Der Kitchen Garden von West Dean – Englands berühmtester Küchengarten

Traumjob © Isabelle van GroeningenTraumjob © Isabelle van Groeningen

Traumjob

Ich habe es geschafft! Seit letztem Sommer, als zwei alte Freunde mir erzählten, dass sie Ende März 2019 in Rente gehen, wollte ich unbedingt ihren Arbeitsplatz nochmal besuchen, bevor sie ihn verlassen. Ich weiß, es erscheint Ihnen vielleicht ein etwas ungewöhnliches Bedürfnis. Aber wenn Sie den Garten kennen würden, den diese beiden erstklassigen Gärtner verlassen, möchten Sie bestimmt auch gleich hin.

Jim Buckland und Sarah Wain

West Dean House © Isabelle van Groeningen

West Dean House

Nach mehreren Jahren der Zusammenarbeit mit seiner australischen Frau in unterschiedlichen Gärten, bekam Jim Buckland 1991 die Position als Head Gardener in West Dean. Noch im gleichen Jahr wurde auch Sarah Wain als Verantwortliche für den Walled Kitchen Garden – den ummauerten Küchengarten angestellt. Zusammen mit dem Gärtnerteam haben die beiden es geschafft, die Fläche, die jahrelang als Gartencenter verpachtet war, zu restaurieren und ihm wieder zu seiner Pracht aus dem späten 19. Jahrhundert verholfen. Alle Gewächshäuser und Frühbeete wurden liebevoll repariert, Instand gesetzt und werden seitdem wieder für ihren ursprünglichen Zweck eingesetzt. So sind die 13 Häuser und mehrere Frühbeete, die je nach Pflanze die sich dort wohlfühlen sollte, unterschiedlich gebaut waren, wieder gefüllt.

Der Küchengarten

 

Es ist nicht nur ein Gemüsegarten. Die drei Bereiche sind aufgeteilt in Gemüse, Obst und Gewächshäuser. Jedes Gutshaus hatte so einen Gartenbereich. Hier wurde all das Obst und Gemüse für das Gutshaus produziert, aber auch die Zimmerpflanzen- und die Blumendekoration für das Haus kamen von hier. Auch die Produktion und Vermehrung der Pflanzen für den Rest des Gartens wurde von diesem geschützten, mit Mauern umgebenen Gartenbereich versorgt. Die Mauern haben drei Zwecke. Sie schaffen ein geschütztes Mikroklima, damit sich der Boden schneller erwärmt, sodass Pflanzen schneller wachsen und früher blühen. Unerwünschte Besucher wie Rehe, Hasen und Kaninchen sind leicht auszuschließen. Das ganze Mauerwerk bietet sich an, um schönste Obstspaliere zu haben, die an diesen warmen Stellen, an den aufgeheizten Mauern, noch früher anfangen zu blühen.

Die Gewächshäuser

Farnhaus © Isabelle van Groeningen

Farnhaus

Es gibt ein warmes, feuchtes Orchideenhaus, ein etwas kühleres Farnhaus in Richtung Norden gerichtet, ein doppeltes Haus mit weiteren Zimmerpflanzen wie Begonien mit besonderen Blattformen und Drehfrucht oder Streptocarpus, die in viktorianischen Zeiten gerne benutzt wurden, um die Zimmer im Haus zu dekorieren. Um diese Jahreszeit steht das Pfirsichhaus in voller Blüte, während im Nachbarhaus der Wein, rigoros geschnitten, noch im Winterschlaf ist. Das Saatgut für die Chilis im Chillihaus wurde gerade vor einigen Wochen ausgesät. Die Häuser werden in einem Vierjahreszyklus auf Trab gehalten, damit das Ensemble immer strahlend frisch ist.

Das Gemüse

Chlli Haus © Isabelle van Groeningen

Chlli Haus

Noch war es bei meinem Besuch Ende Februar zu früh für die Gemüsebeete. Die Jungpflanzen lauerten noch unter Glas, die Erde war noch zu kalt für die erste Aussaat. Der große Vorteil daran ist, dass man sich um diese Jahreszeit viel besser auf das Obst konzentrieren kann, welches im Sommer etwas im Hintergrund verschwindet. Im Sommer sind die Beete mit allem was ein Gemüsegarten hergeben kann gefüllt. Hier wachsen verschiedenste Kohlsorten, Salate, Möhren, Zwiebeln und deren Verwandte und vieles mehr. Besonders die Tomaten sind mit einer riesigen Vielfalt repräsentiert. Jeden Sommer findet das Tomatenfestival statt. Ähnlich gibt es jeden August das Chili Festival. Die Chilipflanzen werden, wie die Auberginen auch, in einem der Gewächshäuser gehalten – sie sind für das englische Wetter nicht so geeignet.

Das Obst

Obst Wiese © Isabelle van Groeningen

Obst Wiese

Das südliche Viertel hat eine große Streuobstwiese und am Rand wunderbar in Form geschnittene Obstbäume. In der Ecke dieses Gartens steht das Obstlager – ein bezauberndes Gebäude, aus dem lokalen Feuerstein gebaut. Hier wurden die Äpfel gelagert. Alle Mauern, die nicht mit Gewächshäusern bekleidet sind, sind mit irgendwelchen Spalieren in unterschiedlichsten Formen bewachsen. Von Pfirsichen bis hin zur Sauerkirsche, Äpfel und Birnen. Die eine schöner und perfekter als die andere.

Harold Peto

Wir haben diesen schönen Küchengarten Harold Peto bei Wikipedia zu verdanken. Dieser englische Architekt, hat am Ende des 19. Jahrhunderts mehrere traumhafte Gärten gestaltet und auch diesen Küchengarten und die spektakuläre Pergola, die nördlich des Hauses liegt. Beides sind tolle Beispiele für seine großartigen gestalterischen Fähigkeiten. Stark beeinflusst von der italienischen Gartenkunst, haben all seine Gärten ein italienisches Flair.

 

West Dean

Obstlager © Isabelle van Groeningen

Obstlager

Der letzte Besitzer, Edward James, hat das Gut 1964 der Edward James Foundation gestiftet. Anfang der Siebzigerjahre entstand die Schule für Kunst und Restauration. Der Garten und der schöne Park nisteten sich um das historische Anwesen. Der Garten wurde in den letzten 28 Jahren von Jim und Sarah wiederbelebt und instandgesetzt So kann der Besucher nicht nur den Küchengarten besuchen, sondern auch einen schönen Spaziergang durch den Rest des Anwesens machen. Es lohnt sich! Auch wenn die zwei Protagonisten nicht mehr da sein werden – ein guter Nachfolger wartet schon hinter den Kulissen.

Parklandschaft © Isabelle van Groeningen

Parklandschaft