Funkien

11. Mai 2019 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Frühling, Pflanzen, Stauden | Schlagwörter: , , , , , |

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Hosta 'Big Daddy' - Funkien © Isabelle van Groeningen

Hosta ‘Big Daddy’

Obwohl der Garten voller verführerisch blühender Pflanzen steht, hatte ich letzte Woche versprochen, über Funkien zu schreiben. An dieses Versprechen halte ich mich gerne. Der botanischen Namen dieser Gattung ist Hosta. Sie enthält über 40 Wildsorten, die alle aus dem ostasiatischen Raum stammen. Ein größerer Teil kommt aus Japan, aber auch einige aus Korea, China und Russland. Einen größeren Teil unserer Gartenschönheiten haben wir Philipp Franz von Siebold zu verdanken, der Mitte des 19. Jh. viele Sorten aus Japan nach Europa geschickt hat. Inzwischen sind über 6000 Züchtungen entstanden und jedes Jahr kommen mehr dazu.

Standort

Hosta sieboldiana Elegans - Funkien © Isabelle van Groeningen

Hosta sieboldiana Elegans

Obwohl sie oft in schattigen Wäldern zu finden sind, gibt es auch Sorten, die auf offenem Grasland in der Nähe eines Flussbettes, wo sie genügend Feuchtigkeit haben, vorkommen. Diese Vielseitigkeit macht sie zu einer gut verwendbaren Gartenpflanze, die tolle Laubakzente kreiert. Wo der Schatten zu tief ist, wird sie nur schüchtern sein mit ihren Blüten. An helleren Standorten sind die langen, schlanke Blütenstiele mit zarten, weißen oder lila-blauen, schlanken Glöckchen ein Bonus für die Sommermonate. Als Waldpflanze genießen sie Humus. Streuen Sie daher gerne während der Herbst- oder Wintermonate eine dünne Schicht Gartenkompost oder kompostiertes Laub. Sie wachsen relativ langsam. Wer also ungeduldig ist, sollte tiefer in die Tasche greifen und schon etwas größere, ältere Pflanzen kaufen. Sonst können Sie beobachten, wie sich von Jahr zu Jahr immer mehr Nasen ab April aus der Erde schieben, um sich dann langsam zu entrollen.

Funkien in der Sonne

Hosta fortunei 'Francee' - Funkien © Isabelle van Groeningen

Hosta fortunei ‘Francee’

An sonnigeren Standorten kann eine Funkie sich wohlfühlen, solange genügend Feuchtigkeit im Boden ist. Besonders während der Etablierungsphase. Im Foerster Senkgarten in Potsdam haben die Funkien mich immer wieder erstaunt, da sie teilweise an sehr warmen, sonnigen Standorten gedeihen. Sorten mit zäheren, dicken Blättern sind besser geeignet und auch die duftenden Sorten scheinen resistenter zu sein. Sonst können sie mal ‚Francee‘, ‚June‘ und ‚Guacamole‘ ausprobieren.

Duftende Blüten

Obwohl nicht die aufregendste aller Funkien, ist Hosta plantaginea eine Sorte, die ich besonders gerne mag. Ihr Laub ist mittelgroß und mittelgrün. Ihre relativ große, weiße Blüte kommt erst im Spätsommer und hat ein göttliches Parfum. Hosta plantaginea ‚Grandiflora’ hat dann gleich extra große, weiße Glocken, die besonders stark die Luft parfümieren. Die Sorte ‚Guacamole‘ riecht auch köstlich. Obwohl alle Hostas essbar sind, sind es natürlich die duftenden, die am interessantesten sind. In Japan werden die Blütentriebe in Tempurateig frittiert. Das Parfum gibt den Geschmack, wie bei Rosen und Holunder.

Gestalten mit Funkien

Die englische Pflanzenkennerin Beth Chatto hat die Verwendung von Funkien stark beeinflusst. Sie hat jahrelang auf der Chelsea Flowershow ihre erfolgreichen Pflanzendisplays mit vielen Blattstauden aufgebaut und gezeigt, wie wichtig diese unterschiedlichen Texturen im Garten sind. Auch in ihrem eigenen Garten hat sie sie oft verwendet. Für eine dunkle Ecke oder einen düsteren Hintergrund sind die helleren Blattsorten am effektivsten, da sie Licht und sogar Sonnenlicht ins Beet bringen. Hosta ‘Albopicta‘ hat große leuchtende cremegelbe Flächen, wogegen H. fortunei ‘Patriot‘ einen schmalen, weißen Rand hat. In unserem Garten auf der Chelsea Flowershow in 2007 haben wir H. ‚Sum and Substance‘ im Halbschatten eingesetzt, wo die sonst sehr großen, ziemlich gelben Blätter eher chartreusegrün werden und eine tolle Leuchtkraft bekommen. Noch eine Sorte mit wunderbaren großen Blattflächen ist H. ‘Big Daddy‘. Ein riesen Kontrast dagegen, ideal für einen kleinen Kübel, ist ‚Blue Mouse Ears‘. Eine Miniatursorte mit kleinen gerundeten Blättern.

