Was jetzt im Mai los ist

04. Mai 2019 von Isabelle Van Groeningen
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Rhododendron luteum 'Jolie Madame' © Isabelle van Groeningen

Rhododendron luteum ‘Jolie Madame’ im Monat Mai

Sie sind bezaubernd! So viele Leute haben mir geschrieben oder mich angesprochen, um mir alles Gute zu wünschen. Ganz herzlichen Dank – es hat mich sehr berührt. Ich hoffe, dass Sie mein Schreiben nicht allzu sehr vermisst haben.

Sie waren bestimmt viel draußen. Es ist die Jahreszeit, in der man täglich mindestens einmal rumgehen muss um zu sehen, was inzwischen wieder aus der Erde geschossen ist, was gerade angefangen hat zu blühen oder was schon verblüht ist. Bei den hohen Temperaturen geht alles so wahnsinnig schnell, dass die Angst etwas Besonderes zu verpassen recht frustrierend sein kann. Selbst wenn man nur ein Wochenende nicht Zuhause ist, macht das einen riesigen Unterschied. Innerhalb von 24 Stunden sieht das Staudenbeet mit seinem großartigen Tulpendisplay anders aus, da eine Farbe am Verblühen ist und eine andere Farbe aufblüht. Die ganze Komposition wirkt sofort anders. Spannend finde ich das immer wieder.

Kühle Tulpen © Isabelle van Groeningen

Kühle Tulpen

Der Frühling flitzt an uns vorbei

Bei meinem Rundgang von gestern, auf der Suche nach einem passenden Thema über das ich Lust habe zu schreiben, habe ich nicht nur festgestellt wieviel in den letzten drei Wochen im Garten passiert ist, sondern auch was jetzt gerade los ist. Die Haupt-Tulpenblüte ist in hoher Geschwindigkeit vorbeigerauscht und nähert sich leider schon ihrem Ende, obwohl der Zierlauch, der normalerweise die Staffel nahtlos übernimmt noch nicht ganz dabei ist. Geduld…

Feuerige Tulpe © Isabelle van Groeningen

Feuerige Tulpe © Isabelle van Groeningen

Die Nachtigall und der Flieder

Die Zieräpfel habe ich das Gefühl verpasst zu haben, genauso wie die Felsenbirne. Aber irgendwie sind die Magnolien mir in diesem Frühjahr als besonders schön aufgefallen und ist der Flieder diese Woche nicht einfach grandios, wie er uns mit seinem köstlichen Parfum großzügig umarmt? Es ist nur schade, dass er den Rest des Jahres so langweilig aussieht.

Über die Jahre hat die Fliederblüte in Berlin für mich eine besondere Bedeutung bekommen. Ich habe das Gefühl, dass die Nachtigallen immer zur Fliederzeit anfangen zu singen. Wahrscheinlich da ich vor der Brutzeit nicht so oft an der Gartenakademie bin und so den nächtlichen Gesang auf der Suche nach einer hübschen Dame verpasse. Jetzt sitzen die Gattinnen auf den Eiern und der Herr muss auch tagsüber sein Revier verteidigen. Herrlich der Gesang!

Die Gehölzpracht in voller Wucht

Die Schneebälle sind in voller Pracht, inklusive meines Lieblings Viburnum plicatum ‚Mariesii‘. An dem Blütenhartriegel kommt man nicht vorbei.

Parallel zu allen anderen, legen Rhododendren und Azaleen in ihrer unglaublichen Vielfalt mächtig los und unsere neuen Glyzinienbögen sind gerade prächtig aufgeblüht. Wer noch Kletterer sucht, ist auch von der Berg-Waldrebe Clematis montana gut bedient. Schnuppern Sie mal daran. Einige Sorten riechen besonders lecker.

Die Japanische Felsenbirne: Amelanchier asiatica var. sinica

Amelanchier asiatica var. sinica det © Isabelle van Groeningen

Felsenbirne – Amelanchier asiatica var. sinica det

Das einzige was mich gerade traurig stimmt, ist die schöne und seltene Japanische Felsenbirne, die auf unserem Caférasen steht. Sie ist gerade zauberhaft, allerdings ist es wahrscheinlich ihr letztes Aufbäumen. Von Jahr zu Jahr wird sie dünner und verliert immer mehr Äste. Felsenbirnen werden meist nicht so alt. Daher gehen wir davon aus, dass sie einfach das Ende Ihres Lebens erreicht hat und sich peu-à-peu zurückzieht trotz verschiedener spezieller Behandlungen. Wir haben vorgesorgt. Im Frühjahr haben wir in einer belgischen Baumschule, bei Damien De Vos, eine neue erworben und auch von unserem Baum wurde Vermehrungsmaterial genommen, sodass wir sie ersetzen können. Sie hat eine besondere, großzügig überhängende Wuchsform, die ich besonders schätze. An heißen Sommertagen ist es so schön in ihrem leichten Schatten zu sitzen.

 

Amelanchier asiatica var. sinica im Mai © Isabelle van Groeningen

Amelanchier asiatica var. sinica

Eigentlich hatte ich mir gestern vorgenommen über Funkien zu schreiben. Ich genieße gerade so sehr, wie diese spätaustreibenden Blätter fast über Nacht die Lücken im Beet füllen. Auf meinem Weg zurück ins Büro hatten allerdings unsere wunderbaren, oft etwas abgefahrenen Schwertlilien aus Frankreich mich völlig abgelenkt. Auch sie verdienen einige Wörter, aber sowohl Iris als auch Hosta werden ein nächstes Mal abwarten müssen.

Rosa 'Benghal Crimson' im Mai © Isabelle van Groeningen

Rosa ‘Benghal Crimson’

Inzwischen werden wir unser Bestes tun und nie wieder so lange Funkstille haben.

Genießen Sie Ihren Garten in dieser perfekten Jahreszeit!

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Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.