Über Iris ‘Katherine Hodgkin‘ und Alpinenhäuser

19. Januar 2019 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Jahreszeiten, Winter | Schlagwörter: , , , |

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Iris 'Katharine Hodgkin' © Isabelle van Groeningen

Iris ‘Katharine Hodgkin’

Heute habe ich auf meinen Schreibtisch eine perfekte, kleine Iris hingestellt: Iris ‘Katharine Hodgkin‘. Nicht nur, dass sie in Detail und Farbe ganz wunderbar ist, sie ist entzückend, da sie schon jetzt in voller Blütenpracht vor mir herum kokettiert. Sie ist eine absolute Nostalgiepflanzen für mich.

Sie ist in den späten Fünfzigerjahren als eine Kreuzung zwischen Iris histrioides und Iris winogradowii entstanden. Dieser seltene, duftende Frühjahrsblüher stammt aus steinigen, subalpinen Wiesen in Transkaukasien und blüht ca. 15 cm hoch, in zartem Schwefelgelb. Iris histrioides oder „Kleine Zwerg-Schwertlilie“ produziert ihre blauen bis violettblauen Blüten im Vorfrühling und wird ca. 10 – 20 cm hoch. Sie stammt aus der Türkei, wo sie in leichten Kiefernwäldern und an Berghängen ab 1.500 m gedeiht. Wie bei vielen, frühblühenden Iriszwiebel, treibt das Laub erst nach der Blüte. Schmale, fast dreieckige Blätter können bis zu 40 cm hoch wachsen.

Aparte Farben

Schreibtischfreude © Isabelle van Groeningen

Schreibtischfreude

‚Katharine Hodgkin‘ hat die frühen Blütengene der kleinen Zwerg-Iris geerbt, farblich hat sie sich jedoch eine ganz eigene Mischung ausgedacht. Ihre drei aufrecht stehenden Domblätter sind weiß, mit sehr feinen, hellblauen Streifen, die wie Adern aussehen. Die Hängeblätter sind eher cremefarbig bis grünlich gelb und haben auch sehr feine blaue Markierungen. Das Ganze macht einen sehr aparten bleu-blau-grün Eindruck, nicht so einfach zu beschreiben ist. Früher fand ich diesen Farbton schwierig, weil er mir nicht frisch genug wirkte. Heutzutage liebe ich diese ungewöhnlichen Farbtöne.

Alpinenhaus

Bis vor wenigen Jahren war diese Iris-Sorte eher selten und noch nicht so weit verbreitet. Sie verursachte immer eine kleine Sensation, wenn eine perfekte Schale voll mit dieser blühenden Schönheit im Alpinenhaus ausgestellt wurde. Es erscheint vielleicht etwas bizarr, ein Gewächshaus speziell für Pflanzen aus höheren Gebirgen zu haben, da sie doch perfekt winterhart sind, aber im späten 19. Jahrhundert war es große Mode für Engländer, in die Alpen in den Urlaub zu fahren. Als Pflanzenliebhaber brachten sie diese außergewöhnlichen, kompakt wachsenden Pflanzen und Saatgut mit nach Hause. Die kühlen, feuchten, englischen Sommer und milde Winter bereiteten allerdings vielen dieser Pflanzen große Probleme. Statt zu erfrieren, was hier meistens die Sorge ist, faulten sie schnell weg. Daher haben die Briten sich luftige Gewächshäuser gebaut, die gut ventiliert sind, die Regen fern halten und eine gute Luftzirkulation erlauben, damit sie während der heißen Sommermonate möglichst kühl stehen und die Pflanzen, die daran gewöhnt sind, viele Monate unter eine isolierenden Schneedecke trocken zu leben, in Windeseile nach der Schneeschmelz loslegen. Oft wachsen die Wurzeln tief zwischen die Steinspalten und sind in den Sommermonaten heiß und trocken. Wind und Wetter, in Kombination mit einer kurzen Wachstumsperiode, halten dabei die Pflanze kurz und kompakt.

Wechselendes Blumendisplay

Alpinenhaus Wisley © Isabelle van Groeningen

Alpinenhaus Wisley

Obwohl in den meisten Alpinenhäusern ein Teil der Pflanzen permanent ausgepflanzt ist, gibt es auch fast immer einen Bereich, wo Pflanzen in Kübeln oder Schalen, in voller Blüte ausgestellt werden. Oft leben diese Pflanzen in Frühbeeten, wo die Glasabdeckung den Regen fernhält. Dieser leichte Schutz hilft, damit die kleinen Zwiebeln und frühen Stauden wie Primeln, frühzeitig austreiben. Genau das macht diese Alpinenhäuser um diese Jahreszeit immer zu einem wahren Genuss. Egal wie eklig es draußen noch ist, hier tanzt der Frühling schon mit delikaten, farbenfrohen Miniaturpflanzen. Mitte März war ich als 17-Jährige zum großen Interview im Botanischen Garten von Kew eingeladen um mich für einen der begehrten Studienplätze zu bewerben. Ich werde den Anblick des Alpinenhauses an diesem Tag nie vergessen. Später als Student dort und auch im Garten von Wisley habe ich meine Zeit in diesen Häusern geliebt. Die Kombination dieser großen Vielfalt an Blüten, deren bezaubernde, kompakte Wuchsform und die Tatsache, das dann auch noch auf Nasenhöhe zu haben, sodass man die Details gut beobachten kann, war ein wahrer Genuss. Gewisse Pflanzen transportieren meine Gedanken immer sofort zurück in diese aufregende Zeit der Entdeckung. Iris ‘Katherine Hodgkin’ ist eine davon.

Gönnen Sie sich die Zeit in den kommenden Wochen und Monaten, um diese Zwerg-Iris aus der Nähe zu betrachten. Ihre Gestaltung ist zauberhaft.

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Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.