Bewässerung von Gartenanlagen

27. Juli 2019 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Jahreszeiten, Probleme und Sorgen, Sommer, Übers Gärtnern | Schlagwörter: , , |

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Gießkannen vor Apfelspalier

Während das Thermometer steigt und die Regenwolken abhauen, breitet sich der Sommerstress im Garten wieder aus: Besonders nach dem langen, heißen, trockenen Sommer von 2018 taucht das heikle Thema „gießen“, die Bewässerung des Gartens, wieder vermehrt bei den meisten Garten- und Balkonbesitzern auf. Die kühlere, regnerische Periode war eine Erleichterung für Pflanzen und Besitzer – Eine kurze Verschnaufpause, in der man etwas entspannter sein konnte.

Bewässerung ist ein schwieriges Thema. Wie, wann und womit verursachen Unsicherheit bei vielen und die Meinungen können weit auseinandergehen. Öfter mussten wir einigen Gärtnern trotz Ausbildung und Erfahrung zeigen, wie man so gießt, dass die Pflanzen auch nachhaltig etwas davon haben.

Was können Sie vorbeugend tun, damit Sie überhaupt weniger gießen müssen?

Bei der Pflanzenauswahl:

Suchen Sie sich Pflanzen aus, die dem Standort gerecht werden. Haben Sie einen Boden der die Feuchtigkeit gut hält, können Sie zum Beispiel Wiesen-Iris und andere Schönheiten, die es gerne feucht mögen, pflanzen. Vielleicht sind Sie aber auch mit Bart Iris besser bedient. Diese stört weder die Sommerhitze noch die Dürre. Silberblättrige Pflanzen sind durch die Reflektion des starken Sonnenlichtes gegen Hitze gewappnet, wogegen schmalblättrige Überlebenskünstler wie Rosmarin oder Lavendel ihre Blattflächen so stark reduziert haben, dass sie weniger Wasser durch Verdunstung verlieren. Sedum speichert extra Wasser in seinen Blättern. Mehrere Geophyten sitzen ganz tief mit ihren Wurzeln im Boden und ziehen sich während der heißen Monate völlig zurück und machen eine Pause.

Beim Planen:

Vermeiden Sie nackte Erde. Wo Sonne und Wind an die Erde kommt, trocknet sie extra schnell aus. Die Flächen sollten entweder mit Mulch wie Kompost, oder besser noch Pflanzen abgedeckt sein. Planen Sie eine dichte Bepflanzung, die schnell zusammenwächst. Sie werden merken, dass damit auch viel weniger Unkraut entsteht.

Beim Pflanzen:

Besonders auf sandigen Böden, die schnell austrocknen, hilft organisches Material wie Kompost beim Pflanzen. Dieser wirkt wie ein Wasserspeicher. Ähnlich fördert die Anwendung von Bentonit die Bodenfeuchtigkeit (ein Ton-ähnliches Substrat, das aus Amerika kommt und eigentlich Lavaasche ist. Diese besitzt eine hohe Wasserspeicherkapazität). Im Pflanzloch können Sie auch beim Pflanzen Mykorrhizen verwenden. Diese Pilze haben ein sehr feines, weitreichendes Netzwerk von Wurzeln und leben in Symbiose mit Pflanzen. Sie tauschen u.a. Nährstoffe für Wasser aus und helfen dabei, die Pflanze während ihrer Etablierungsphase schnell auf die Beine zu bringen.

Der Wurzelballen sollte vorher kurz getaucht werden, damit er sich richtig vollsaugt. Gießen Sie gründlich nach dem Pflanzen, damit die Erde auch zwischen den Wurzeln schlemmen kann.

Mit der Hand oder Bewässerungsanlage?

Das ist wohl die Millionen-Dollar-Frage. Vieles hängt davon ab, was für ein Gartenbesitzer Sie sind und was für eine Erde Sie haben. Auf vielen schwereren Lehmböden entsteht nicht so schnell Wassernot wie auf lockeren, sandigen Gartenpartien, wo das Regenwasser sofort durchspült. Hier bietet sich die automatische Bewässerung an, damit Sie nicht so oft gießen müssen. Macht es Ihnen Spaß, haben Sie genügend Zeit und sind Sie regelmäßig zuhause um den Garten zu gießen, dann ist die manuelle Methode die bessere. Sie können dann Ihren Beeten Wasser geben, wenn es notwendig ist. Das merken Sie z. B. daran, dass die Pflanzen die Ohren schlapp hängenlassen, auch wenn die Sonne schon längst weg ist. Oft und besonders am Anfang der heißen Saison lassen Pflanzen ihre Blätter am heißesten Punkt des Tages hängen, erholen sich aber dann wieder, wenn es kühler ist.

