Strauchpfingstrosen

18. Mai 2019 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Neuigkeiten |

Beitrag Drucken
Paeonia 'Weisse Braut' - Strauchpfingstrosen © Isabelle van Groeningen

Paeonia ‘Weisse Braut’

Pfingstrosen sind zusammen mit Schwertlilien einige der flüchtigen aber besonders attraktiven Schönheiten in dieser Jahreszeit. Sie bringen einen echten „Wow“ Faktor in den Garten und zwingen jeden Besucher stehen zu bleiben und zu staunen. Gartenliebhaber kennen meistens die Staudenvarianten mit großen, oft stark gefüllten, duftenden Blüten. Nicht jeder aber kennt die Strauchpfingstrose, die eine holzige, permanente Struktur hat und ein beeindruckender Frühjahrsblüher ist, der sich neben Magnolien und Rhododendren zeigen darf und gut winterhart ist. Die Farbvielfalt ist riesig. Es gibt fast jede Farbe außer Blau. Blüten bis zu Suppenteller groß, einfach, gefüllt oder halb gefüllt. Der Frühjahrsaustrieb ist oft bronze-, kupferfarben oder auch rot gefärbt.

Wo Strauchpfingstrosen pflanzen

Strauchpfingstrosen passen sowohl ins Staudenbeet als auch ins Gehölzbeet, wo ihr interessantes Laub im Laufe der Saison attraktiv bleibt. Oft haben sie eine etwas holprige Wuchsform. Deswegen stehen sie besser zwischen anderen Gehölzen, damit im Winter die steife Wuchsform nicht so auffällt.

Falls sie zu langbeinig geworden sind, können Sie die Triebe im Frühjahr hart zurückschneiden (allerdings werden Sie ein Jahr auf die wunderbaren Blüten verzichten müssen). Sie kommen kräftig zurück, wie beigefügte Bilder zeigen. In diesem Garten in Schwerin sind sie im zweiten Jahr nach dem Rückschnitt mit Hilfe von Rinderdungpellets sensationell gut zurückgekommen.

Pfingstrosen Neuer Trieb © Isabelle van Groeningen

Pfingstrosen Neuer Trieb

Pflege

Sie sind erstaunlich pflegeleicht und nicht anspruchsvoll. Sie gedeihen in der Sonne, sowie auch im Schatten, blühen allerdings am besten (und längsten), wenn sie im Halbschatten stehen. Besonders in sonnigen Situationen, wenn die Temperaturen hoch sind, kann die eigentliche Blütezeit oft auf ein paar Wochen reduziert sein. Aber die Blüten sind so spektakulär, dass man nicht auf sie verzichten möchte. Wenn Sie ihre Sortenauswahl richtig treffen, können Sie Strauchpfingstrosenblüten zwischen April und Juni genießen. Etwas Kompost auf die Füße und besonders bei mageren Böden ein wenig gut abgelagerten Mist oder Rinderdungpellets, werden Ihnen eine üppige Blütenproduktion bescheren.

 

Wildsorten

Paeonia rockii © Isabelle van Groeningen

Paeonia rockii

Die erste Strauchpfingstrose entdeckte ich während meines Studiums im Botanischen Garten von Kew. Es war ein etwas größerer Strauch mit riesigen, weißen Blüten, mit einer schwarzen Mitte: Paeonia rockii. Ein Traum, den alle haben wollten, aber den es nirgendwo zu kaufen gab. Sie sollte sich als wahres Biest erweisen, welches sich ungern vermehren lies. Eine Enttäuschung.

Meine Liebe zu diesen Pflanzen fing erst richtig an, kurz nachdem wir unseren ersten kleinen Garten in England bezogen hatten. Für diese komplett leere Fläche waren wir dankbar für jede Pflanze, die Freunde und Nachbarn uns geschenkt hatten. Einige Jahre später haben wir allerdings festgestellt, dass wir einige dieser großzügigen Geschenke besser abgelehnt hätten, da sie sich als extrem invasiv entpuppten. Eine bezaubernde, ältere Nachbarin namens Rose hat uns einige Sämlinge ihrer Strauchpfingstrose angeboten, die jedes Jahr bei ihr im Beet auftauchte.

Paeobia delavayi hyb. © Isabelle van Groeningen

Paeobia delavayi hyb.

Stolz wurden die knapp 15 cm großen Sämlinge gepflanzt und bald fingen sie an zu wachsen. Als wir 5 Jahre später in einen größeren Garten umziehen konnten, kamen sie mit und da gab es schon den ersten Nachwuchs, den ich meinem Vater schenken konnte. Es war eine Wildsorte P. delavayi mit relativ kleinen, glänzenden, dunkelroten und wunderbar duftenden Blüten. Die Rückseite der Blütenblätter sahen aus als währen sie mit Goldstaub bepudert. Den Umzug nach Deutschland haben sie nicht mitgemacht, aber einen Sämling aus meines Vaters Garten steht jetzt in meinem Berliner Garten. Diese hat allerdings einen wunderbaren Kupfer-Orangeton.

Paeonia 'Orion' © Isabelle van Groeningen

Paeonia ‘Orion’

Inzwischen hatte mein Vater, der immer gerne Pflanzen vermehrt hat, es tatsächlich geschafft, Paeonia rockii Sämlinge zu produzieren. Eines dieser Kinder steht jetzt an der Gartenakademie und hat diesen Frühling wunderbar geblüht. Aber sie ist noch weit entfernt von Kew’s Prachtmodel.

Chinesische Herkunft

Alle Strauchpfingstrosen stammen aus China, wo sie seit vielen Jahrhunderten angebaut werden, da sie eine wichtige, medizinische Pflanze sind. Sie werden meistens als Paeonia suffruticosa Gruppe untergebracht, da es inzwischen unmöglich ist, deren genaue Herkunft zu identifizieren.

Paeonia 'Shimane Hakugan' © Isabelle van Groeningen

Paeonia ‘Shimane Hakugan’

Vor circa 20 Jahren bestellte ich mir eine rote und eine weiße Sorte aus China. Es fühlte sich recht gewagt und dekadent an. Als sie kamen war die Aufregung groß. Die Aufregung war noch größer, als im nächsten Jahr die Sorte die dunkelrot sein sollte, weiß mit schwarzer Mitte geblüht hat (da wo weiß gar nicht hinpasste!) und die reinweiße sich in ein leuchtendes Rosa mit riesigen, halbgefüllten Blüten entfaltete. Die passten eher zum Bordell als in meinen Cottagegarten. Die weiße ist allerdings besonders schön und durfte mit umziehen. Das Puff-Modell blieb und machte eine Nachbarin sehr glücklich.

Paeonia Strauchpfingstrosen © Isabelle van Groeningen

Paeonia

Heutzutage ist der Export aus China zuverlässiger geworden. Hier werden sie immer noch nach uralter Tradition gezüchtet und es gibt einige Firmen in Europa, die sie von dort importieren. Ich schaffe es auch nicht, mein Gehirn um die komplizierten chinesischen Namen zu biegen. Mein Auge kauft ein und auch wenn es dann doch nicht das ist, was ich mir ausgesucht habe, wird es schön sein. Eine unattraktive Strauchpfingstrose habe ich noch nicht gesehen!

Beitrag Drucken

Auch interessant:

Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.