig. Gründlich fegen und Flächen abwischen, die Erdreste, totes Laub und andere potentielle Problemstellen müssen entsorgt werden.

Lichtmangel für Pflanzen während der Wintermonate

Fensterputzen lässt wesentlich mehr Licht rein. An sonnigen Sommertagen bekommen Pflanzen ungefähr 100.000 Lux. An bedeckten Tagen reduziert sich das auf 20.000, an einem grauen Wintertag sind es nur noch 3.500 und in Ihrer Wohnung, am Fenster, sind es höchstens noch 2.000. Einen Meter entfernt vom Fenster gibt es nur noch 1.000 Lux, was echt das Wenigste ist, was Pflanzen brauchen. Bitte bedenken Sie das, bevor Sie Ihre Palme von der Terrasse ins Wohnzimmer schleppen!

Je wärmer es eine Pflanze in ihrer Heimat hat, desto frostempfindlicher ist sie. Meistens ist diese Heimat nicht allzu weit vom Äquator entfernt, wie es zum Beispiel bei vielen Zimmerpflanzen der Fall ist. Die Nähe zum Äquator bedeutet gleichmäßigere Temperaturen UND Tageslängen – 12 Monate lang. In Nordeuropa können wir zwar viel längere Sommertage anbieten, aber dafür viel kürzere Wintertage und, wenn sie dann scheint, ist die Sonne viel weiter entfernt und somit viel schwächer. Für blattverlierende Pflanzen kein Thema, für die Wintergrünen schon.

Feuchtigkeit in Gewächshäusern

Kondenswasser bildet sich in Gewächshäusern sehr schnell. Bei niedrigen Temperaturen und wenig Licht verbrauchen blattverlierende Pflanzen kaum Wasser. Sie sollten gerade feucht sein, aber nicht nass. Selbst wintergrüne Gehölze, wie Zitrone oder Oleander, gehen während dieser dunklen, kalten Jahreszeit durch eine Ruhephase und sollten auch nicht zu viel gegossen werden. Zu nasse Füße und hohe Luftfeuchtigkeit verursachen schnell Pilzprobleme. An sonnigen, frostfreien Tagen ist es sehr wichtig, Türen und Fenster zu öffnen und zu lüften. Wenn es nicht friert, ruhig die Lüftung auflassen, damit die Luft zirkulieren kann. Unsere fleißigen Gärtner sind unermüdlich gewesen und haben die letzten empfindlichen Pflanzen diese Wochen liebevoll, wie ein riesiges Tetrisspiel, in die zwei kleinen, gut heizbaren Gewächshäuser gepackt.

Pflanzentetris © Isabelle van Groeningen

Pflanzentetris

Genießen Sie Ihr Gewächshaus

Gewächsthaus - auch für Abends © Isabelle van Groeningen

Gewächsthaus – auch für Abends

Ich liebe es, durch dieses Haus zu gehen. Die höhere Luftfeuchtigkeit und die ganzen Duftpflanzen, wie Duftpelargonien und Zitrusbäume, stimulieren jedes Mal die Nase. Es riecht einfach köstlich und die Atmosphäre ist wunderbar. Mit diesen Gedanken habe ich dann auch „mein“ kleines Häuschen eingerichtet. So kann man auch an den kostbaren, sonnigen Wintertagen das Licht und die Wärme der Sonnenstrahlen dort genießen. Ich hoffe es ist Ihnen eine Inspiration, das Gleiche zu tun.

Gehirnstimulation Gewächshaus © Isabelle van Groeningen

Gehirnstimulation

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Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.