Automatische Bewässerungsanlagen

Bewässerung - Schläuche mit Erde abdecken © Isabelle van Groeningen

Schläuche der Bewässerungsanlage sind am besten abgedeckt mit Erde.

Besonders bei neu bepflanzten Gärten ist es hilfreich, eine Bewässerungsanlage zu haben, wenn Sie die regelmäßige Wasserversorgung nicht garantieren können. Mit der Zeit werden Pflanzen weniger abhängig von Ihrer Hilfe, weil sie ihr eigenes Wurzelwerk tief in der Erde etablieren. Eine Pastinake zum Beispiel, kann innerhalb von einer Saison locker 50 – 60 cm Tiefe und mehr erreichen und viele Pflanzen wie Türkenmohn, die aus Regionen stammen wo sie öfter längere Perioden von Hitze und Dürre ausgesetzt sind, werden ihre Wurzeln auf unerwartete Tiefe hinabsenken.

Hier gibt es mehrere Optionen von einer vollautomatischen, computergesteuerten Bewässerungsanlage mit Regenmonitor, bis zu einer Anlage mit einfacher Uhr, die täglich oder ein paar Mal die Woche, für eine bestimmte Zeit läuft. Alternativ können Sie auch Sprenger aufstellen oder einen porösen Schlauch, z. B. am Fuß einer Hecke hinlegen und den Wasserhahn aufdrehen, wenn notwendig. Schön ist, wenn man das Geschleppe mit Schläuchen reduzieren kann.

Wie oft gießen?

Besser nur ein- oder zwei Mal die Woche gründlich gießen, als täglich ein wenig. Bei großer Hitze, auf sandigen, lockeren Böden, reichen ein oder zwei Mal. Auf festen, lehmigen Böden reicht oft ein einziges Mal, wenn überhaupt. Sie sind der beste Regenmonitor – Sie können am besten einschätzen, welche Ecken genügend Wasser bekommen haben und wo etwas fehlt. Meistens hat ein Garten „trockenere“ Ecken, wo viel Sonne scheint oder es einen Regenschatten gibt, eine Ecke wo es durstige Baumwurzeln gibt oder der Boden einfach durchlässiger ist.

Bewässerung mit Anlage © Isabelle van Groeningen

Zur Zeit werden die Staudenbeete ein mal die Woche 2-3 Stunden Morgens früh gesprengt. Die Rosen bekommen extra alle 3 Tage © Isabelle van Groeningen

Wenn Ihre grünen Schätze täglich mit ein wenig Wasser beglückt werden, gewöhnen sie sich schnell daran und halten ihre feinen Wurzeln in der Nähe der Erdoberfläche parat, damit sie schnell alles absorbieren können. Sind Sie ein paar Wochen verreist und die Bewässerungsanlage fällt aus oder die Nachbarin war doch nicht so zuverlässig wie gehofft, werden Sie ein trauriges Bild bei ihrer Rückkehr vorfinden.

In Januar 2018 hatte ich im Garten meiner Eltern große, alte Sträucher umgepflanzt, unter anderem Rhododendron und Verwandte, die über 20 – 30 Jahre alt waren. Während der großen Hitze im letzten Sommer haben sie höchstens ein einziges Mal in der Woche Wasser bekommen. Das war genug damit sie die lange Dürreperiode überlebten. Die Gehölze, die nicht umgepflanzt wurden, haben kein Wasser bekommen (es gab ein Schlauchverbot) und haben stark gelitten. Einige sind sogar gestorben.

Gießkanne oder Schlauch?

Während solch extremer Trockenperioden ist es fast besser mit einer Gießkanne zu arbeiten. So bekommt man ein besseres Gefühl für die Mengen, die eine Pflanze wirklich bekommen hat. Mit einem Schlauch ist es schwierig einzuschätzen, wie viele Liter geflossen sind. Selbst wenn es sich anfühlt als stünden Sie schon lange genug an einer Pflanze lohnt es sich, die Nachbarn erstmal zu gießen und dann für eine zweite, oder sogar dritte Runde zurückzukommen. Dann konnte die erste Charge schon mal einsickern. Wenn Sie hinterher die Erde ein wenig ankratzen, werden Sie sehen, wie viel (oder eher wie wenig) wirklich angekommen ist. Eventuell sollten Sie um den Wurzelbereich einen kleinen Damm bauen, der das Wasser hält, damit es nicht gleich abfließt.

