Die neue Saison planen

Geranium 'Jolly Bee' © Isabelle van Groeningen

Geranium ‘Jolly Bee’

Während draußen die Verkaufsfläche der Bäume, Sträucher, Rosen und Stauden geräumt wurde, um Platz zu machen für den jährlichen Weihnachtsbaumverkauf und drinnen die Kunden sich durch den Mittelgang schieben, um ihre Geschenke zu kaufen, sitzen Thea und ich am Schreibtisch mit unserem Kopf bereits im nächsten Sommer. Wir bereiten unsere Staudenbestellungen für das Frühjahr vor.

Noch nie habe ich so im Takt mit den Jahreszeiten gelebt und schätze es sehr. Wir hätten es schon eher machen sollen. Aber die Zeit freizuschaufeln ist nicht leicht. Es in der laufenden Saison zu tun finde ich auch schwierig.

Pflanzen, die (für mich) neu sind

Zuerst schaue ich durch die Bilder und Notizen, die ich im Laufe der Saison während einiger Vorträge, Gärtnerei- und Gartenbesuche gemacht habe, von interessanten Pflanzen, die wir unbedingt haben sollten. Das sind nicht unbedingt neue Sorten, sondern einfach Pflanzen, die ich noch nicht kannte oder über die Jahre hinweg aus dem Auge verloren habe und von denen ich der Meinung bin, dass sie unbedingt einen Platz in unseren Gärten verdient haben. Ich kenne vielleicht schon viele Pflanzen, aber es gibt noch so viel mehr zu entdecken. Das ist genau das, was ich so an meinem Beruf liebe. Die ständige Freude an Neuem und Schönem. Immer in der Hoffnung, etwas Wunderbares zu finden, neugierig auf der Suche nach Pflanzen für schwierige Standorte. Ständig sind wir auch für bestimmte Beete an der Gartenakademie auf der Suche.

Neue Pflanzeneinführungen

Dann schaue ich mir die Kataloge von Lieferanten an, um zu sehen, was sie an Neuigkeiten anzubieten haben. Dieses können Wildsorten sein, die erst seit Kurzem bekannt und in den Handel gewandert sind. Es können auch neue Züchtungen sein, die Gärtner nach mehreren Jahren Beobachtung ausgewählt haben. Ich bin immer neugierig, aber etwas vorsichtig. Einige Pflanzengattungen sind zurzeit sehr beliebt, sodass jedes Jahr mehrere neue Sorten im Angebot sind. Hemerocallis (Taglilie), Geranium (Storchschnabel), Hosta (Funkie), Heuchera (Purpurglöckchen) und Echinacea (Sonnenhut) sind so einige der Gattungen, bei denen schneller Zuwachs zu beobachten ist. Nicht immer ist dieser Nachwuchs positiv (nach meiner Meinung).

Echinacea

Echinacea Cheyenne Spirit Echinacea Cheyenne Spirit Echinacea Cheyenne Spirit © Isabelle van Groeningen

Echinacea Cheyenne Spirit

Obwohl die Farbvarianten der Sonnenhüte sehr schön sind, mit ungewöhnlichen Gelb-, Orange- und Rottönen, sind sie meist keine stabilen Gartenpflanzen. Sie erleben oft kein zweites Jahr. Die vielen gefüllten Sorten benutze ich ungerne, da sie nichts für Insekten zu bieten haben.

Hemerocallis

Bei Taglillien sind inzwischen Blütenformen und Farbkombinationen im Angebot, die so weit entfernt von den ursprünglichen, zierlichen Wildformen liegen, dass sie fast grotesk wirken. Inzwischen gibt es auch schon so viele Sorten, dass es nur selten einen Durchbruch gibt, wo man echt sagen kann: „Das ist mal was Anderes“.

Heuchera

Bei den Purpurglöckchen sind inzwischen so viele mit Blättern in unterschiedlichsten Gelb-, Karamell-, Rost-, Orangetönen erhältlich, die nur wegen ihrer besonderen Blattfarbe selektiert wurden, ohne dass sie wirklich auf ihre langjährigen Gartenfähigkeiten getestet wurden. Allerdings habe ich für mich in den letzten Jahren die wintergrüne Heuchera villosa und ihre Sorten entdeckt. Eine robuste Form, die üppig im Spätsommer bis in den Herbst blüht. H. villosa ’Chantilly’ hat etwas dunklere, kleinere, wintergrüne Blätter. H. villosa ‘Felt Room‘ hat große, filzige, hellgrüne Blätter und produziert im August ca. 90 cm lange, weiße Blüten, die bis tief in den Herbst schön sind. Diese Sorte ist allerdings immer noch sehr schwierig zu finden. Eine ähnliche Alternative ist H. villosa var. macrorhiza.

Geranium

Storchschnabel sind wunderbare, praktische Gartenpflanzen. Aber die feinen Unterschiede zwischen einer Sorte und der nächsten, sind oft schwierig zu sehen. Jahre hat der Streit gedauert ob nun ’Rozanne’ oder ’Jolly Bee’ besser ist. So lange, bis Wissenschaftler anhand einer DNA Analyse beweisen konnten, dass die Differenz zwischen beiden Sorten so gering ist, dass es sich nicht um zwei unterschiedliche Sorten handelt. Inzwischen gibt es noch einige Sorten die langer blühen, die somit ein größeren Gartenwert haben. ‚Patricia‘ mit ihren magentafarbenen Blüten gibt es schon länger. Aber ‘Sweet Heidi‘ ist eine gute Ergänzung.

Bestelliste

Jetzt gehen wir durch unsere Liste von dem, was wir so alles im Laufe der Saison im Angebot haben. Obwohl wir versuchen, ein Grundsortiment mit einigen Klassikern die man halt haben muss, wie z. B. Frauenmantel, einige Storchschnabel, gewisse Astern, Rudbeckien und viele andere anzubieten, ändert sich ständig das Angebot. Die Entscheidung, was wann gebraucht wird, in welchen Stückzahlen und Topfgrößen ist jetzt wenig aufregend, aber wichtig und nicht unkompliziert. Wir haben inzwischen schon bei „C“ angefangen. „Z“ ist noch ein weites Stück entfernt. Inzwischen träumen wir weiter von Frühlingsschattenecken und sommerlichen Staudenrabatten in viele bunte Farben. Einfach herrlich!

Ich wünsche Ihnen allen einen schönen 3. Advent!