Die ersten Stauden für den Schatten

23. März 2019 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Frühling, Jahreszeiten, Stauden | Schlagwörter: , , |

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Crocus fuscotinctus - frühe Stauden © Isabelle van Groeningen

Crocus fuscotinctus

Die ersten sind schon wieder vorbei, die nächste Runde fängt an. Die frühen Zwiebeln waren traumhaft dieses Jahr. Schneeglöckchen haben mich echt erwischt. Bis jetzt war es immer so, dass ich sie alle nett und bezaubernd fand, war aber nicht dazu bereit, tief in die Tasche zu greifen um viel Geld für eine kleine Zwiebel, deren drei weiße Blütenblätter sich hübsch wie ein kleiner Helikopter spreizen, auszugeben. Dieses Jahr habe ich unter anderem Galanthus ‚Eisbär‘ für mich entdeckt. Der Kopf nickt nicht ganz so tief wie bei den meisten Sorten und die recht dicken Blütenblätter strecken sich bis weit hinter die Ohren, wenn er aufblüht. Die anderen, die mich wieder mal entzückt haben, sind die Krokusse. Die frühen, kleineren Sorten, wie die goldgelben Crocus fuscotinctus, mit rot-braun gefiederten Markierungen und die blaue C. tommasinianus, waren prächtig. Die Bienen zu beobachten, wie sie sich in die noch nicht ganz geöffneten Blüten reinkämpfen, um dort den Pollen abzuernten, war ein schöner Anblick. Es sind die ersten, wichtigen Pollenspender für unsere Bienen, die nach dem Winter dringend auf Nahrungssuche gehen müssen.

Lungenkraut

Pulmonaria dacica 'Azurea' - erste Stauden © Isabelle van Groeningen

Pulmonaria dacica ‘Azurea’

Die ganzen Scillas und ersten Narzissen legen jetzt los. Sogar einige Tulpen zeigen sich schon, begleitet von den ersten, frühen Stauden. Viele dieser Frühblüher sind Schattenpflanzen, die diese helle Zeit ausnutzen, bevor die Blätter der Bäume über Kopf wieder austreiben. Hummeln und Bienen lieben zu dieser Zeit das Lungenkraut. Pulmonaria ist ein schöner Bodendecker für schattige Ecken. In weiß, rosarot oder unterschiedlichen Blautönen ist dieser Bodendecker oft eher für sein Laub bekannt als für die Blüte. Oft sind sie silber gepunktet oder sogar gänzlich mit Silber überzogen wie die P. ‚Majesté‘. P. ‚Sissinghurst White‘ hat eine sehr frische Wirkung mit rein weißen Blüten, die gut zu den silbernen Markierungen passen. Eine ganz zartblaue, stark gepunktete Sorte, die ich besonders gerne mag, ist ‚Occupol‘. Im rötlichen Farbspektrum ist P. rubra ‚Redstart‘ eine tolle, kräftige Sorte, deren hellgrüne Blätter ohne die typischen Punkte sind. Das Problem von Lungenkraut ist, dass bis zum Spätsommer die Blätter meist mit Mehltau befallen sind und unglücklich mit ihrem weiß überzogenen Pilzmantel im Gartenbild stehen. Es ist empfehlenswert, die Pflanzen gänzlich nach der Blüte zurückzuschneiden. Erstens, damit sie sich nicht aussähen können (Die Sämlinge sind meistens bunt gemischt) und zweitens, damit nochmal frische Blätter kommen, die bis zum Herbstanfang auch frisch bleiben werden.

Pulmonaria 'Majeste' frühe Stauden © Isabelle van Groeningen

Pulmonaria ‘Majeste’

Das Großblätterige Scheinschaumkraut

Ein wenig bekannter Frühblüher ist das Großblätteriges Scheinschaumkraut Pachyphragma macrophylla. Es ist eine tolle Schattenstaude, die nachdem die Schneeglöckchen aufgehört haben, mühelos die Saison weiterführt. Kleine, reinweiße Blüten wachsen bis zu 40 cm hoch über das Laub, was in milden Wintern wie diesem grün bleibt. Es liebt Schatten, kommt mit weniger Wasser im Sommer zurecht und ist eine langlebende Staude, dessen Blätter auch im Spätsommer noch schön sind. Probieren Sie es mal in Ihrer dunklen Frühlingsecke!

Genießen Sie das Aufwachen der Natur – es geht rasant voran!

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Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.