Gießkannen vor Apfelspalier

Wieviel?

Was die Mengen angeht, ist es schwierig, eine genaue Aussage zu machen, da alle Pflanzen unterschiedliche Ansprüche haben. Es hängt davon ab, wie groß sie sind (und wieviel Laubfläche Wasser verdunstet) und natürlich spielen auch die Böden eine Rolle. Ein erwachsener Baum verdunstet mehrere hundert Liter Wasser pro Tag. Deshalb ist es immer schön kühl im Schatten von Bäumen und deshalb sind sie so wichtig für ein angenehmeres Stadtklima. Jungbäumen, deren Wurzeln noch nicht so weit entwickelt sind, sollte man mindestens 50 Liter pro Woche geben. Ihre Salatpflänzchen freuen sich bestimmt schon riesig, wenn sie einen halben Liter bekommen.

Regen-, Stadt- oder Brunnenwasser?

Gießen - Bewässerung mit Regenwasser © Isabelle van Groeningen

Gießen Sie Sämlinge mit Regenwasser

Stadtwasser ist oft, besonders im Berliner Raum sehr kalkhaltig, was besonders die Heideverwandten wie Rhododendron und Azaleen nicht mögen. Eine extra Wasseruhr für Gartenwasser ist empfehlenswert, da sie auf dieses Wasser kein Abwasser bezahlen. Für die Pflanze ist Regenwasser natürlich das Beste. Unbelastet von Chlor und anderen Zusatzstoffen und eher säuerlich. Aber man hat meist nie genug davon, besonders während anhaltender Perioden von Trockenheit. Deshalb ist es empfehlenswert, das kostbare Regenwasser für junge Pflanzen wie Sämlinge und sauer liebende Pflanzen wie die Heide und Rhododendron aufzubewahren. Brunnenwasser ist wesentlich günstiger (wenn der Brunnen endlich da ist) aber kann eisenbelastet sein. Hiermit muss man aufpassen, da rostige Flecken auf Belägen und Möbeln entstehen, als auch ein komischer metallener Film auf Blattoberflächen.

Metal-Film vom eisenhaltigen Brunnenwasser auf Rhododendron Blättern © Isabelle van Groeningen

Metal-Film vom eisenhaltigen Brunnenwasser auf Rhododendron Blättern

Märchen oder doch nicht:

Über die Mittagszeit gießen und Rosen nicht überkopf gießen? Es gibt viele Märchen im Gartenbereich. Oft werden wir von Kunden gefragt, wenn unsere Gärtner mittags mit dem Schlauch unterwegs sind, ob das dann nicht schlecht für die Pflanzen wäre. Es ist schon empfehlenswert, die Blätter zu vermeiden und am Fuß zu gießen, aber wenn eine Pflanze kurz vor dem Verdursten ist, ist es trotzdem besser zu gießen, als sie langsam sterben zu lassen. Und wenn wir morgens früh den Sprenger mal einige Stunden über den Staudenbeeten stehenlassen, bekommen die Rosen eine Dusche. Aber wenn es regnet bekommen sie es auch. Dann steht auch keiner mit seinem Regenschirm daneben um die Blüten zu schützen. Es ist nur die tägliche Dusche, mit der sie echt nicht einverstanden sind!

Es ist besser einmal richtig gut zu gießen, damit die Pflanze genügend Wasser bekommt und die Erde rundum schön feucht ist. Erst dann können Sie beobachten, wie schnell es trocken wird und wie oft oder wieviel Sie Ihre grünen Mitbewohner unterstützen sollten. Ihre Pflanzen sind wie Ihre Kinder: Jede ist anders, aber Sie wissen, was jede braucht um gut zu funktionieren!

Ich gieße gerne morgens ganz früh. Es ist immer eine schöne Zeit im Garten und dann hat die Feuchtigkeit noch Zeit, in die Erde einzudringen, bevor die Sonne zu viel Verdunstung verursacht. Abends ist natürlich auch gut, aber nur wenn Sie kein Schneckenproblem haben. Die freuen sich nämlich auf eine feuchte Umgebung, dann kommen sie besser vorwärts!

Tagsüber verschwindet zu viel der Flüssigkeit in der Luft dank des Windes und der Sonne.

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Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.