Frühling gesichtet!

12. Januar 2019 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Frühling, Jahreszeiten, Zwiebeln | Schlagwörter: , , |

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Anemone blanda - Farben für den Frühling © Isabelle van Groeningen

Anemone blanda

Ich hoffe, Sie konnten das neue Jahr friedlich, glücklich und gesund anfangen und ich wünsche Ihnen, dass es für die nächste 12 Monate so weiter gehen kann.

Am Dienstag hat die Gartenakademie nach einer kurzen Winterpause ihre Tore wieder geöffnet und auch ich war zum ersten Mal dieses Jahr wieder da. Unsere Chefgärtnerin Thea Carlin hatte schon früh morgens ihren ersten Großmarktbesuch des Jahres getätigt. Der ist inzwischen alte Tradition geworden: kaum sind die letzte Weihnachtssachen weggeräumt, heißen wir die ersten Frühjahrsblüher willkommen. Selbst wenn es noch ein bescheidener Einkauf ist, tut es einem so gut durch das Frühlingshaus zu schnuppern und die herzerwärmenden bunten, fröhlichen Farben der ersten Blüten zu sehen. Wie es so ist, sind die dominanten Farben am Saisonanfang gelb, blau und weiss, obwohl wir auch einige schöne Primeln und Hornveilchen in dunkelrot, orangerot und rosa haben.

Die ersten Zwiebeln legen los

Es ist nicht alles verkauft. Im Laufe des Herbstes hatten wir einige unserer Zwiebel getopft und in ein leicht geheiztes Gewächshaus gestellt. Die ersten Puschkinien und Crocus fangen an zu blühen und natürlich legen Winterlinge, Anemonen und Schneeglöckchen auch schon los. Der große Vorteil einige von diesen Zwiebeln in Töpfen zu haben ist, dass man sie von nahe besser beobachten kann als wenn sie weit entfernt, gerade mal eine Nase aus dem Boden stecken. So sind die Knospen von Crocus fuscotinctus gerade bezaubernd. Das satte Ockergelb mit seinen feinen zierlich rötlichen Streifen wie ein Zebra sind mir noch nie so aufgefallen wie heute. Im Garten sieht man das Detail nicht so genau. Kleine Iris haben auch schon fette Knospen und werden bald ihre ersten elektrifizierenden Blüten zeigen.

Ich weiß, dass ist geschummelt, sie sind vorgetrieben und kommen allen aus geheizten Gewächshäusern und dürfen noch nicht gleich raus. Aber eine geschützte Balkonecke, oder besser noch, die alten Berliner Doppelfenster, wo gerade genug Platz zwischen den beiden Scheiben ist um einige Töpfchen zu platzieren, sind genau das Richtige.

Duft und Farben für drinnen

Aschenblume oder Zineraria © Isabelle van Groeningen

Aschenblume oder Zineraria

Einige der Primel wie die Becherprimel können gut drinnen blühen, so lange man sie nicht vertrocknen lasst. Sie sind nämlich ganz schnell beleidigt. Einmal trocken, sind sie fit für den Komposthaufen. Am besten stehen sie in einem nicht zu heißen Platze wie Flur, Gäste-WC oder auf der Schlafzimmerfensterbank. Die Duftnarzissen und Hyazinthen sind natürlich auch besonders schön im Haus da der wunderbare Duft einen Raum parfümieren wird. Frühe Farbe für drinnen gibt es um diese Jahreszeit auch von Aschenblumen oder Zinerarie. Schon als kleines Kind habe ich diese Blume geliebt. Als dreijährige bin ich nach meinem ersten Tag im Kindergarten nach Hause gekommen und habe stolz angekündigt das meine Lehrerin eine Zinerarie hatte. Damals haben mir diese schwierigen Pflanzenarten offensichtlich keine Angst gemacht. Die leuchtenden Farben, dieser Pflanzen, haben mich in diese oft triste Jahreszeit fasziniert. Wie die Primel sind sie trockenempfindlich, mögen allerdings keine Staunässe. Am besten tauchen Sie sie in handwarmes Wasser um sie dann abtropfen zu lassen, bevor sie wieder im Übertopf verschwinden. Vermeiden Sie einen Platz direkt über der Heizung!

Aschenblume © Isabelle van Groeningen

Aschenblume

Lebenszeichen draußen: Winterblühende Gehölze

Wir sind zum Glück (noch?) nicht befallen von der riesigen Schneelast, die es im Süden Deutschlands und in die Alpen gerade gibt. Die Nachrichten zeigen Horrorbilder, während Berlin immer noch verhältnismäßig milde Temperaturen genießt. Eine kleine Runde draußen während eines windstillen Sonnenstrahlenaugenblick zeigt, dass einiges schon wach ist. Im Innenhof vor unsere Wohnung blüht Prunus subhirtella ‚Autumnalis‘ mit seinen fröhlichen kleinen weißen Blüten wie zahlreiche Schneeflocken. Seit Wochen warte ich auf diesem Moment: Kurz vor Weihnachten waren die Knospen schon dick und grün und kurz vor der Explosion. Im Garten in Belgien rollen sich die erste Zaubernußblütenblätter auf und der Winterjasmin zeigt seine gelbe Blütenkaskade. An der Gartenakademie haben die winterblühenden Heckenkirschen auch schon ihre ersten Blüten. Noch bescheidener ist Lonicera purpusii mit seinen creme-weiße, stark duftenden Blüten, die ich schon seit langem kenne. Neu sind die zart lila-weißen Blüten vom sonst ähnlichen Lonicera standischii. Beiden sind bescheiden in ihrer Blütenpracht, aber das Parfum gewinnt jeden Preis.

Blühende Zwiebeln

Cyclamen coum © Isabelle van Groeningen

Cyclamen coum

Auf niedriger Ebene legt es auch schon los. Die ersten Alpenveilchen der Saison fangen an: Leuchtend pinke Knospen von Cyclamen coum zeigen sich unter den vielseitig markierten Blättern. Zwischen die wunderbar bemusterten Blätter der Herbstalpenveilchen Cyclamen hederifolium stehen Schneeglöckchen parat und kurz vor der Blüte: die dicken weißen Knospen brauchen nicht mehr lange bevor sie sich entfalten. Zahlreiche Zwiebeln haben ihre Blätter schon kräftig aus der Erde geschoben.

Die ersten Stauden

Die fleißige Helleborus-Gattung hat losgelegt. Helleborus niger, die Christrose, ist immer die erste, die blüht. In vielen unserer Gärten tut sie sich etwas schwer, da sie eine kalkliebende Pflanze ist und meckert, wenn der Boden zu sauer ist. Weniger empfindlich sind die andere Helleborus-Sorten, wie die Lenzrose H. orientalis und H. sternii. Den letzten Jahren haben Züchter sich sehr mit diesen Sorten beschäftigt. Dadurch sind mehrere Hybriden entstanden, die die guten Eigenschaften kombinieren, so dass es kräftigere Pflanzen gibt, die auch im Garten schon um die Weihnachtszeit anfangen zu blühen.

Da kommt bestimmt noch böses Wetter auf uns zu, aber diesen ersten Frühlingsgefühlen möchte ich nicht verpassen. Das Wissen, dass die Tage langsam wieder länger werden, sorgt dafür, dass dieser sonst lange dunkle Monat plötzlich kürzer und heller erscheint! Holen Sie sich auch den ersten Frühlingsboten ins Haus: Sie machen das Träumen von allem Schönen, was auf uns wartet, leichter!

 

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Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.