Chelsea 2007_ Hosta Sum and Substance © Isabelle van Groeningen

Chelsea Hosta Sum and Substance

Frühling und Herbst mit Funkien

Es ist etwas ärgerlich, dass sie so spät austreiben, wodurch monatelang nur ein leeres Beet zu sehen ist. Die Herbstzeit ist noch gut, da viele eine tolle, butter-gelbe Herbstfärbung haben. H. ‚Harry van Trier‘ hat eine besonders starke Leuchtkraft.

Hosta sieboldii 'Harry van Trier' - Funkien © Isabelle van Groeningen

Hosta sieboldii ‘Harry van Trier’

Das schmale, schlanke Laub ist relativ dunkelgrün im Sommer, aber diese Sorte ist auch bemerkenswert für seine großen Mengen an Blütenstielen. Die freie Fläche kann gut ausgenützt werden um viele kleine frühe Zwiebeln zu pflanzen. Schneeglöckchen, Winterlinge, Krokus und Blausternchen können teppichweise gepflanzt werden, die ziehen sich zurück, bis die Funkien ihr Laub entfaltet haben. Sonst sind spätere Tulpen oder auch Zierlauch ganz elegant, wenn sie am Rand der Gruppen gepflanzt werden.

Funkien Feinde

Hosta 'Albopicta' - Funkien © Isabelle van Groeningen

Hosta ‘Albopicta’

Für die meisten Gartenbesitzer ist das größte Problem die Nacktschnecke. Leider gehört die Funkie zu den Delikatessen, für die Schnecken und sie stehen oft ganz oben auf deren Speiseplan. Die letzten 12 Monate Dürre machen wiederum Hoffnung, dass es in diesem Frühling weniger gibt, damit die Pflanzen einen besseren Start in die neue Saison bekommen. Die Sorten mit gelben, creme oder weißen Markierungen sind mehr gefährdet. Diese Blattteile sind zart und saftig und lassen sich leichter essen als die dickeren, gröberen Blätter der bläulichen Sorten wie Hosta sieboldiana ‚Elegans‘. Die sind eher wie Gulaschfleisch statt feinen Filets. Es gab früher einen bezaubernden Garten in Südengland: Hadspen. Hier gab es die Nationalsammlung von Funkien. Die schattige doppelte Rabatte nur mit Funkien war makellos. Die Besitzer Nori und Sandra Pope hatten unter Tonziegeln alle drei Tage einen Schneckenkorn ausgelegt. War er nach drei Tagen noch da, war alles gut. Wenn aufgegessen, wurde eins nachgelegt: Schneckenkorn hat auch ein Lockmittel damit die Schnecken es finden!

Die saftig fleischigen Wurzeln haben leider auch eine magische Anziehungskraft für zwei weitere Gärtnerfeinde: Den Dickmaulrüssler und die Wühlmaus. Dickmaulrüsslerlarven lieben saftige, fleischige Wurzeln von Pflanzen wie Primeln und Purpurglöckchen. Wühlmäuse leider auch. Für Dickmaulrüssler gibt es über das Internet bestellbare Nematoden, die rechtzeitig mit einer Gießkanne ausgebracht werden. Wühlmäuse können mit einer Falle gefangen werden. Sonst ist eine Katze mit gutem, natürlichen Jagdinstinkt auch sehr praktisch. Als Gärtner wird man leider nicht Buddhist.

Wenn es im Garten echt nicht klappt, versuchen Sie es mit Funkien im Kübel. Dort kommt keine Wühlmaus ran, haben die Schnecke es auch schwieriger, kann höchstens ein Dickmaulrüssler Ihnen das Leben miserabel machen. Das Risiko lohnt sich sehr – sie sind eine der besten, attraktivsten Blattstauden, die es überhaupt gibt!

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Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.