Griechenland zieht für die Sommermonate an der Gartenakademie ein

02. Juni 2019 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Die Gartenakademie, Jahreszeiten, Sommer | Schlagwörter: , , |

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Galium odoratum Blüte - Griechenland © Isabelle van Groeningen

Galium odoratum Blüte – Frühling in Griechenland

Wie jedes Jahr, haben wir ein wechselndes Sommerthema an der Gartenakademie. In der Vergangenheit hat es schon bunte, duftende Sommerthemen wie Provence, Indien und Jardin Majorelle in Marrakesch gegeben. Dieses Jahr haben wir uns für Griechenland entschieden.

Es wird nicht nur Olivenbäume, Bougainvillea und Kleinblätteriges Basilikum zu kaufen geben und unsere Köche werden nicht nur Moussaka und Tsatsiki vorbereiten; das Gelände bekommt diese Woche leicht griechisches Flair, das Lust macht auf Griechenland und uns bei diesem schönen, sonnigen Wetter in Urlaubsstimmung bringt.

Olivenbäume - griechische Wochen in der Gartenakademie

Olivenbäume in der Gartenakademie

 

Ein blütenreiches Frühjahr

Da die meisten Menschen sich während der Sommermonate nach Griechenland (oder in andere, wärmere, sonnensichere Länder) locken lassen, kennen die meisten diese Länder nur als karge, oft steinige Landschaften, wo nur wenig blüht.

Die Vegetation dieser Regionen hat sich an das Klima angepasst. Viele Pflanzen machen ihre Pause nicht im Winter, wenn es zu kalt und dunkel ist wie bei uns, sondern wenn es zu heiß und trocken ist. Einige dieser Pflanzen haben es bis in unsere Gärten geschafft und haben dieses Wachstumsverhalten behalten. Typische Beispiele sind die Herbstzeitlose und das Alpenveilchen, die im Herbst austreiben und anfangen zu blühen und sich im Frühjahr zurückziehen, bevor die Sommerhitze wieder einsetzt.

Griechischer Frühling in der Gartenakademie © Isabelle van Groeningen

Colchicum autumnale – Herbstzeitlose

Da das Wetter sich nirgendwo daran erinnert, wie es sich zu verhalten hat, gab es in diesem Frühling nach einem Super Bloom in Kalifornien (wo die ganze Landschaft leuchtend orange geblüht hat durch die Schlafmützchen), auch in Griechenland einen besonders blütenreichen Saisonstart, dank einer nasseren Winterzeit.

Viele Freunde, die im Frühling in Griechenland unterwegs waren, haben über blütenreiche Wiesen berichtet, gefüllt mit bekannten Gartengesichtern, aber auch mit unbekannten Blumen.

Rhododendron molle © Isabelle van Groeningen

Rhododendron molle

Topografische und geologische Einflüsse

Dank seiner Geologie und Topographie, bietet Griechenland eine große Vielfalt an unterschiedlichen Wachstumsbedingungen. Die extremen Temperaturen und die lange Trockenheit im Sommer produzieren Pflanzen, die mit unseren kalten, nassen Wintern gar nicht zurechtkommen. Gehen Sie im Inland in die Berge, wird es kühler und es gibt öfter Gewitter, wodurch die Vegetation üppiger sein kann. Die ionischen Inseln sind wesentlich grüner als die Inseln an der Ostseite. Daher gibt es dort mehrere Pflanzen, die sich aber auch bei uns wohlfühlen.

Zu viel Feuchtigkeit ist oft eher ein Problem als Kälte! Eine meiner Lieblingspflanzen für trockene Schattenstellen unter größeren Bäumen ist zum Beispiel das zweijährige Smirnium perfoliatum: Stengelumfassende Gelbdolde. Wenn sie sich einmal etabliert hat, wird sie sich aussähen und im zweiten Jahr blühen; auch unter größeren Kiefern und Eichen. Die sommerliche Trockenheit aus ihrer Heimat macht sie zu dem perfekten Kandidaten für unsere Problemzonen.

Smirnium perfoliatum © Isabelle van Groeningen

Smirnium perfoliatum © Isabelle van Groeningen

Viele dieser Pflanzen kommen nicht nur aus Griechenland. Sie sind, wie die Dichternarzisse, generell im Mittelmeerraum zuhause.

Alte Bekannte, aber leider nicht alle so winterharte Pflanzen

Von kleinen Primeln und fröhlichen Anemonen, bis zur Lenz Rose, von der Wachsblume Cerinthe major, Leinkraut, Klatschmohn, Kornblume bis hin zur Madonna Lilie, tauchen sie in unterschiedlichstem Habitat auf und passen sich gut an unser Klima an.

Cerinthe major purpurascens

Natürlich gib es auch verschiedene Wolfsmilcharten, Zistrosen, Strauchiges Brandkraut, Oleander und Pistazien, die es bei uns im Winter nicht sehr leicht haben. Aber auch die Esskastanie und der Amberbaum sind in diesen Regionen zu finden, sowie unsere toll duftenden, gelben Azaleen.

Weniger bekannt ist z. B. der Erdbeerbaum Arbutus unedo. Ein Heide-Verwandter, einer der wenigen aus diese Pflanzenfamilie, der lieber einen kalkreichen Boden mit hohem pH Wert mag. Dieser wunderbare Baum, der zur gleichen Zeit seine hübschen, weißen Blüten hat und noch die kugelrunden, roten Erdbeer-ähnliche Früchten der letzten Saison trägt, braucht bei uns eine sehr geschützte Ecke. Diese Bäume wachsen zusammen mit Quercus ilex, der Steineiche, und Phillyrea latifolia der Breitblätterigen Steinlinde.

Kommen Sie in den nächsten Wochen vorbei und schauen Sie es sich an. Schnuppern Sie ein bisschen Griechenland in Erwartung Ihrer nächsten Reise oder feiern Sie mit uns die Sommersonnenwende mit einem griechischen Grillabend am 21.06.2019.

Mehr zu unserem Sommerthema, die Öffnungszeiten und die Speisekarte unseres Cafés finden Sie auf unserer Website.

Sommerthema Griechenland in der Gartenakademie

Vorbereitungen für das Sommerthema Griechenland

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Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.